Schlagwort-Archive: Vertrauen

Klangvolles Ende einer Freundschaft

GämsendämmerungWer etwas über zwischenmenschliche Beziehungen lernen will, könnte den ziemlich genau vor zwei Jahren erschienenen Beitrag „Sozialpsychologie: Die Gesetze der Freundschaft“ im Magazin „Spektrum“ lesen. Oder er gönnt sich einen Theaterbesuch und sieht sich das ganz und gar nicht dumme, Ende 2015 uraufgeführte bayerische Musical mit dem allerdings nicht sehr glücklich gewählten Titel „Gämsendämmerung“ an (alles andere Weiterlesen

Zwischen Gag und waghalsigem Stunt

PR-TrickDeutsche Anwälte haben Mark Zuckerberg wegen Volksverhetzung angezeigt, und Redakteure der „Meedia“ meinen, das Ganze rieche „doch sehr nach PR-Stunt“ – alles womöglich nur Fassade, nur so zum Schein eben. Im Austausch mit einer Kollegin brachte mich das auf die sehr grundsätzliche Frage: Welche Rolle spielt Täuschung in der professionellen Medien- und Öffentlichkeitsarbeit? Für viele ist der sogenannte PR-Gag oder PR-Trick ja Weiterlesen

Aufrichtig in Not

PR in WahrheitPublic-Relations-Arbeit geschieht nicht selten in einem mehr oder minder starken Spannungsfeld zwischen Wahrheit und vor allem Wahrhaftigkeit einerseits und Soll- oder Zielbotschaft andererseits. Dabei stehen Glaubwürdigkeit und Vertrauen – auch das des Arbeit- oder Auftraggebers! – auf dem Spiel. Ein Beitrag des „Sterns“ samt sehenswertem Videoausschnitt von einer Pressekonferenz mit Smudo von den Fantastischen Vier und einer Facebook-Sprecherin zum umstrittenen Umgang mit sogenannten Hasskommentaren macht dieses meist unausgesprochene Dilemma ungewöhnlich deutlich sichtbar. Einmal mehr vermeidet die Facebook-Vertreterin eine klare Aussage und begründet dies damit, dass es schwierig sei, „darauf eine Antwort zu geben, die zufriedenstellend ist“. Der Musiker aber will sich damit nicht abspeisen lassen und fordert: „Dann geben Sie uns doch eine Antwort, die nicht zufriedenstellend ist. Sie können auch mal was Unangenehmes sagen oder was Blödes oder was nicht in Ordnung ist. Sie können das tun. Jetzt!“ In ihrem Artikel zum selben Ereignis bringt die „Süddeutsche Zeitung“ ein weiteres Smudo-Zitat: „Sie laufen hier gerade herum wie eine Kakerlake, wenn das Licht angeht.“ Eine bemerkenswerte Szene mit viel Stoff für die Selbstfindung und Weiterentwicklung unserer Zunft.

In eine ähnliche Richtung weist – zumindest bei genauerem Hinsehen – in der „Zeit“ die bissige und nach meinem Dafürhalten bestechend scharfsinnige jüngste Ausarbeitung aus der Reihe „Fischer im Recht“. Wir können darin das Sezieren eines Leitkommentars der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ verfolgen, welcher „von der Farbe zwischen den Buchstaben lebt“ und gerade durch seine „im Nichts dahinmurmelnde Unauffälligkeit des Textes“ auffällt. Der Autor kämpft sich für und mit dem Leser zu der Erkenntnis, dass Sprache eben eine furchtbar komplizierte Sache sei und „Wahrheit nicht immer das, was sie zu sein scheint“. Sprache forme, gestalte, interpretiere und erzwinge Wahrheiten. „Und manchmal sind die bedeutsamen Windungen der vorgeblichen Meinung nicht mehr als deren schlichtes Gegenteil.“ Ein famoser Fisch(er)zug mal wieder.

