Schlagwort-Archive: Veränderung

Wandel stellt sich quer

Fast jeder kennt wohl die Metapher vom Schwimmen gegen den Strom. Wenn ich zwischen Büro und Zuhause die Isar überquere, kann ich Forellen genau dabei beobachten. Es kostet offensichtlich Energie, aber im Gegenzug führt das Wasser den Fischen quasi frei Haus Nahrung zu. Wenn der Nachschub versiegt, schwimmt der Fisch an eine andere, mutmaßlich bessere Stelle. Das Bild passt in meinen Augen auch ganz gut Weiterlesen

Ausgesprochen veränderlich

deutsche spracheEinem berühmten Mark-Twain-Zitat zufolge ist die deutsche Sprache dermaßen schwierig, dass sie „sanft und ehrfurchtsvoll zu den toten Sprachen abgelegt werden sollte“. Nun, durch das Aufeinandertreffen mit anderen Sprachen werde die deutsche Sprache zusehends „einfacher, flexibler, effektiver, besser handhabbar“, heißt es in einem Interview der „Süddeutschen Zeitung“ mit dem Slawisten und Weiterlesen

Mit 30 fertig

vrntrp15ejgWer einmal die 30 überschritten hat, habe nur mehr schlechte Möglichkeiten, „grundlegend etwas an der Persönlichkeit zu verändern“, aber „einige Mut machende Nachrichten“ gebe es dann doch, erläuterte vor ein paar Tagen ein recht langer Beitrag zur Persönlichkeitspsychologie in der „Süddeutschen Zeitung“. Dabei wird auch das sogenannte Ocean-Modell mit den „Big Five“, den fünf Dimensionen einer Persönlichkeit erläutert (Offenheit für Erfahrungen, Gewissenhaftigkeit, Extraversion, Verträglichkeit sowie Neurotizismus). Am deutlichsten beeinflusst die meisten von uns auch im späteren Leben noch der Beruf. Ansonsten ist Veränderung am ehesten eine Kunst der kleinen Schritte. „Ich muss mein Ändern leben“ statt „Ich muss mein (ganzes) Leben ändern“. Wer von heute auf morgen den großen Typenwechsel vollziehen will, ist wissenschaftlich gesehen chancenlos.

Wuppen? Negativ!

wpntng15rliMit Wilhelm Schmid kritisierte einer meiner Lieblingsphilosophen bereits vor Jahren „eine Art Zwang zum Glücklichsein“ und eine „Diktatur des Positivdenkens“. Jetzt hat die deutsch-amerikanische Psychologin Gabriele Oettingen im Gespräch mit der „Süddeutschen“ Ergebnisse ihre Forschungsarbeit vorgestellt und kommt zu einem klaren Schluss: „Positives Denken hindert uns daran, Ziele zu erreichen.“ Wunschträume seien zwar in der Lage, die Laune zu verbessern oder beim Entspannen zu helfen, stünden aber im Weg, „wenn es darum geht, tatsächlich eine Aufgabe anzupacken, Ziele zu erreichen“. Oettingen rät im Rahmen ihrer „Psychologie des Gelingens“ stattdessen zum „WOOP“-Modell“, auch als „mentales Kontrastieren“ bekannt: Neben dem Wunsch („wish“) und dem erhofften Ergebnis („outcome“) lenkt man den Blick dabei auch auf die Hindernisse („obstacles“) und entwickelt einen konkreten Plan, diese zu überwinden oder zu umgehen. Hürden werden also nicht ausgeblendet, sondern bewusst herausgearbeitet und angegangen. Auch in meiner Arbeit als systemischer Coach hat sich dieses Vorgehen wiederholt bewährt. Immanuel Kant lag wohl richtig: „Alle Stärke wird nur durch Hindernisse erkannt, die sie überwältigen kann.“

Wünsch dir was

mraepbe14uzgvIn seinem „Zwischenruf“ beim „PR Report“ fragt Mirko Lange, wann PR endlich „wünschenswert“ werden wird. Vor fast 20 Jahren war Mirko mein Kollege bei Hans-Georg Möckesch, nicht nur als GPRA-Präsident ein Vordenker von Ausbildungsstandards über journalistisches Arbeiten bis Zertifizierung und insgesamt eine der spannendsten Persönlichkeiten unserer Zunft. Heute will ich Mirkos streitbaren Appell weitgehend unterstützen: Ja, nicht umsonst wird Öffentlichkeitsarbeit immer noch vor allem mit Schlagwörtern wie „PR-Trick“ oder „PR-Gag“ in Verbindung gebracht. Noch immer wird viel kommuniziert , aber viel zu wenig zugehört. Noch immer wird getäuscht und gemauschelt, verflacht und verengt. Noch immer ist die Zahl der Blender und Nebelwerfer viel zu hoch – genau wie die Zahl der Kunden, die genau das (oft in verblüffender Unkenntnis) direkt oder indirekt fördern oder sogar ausdrücklich fordern.

Es ist Zeit, dass sich die „Weißen Schafe“ der PR den furchtbar vielen „Schwarzen Schafen“ entgegenstellen – lauter und streitbarer, vehementer und fundierter. Auch dieser fromme Wunsch erinnert stark an die Branchendiskussionen der Neunziger. Aber aufgeben? Im Gegenteil!

Wut macht erfinderisch

wteihtrngeDank der Medienschau des „PR Magazins“ wurde ich aufmerksam auf einen  wertvollen langen Beitrag im „Handelsblatt“ über den Umgang mit wütenden Verbrauchern bzw. einer protestierenden Öffentlichkeit. So lässt sich öffentlichem Druck nicht nur professionell begegnen, sondern können auch positive Impulse aus Frust oder Ärger gezogen werden.

Anhand mehrerer Beispiele von Bahlsen über Henkel bis Volkswagen zeigen die Autoren Carina Groh-Kontio und Patrick Schultz ungewöhnlich detailliert, wie man auch bei anhaltenden Attacken unter der Gürtellinie „gelassen bleiben“ und „die Empörungswelle brechen“ kann. Sogar ganz konkrete Empfehlungen für den Kundendienst sind enthalten. Denn „gerade ausgefallene Einzelmeinungen und qualifizierte Argumente“ lassen sich auch systematisch „als Anstoß zu Verbesserungen und Veränderungen“ nutzen, wie Telekom-Sprecher Stephan Broszio zitiert wird. Aus meiner Sicht ist der Artikel von hohem Nutzwert und eindeutig Pflichtlektüre für Kommunikatoren und Marketeers.