Schlagwort-Archive: Werte

Besiegelt gut für alle

Das weiß doch jeder: Ein Unternehmen soll Gewinne erzielen, die von den (Anteils-)Eignern privat vereinnahmt werden. Ganz anders aber ist dies nach der sogenannten Gemeinwohlökonomie, kurz GWÖ, ausführlich vorgestellt zum Beispiel in dem kostenlosen und grundsätzlich kritischen Buch „Selbst denken“ der Bundeszentrale für politische Bildung. In einer GWÖ definiere ein Unternehmen seinen Erfolg danach, ob es zum Wohlergehen Weiterlesen

Die alten Jungen

YouTube-Sexismus„Die Digitalisierung und die daraus erwachsende Jugendkultur stellen erstmals die gesamten gesellschaftlichen Strukturen nachhaltig auf den Kopf“, schreibt der junge Münchner Unternehmensberater und Autor Philipp Riederle stellvertretend für die „Digital Natives“ der „Generation Y“ auf seiner Website. Alles anders, alles neu, möchte man meinen. Wer sich genauer mit den Eingeborenen „Digitaliens“ und ihren dauerberieselnden Kanälen Weiterlesen

Herzen unter Verschluss

schlsrnrzs16eedWas als Interview zu einer magersüchtigen jungen Frau beginnt, entwickelt sich nach einiger Zeit zum facettenreichen Grundsatzgespräch über Wille und Zwang sowie Liebe und Selbstliebe, auch unter Spitzenverdienern und Top-Managern: ein Interview der „Süddeutschen Zeitung“ mit Bodo Unkelbach, Psychiater, Coach und vor allem Chefarzt einer Klinik für Suchtmedizin und Psychotherapie. Bei fast allen seinen Patienten habe er einen Mangel an Selbstliebe entdeckt. Gerade „Menschen an der Spitze“ seine häufig schlicht einsam, während Geld und Macht nur Ersatzstoffe für zwischenmenschliche Beziehungen darstellten. „Die Liebe zu den Menschen schließt die eigene Person nicht aus“, lehrte bereits vor fast zweieinhalbtausend Jahren der chinesische Philosoph Mo Di.

Bitte schön freundlich

frnih15jhvgEin freundliches Wort koste nichts und sei doch „das schönste Geschenk“, meinte die englische Schriftstellerin Daphne du Maurier. Dabei könnte sich Freundlichkeit für beide Seiten lohnen: Laut Wikipedia-Eintrag hat sich „die gezielt freundliche Intention sozialen Handelns im Umgang mit anderen Menschen“ längst als nützlich „für ein kooperatives Miteinander“ erwiesen. Nicht umsonst halten auch die meisten Eltern ihre Kinder immer wieder dazu an, lieb und freundlich zu sein. Der Moderator Jan Köppen hat für den „Disney Channel“ kürzlich die „Mission Freundlichkeit“ als 100-Tage-Experiment gestartet. „Das Ziel: mal wieder nett zueinander sein.“ Etwas ganz Großes solle daraus werden – „alle sollen mitmachen und die Mission mit eigenen Aktionen unterstützen“.

Fraglich, ob das klappt. Hört man nicht immer wieder den Nett-ist-die-kleine-Schwester-von-…-Spruch? Und dichtete nicht Theodor Fontane: „Wie wohl mir’s tut, Daß nicht alles gut; Ist alles nett, So stict man im Fett.“? Mercedes Lauensteins Beitrag „Der war aber nett!“ im Magazin „jetzt“ der „Süddeutschen Zeitung“ jedenfalls hält dagegen. Nettigkeit zahle sich aus – jede Begegnung funktioniere besser, „wenn Freundlichkeit im Spiel ist“. Wir Menschen hätten sogar ein „dringendes Bedürfnis, stets lauthals zu verkünden, wenn im öffentlichen Leben mal wieder jemand nett zu uns war“. Offenbar haben wir hier alle eine Art universellen Erziehungsauftrag, Find‘ ich eigentlich ganz nett so.

Digitale Habenichtse

daatindhndBernd Graff beschreibt in „Das kaufen wir euch nicht ab“ in der „Süddeutschen Zeitung“ den fundamentalen Umbruch im menschlichen Konsumverhalten im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung.

Noch vor einem Vierteljahrhundert hätten Besitztümer nicht zuletzt die Möglichkeit bedeutet, „das Konstrukt unseres Selbst aufrechtzuerhalten“. Heute hingegen gehöre der „physische Besitz eines Objekts“ im Grunde gar nicht mehr zum „Akt des Konsums“. Der Glaube, dass Waren und Objekte unser Selbst veredeln können, sei überwunden. Vielmehr erlebten wir, so Graff in Anlehnung an den in England lehrenden Marketingprofessor Russell Belk, eine Ära des (Mit-)Teilens und der Dematerialisierung: Güter, aber auch Identitäten, seien „physikflüchtig“ und könnten zum Beispiel durch Avatare ersetzt oder erweitert werden. Das mag nach einer furchtbar verstaubten Diskussion im akademischen Elfenbeinturm klingen, aber Marketingentscheider dürften darin wertvolle Ansätze für künftige Absatzstrategien erkennen.