PR-Riese auf heißen Kohlen

dlmnkhl15ugdNeugeschäft zählt zu den Themenklassikern bei der Eigen-PR von Agenturen. Ganz anders diesmal bei Edelman, der mit rund 5.500 Mitarbeitern weltweit wohl größten unabhängigen PR-Agentur: Die US-Amerikaner trennen sich von sämtlichen Kunden aus der Kohleindustrie sowie der Ecke der Klimawandelleugner. Damit wolle Edelmann die drohende Erosion der eigenen Legitimität und Glaubwürdigkeit auf dem Meinungsmarkt vorbeugen, wie es in einem facettenreichen Hintergrundbeitrag im britischen „Guardian“ heißt. Grundsätzlich halte man Verschleierungstaktiken, die Verbreitung von Halbwahrheiten und Manipulationsversuche wie die berühmte Grünfärberei schlicht für „unangemessen“.

Für mich klingt das – nicht zuletzt nach nach einem Blick auf Edelmans Kundenliste – zwar noch ein wenig halbherzig, aber lautere Absichten will ich gar nicht in Abrede stellen. Der „PR Report“ hält aber ganz andere Gründe für die Trennung von zum Teil langjährigen und budgetstarken Mandanten für möglich: mangelnde Attraktivität für Mitarbeiter und vor allem Abfuhren bei der Vergabe von Teiletats von Top-Marken wie Nike oder Unilever. So geht es wohl auch hier vor allem um eins: „Kohle“.

Zehn-Länder-Studie zur Markenskepsis

mkste15ujnDer „PR Report“ weist auf eine aktuelle Untersuchung der internationalen MSL Group zu den Einflussfaktoren für die Reputation eines Unternehmens oder einer Marke in zehn Staaten von Brasilien bis China hin. In allen untersuchten Märkten habe sich neben der Qualität der Produkte und Dienstleistungen das ethische Verhalten als wichtigster Erfolgsfaktor für einen guten Ruf erwiesen. Zudem käme es vor allem auf das „wahrgenommene Wachstumspotenzial“, die „Führung“ sowie eine „klar formulierte Zukunftsvision“ an. Eine grundsätzliche Skepsis sei dabei für Europa – neben Deutschland waren Schweden, Frankreich und das Vereinigte Königreich Teil der Studie – geradezu symptomatisch. Auf der globalen MSL-Website findet sich übrigens noch eine schöne Übersicht mit den wichtigsten Ergebnisse auf Englisch.

Beziehungsweise Marken

mrkefshm15uztfcDie „Horizont“ berichtet über die wichtigsten Ergebnise der jetzt veröffentlichten Markenstudiebrandshare 2014“ der PR-Agentur Edelman. Dabei wurden per halbstündigem Online-Interview rund 15.000 Menschen aus zwölf Ländern von China bis Kanada zu ihren Beziehungen zu insgesamt knapp 200 Marken befragt. Ist und Soll klaffen oft weit auseinander, in Deutschland ebenso wie weltweit. Hier anzusetzen und nachzubessern, dürfte sich lohnen: Wer Kundenbedürfnisse erfüllt, erhält im Gegenzug eine erhöhte Kaufbereitschaft oder auch Weiterempfehlungen. Konsumenten seien sogar bereit, eine Marke gegen Kritik zu verteidigen. „Bindungswilliger Konsument sucht Marke“, heißt es da. Fast jede Frage mündet in mehr oder weniger konkrete Handlungsempfehlungen für PR und Markenkommunikation. Erst zuhören, dann verkaufen.

Im Zweifel zu Hause

zwiflta14hgcvDie Teilnehmer an eher dumpfen Aufmärschen à la „Hogesa“ oder „Pegida“ verweigern meist jedes Gespräch mit Journalisten von der „Systempresse“ – die würden doch ohnehin alles verdrehen. Aber auch sonst – rechts wie links, oben wie unten – stellen Experten eine erschreckende Erosion des Vertrauens in Medien fest. Kompetente Mediennutzung verlangt nach einer kritischen Haltung, aber was wir vielfach erleben ist wohl eher eine nicht weiter hinterfragte, nahezu totale Journalismusverweigerung in Kombination mit einer erstaunlich unkritischen Hinwendung zu Verschwörungstheorien und bezahlter Propaganda. Allein in den jüngsten vier Wochen hatte ich drei Gespräche mit Menschen, die lieber anonymisierten Facebook-Meldungen oder Russlands nachweislich manipulierenden Staatsindoktrinierern Glauben schenken als handwerklich blitzsauberen Zeitungsrecherchen.

Nach meinem Eindruck haben sich viele Menschen in ihrem verabsolutierten Zweifel quasi häuslich eingerichtet. Die Schweizer „Tageswoche“ hat jetzt fünf Thesen zum „schwer fassbaren Unbehagen gegenüber traditionellen Medien“ zusammengestellt und ruft ihre Leser zur Grundsatzsdiskussion auf. Ich bin gespannt auf die Ergebnisse. Derweil werde ich weiter Medien als unersetzliche Quelle für Informationen und Hintergründe nutzen. Nicht blindlings, aber offen und neugierig. Wie der ungläubige Thomas auf Caravaggios berühmtem Gemälde können wir es schließlich nicht machen – der Großteil der Erkenntnisse über unsere Welt gründet sich zwangsläufig nicht auf persönliche Erfahrungen, sondern Vermittlung, und in den meisten Fällen eben mediale Vermittlung. Liebe Qualitätsmedien: Gut, dass es euch gibt!

Vertraute Schwächen

brnhenveun14uztcRegelmäßig ermittelt die GPRA für insgesamt acht Kernbranchen den sogenannten Vertrauensindex. Über die jüngste Erhebung berichtet der „PR Report„. Gewinner ist erwartungsgemäß die Automobilbranche. Gerade der Umgang mit Kunden hat offenbar hervorragend abgeschnitten. Insgesamt ausgesprochen schlecht kam hingegen die Energiewirtschaft weg, in der ich mich seit rund anderthalb Jahren hauptsächlich bewege. Einen kleinen Trost hält immerhin der Vorjahresvergleich bereit: Die Rote Laterne konnte knapp an die Finanzindustrie abgegeben werden. Inzwischen vertrauten „nur noch zwölf Prozent der Verbraucher den Aussagen der Banken und Versicherungen“ – ein neuer Negativrekord. „Große Versprechungen schmälern das Vertrauen“, wusste bereits Horaz. Der „Sinkflug des Finanzsektors“ könnte sich fortsetzen.

Wikipedias „Ja-aber“

wkeda14ugv Schon wieder geht es um ein Online-Thema: Das nicht-kommerzielle Internetlexikon Wikipedia, das bei den meisten Menschen längst die Glaubwürdigkeit einer früheren Brockhaus-Edition genießt, hat seine Nutzungsvorgaben geändert und fordert, dass sich bezahlte Autoren auch als solche zu erkennen geben. Alternativ war auch ein genereller Ausschluss von „Mietschreibern“ diskutiert worden. „Wer gegen Geld Beiträge erstellt oder bearbeitet, muss dies öffentlich machen. Das gilt nicht für Mitarbeiter von Stiftungen, Museen, Archiven und Bibliotheken, die in ihrer Funktion Artikel über ihr Fachgebiet editieren“, erläutert die „Neue Zürcher Zeitung“ Wikipedias „Kampf gegen Sockenpuppen„. Bereits vor einigen Tagen veröffentlichte Wikipedia „eine Vereinbarung mit mehreren großen PR-Firmen, die versprachen, sich an die Nutzungsbedingungen zu halten“, wie auch die „Süddeutsche Zeitung“ berichtete. Transparenz als zentrale Voraussetzung für Vertrauen – ein guter Schritt.

Ansprache mit Redewendung

Rdeirfn87t65gTypischerweise sind sie „abgenutzt“, „hohl“, „abgedroschen“ oder auch „ausgelutscht“: Floskeln. Dass sie in Reden durchaus ihre Berechtigung haben, betont der Präsident des Verbands der Redenschreiber deutscher Sprache (VRdS) in seiner kurzen Dezemberkolumne. So würden wir Menschen nach einer Studie der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität „Aussagen schätzen, die Banalitäten und Allgemeinplätze enthalten“. Zudem könne höflich wertvolle Zeit gewonnen werden. Der sprichwörtliche Klartext sei da zum Beispiel in der Politik häufig weit weniger erfolgreich. Nach meiner Erfahrung dienen Floskeln auch dem Gefühl des Vertrautseins und letztlich dem unbewussten Vertrauen in die Botschaft. Nicht umsonst, so heißt es in dem Beitrag, würde Floskel „etymologisch ‚Blümchen‘ bedeuten und mit ‚Flirt‘ zusammenhängen“ – und wer mag schon keine Blumen?