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Raumgreifende Präsentationsschokolade

„Langweilige Powerpoint-Präsentationen sind eine globale Seuche“, hieß es Anfang letzten Jahres in der „Wirtschaftswoche“. Diesem Urteil hätten sich wohl schon im Vorfeld alle Teilnehmer am gestrigen Quartalstreffen der Regionalgruppe Bayern des Verbands der Redenschreiber deutscher Sprache (VRdS) in München ohne zu zögern angeschlossen. Das Thema des schon traditionellen Gastvortrags: „Präsentieren mit einer Rede oder reden Weiterlesen

Coaching für Redner

SprechermarkenZum gestrigen vierteljährlichen Stammtisch der Regionalgruppe Bayern des Verbands der Redenschreiber deutscher Sprache (VRdS) in der Münchner Innenstadt hatten wir mit Antje Nicolai erstmals eine Gastreferentin eingeladen – und durften gleich einen kleinen Teilnehmerrekord verzeichnen. Die erfahrene Sprecherin von Audio- sowie Film- und Fernsehproduktionen hat sich in den vergangenen Jahren zum gefragten Sprech- und Redencoach entwickelt. Während sich der klassische Redenschreiber ganz auf das Manuskript und somit den Redentext konzentriert, nimmt sich das Coaching des gesamten Auftritts sowie der sprachlichen Aspekte von Betonung über Sprechrhythmus bis Körpersprache an. Dabei werden je nach Bedarf auch Schulungs- und Trainingselemente integriert. François VI. Herzog de La Rochefoucauld, einer der bedeutendsten sogenannten Moralisten, hat wahre Redekunst nicht umsonst so beschrieben: „Da ist oft ebensoviel Beredsamkeit im Ton der Stimme, in den Augen und in der ganzen Atmosphäre, die ein Redner um sich verbreitet, wie in der Wahl seiner Worte.“

Sprache aus dem Schneider

wlsndrntr15uukVor schon fast einer Woche brachte der „Spiegel“ ein von beiden Seiten herrlich forsch geführtes Interview mit der 89-jährigen „Journalistenlegende“ und Deutsch-Koryphäe Wolf Schneider. Dieser Mann hat neben viel Sachkenntnis und Sprachgefühl eben auch jede Menge Chuzpe. So habe er seine „Rolle als Zuchtmeister“ bei der Ausbildung des Nachwuchses an der Henri-Nannen-Journalistenschule „als gut erträgliche Nebenwirkung in Kauf genommen“. Er und Nannen? Nun, „zwei arrogante Pinsel, die einander respektierten“. Computer? So langsam wie die könne er gar nicht arbeiten. Ruhestand? Von wegen, wo er doch „für erstaunliche Mengen Geld vor teuer bezahlten Öffentlichkeitsarbeitern“ auftreten habe können. Das unterhaltsame Gespräch lässt uns zudem an Schneiders Blick auf das Dritte Reich und die Achtundsechziger teilhaben – nicht immer widerspruchsfrei nachzuvollziehen, aber stets einen Gedanken wert. Besten Dank, Herr Schneider!

Verzeih, Mutter

dnkmch15redcImmer mal wieder wundere ich mich, wie oft auch professionelle Schreiber und Journalisten Laienschreibfehler in ihren Texten haben, obwohl Sprache doch ihr ureigenes, tägliches Werkzeug und Arbeitsmaterial ist. Mein Erstaunen ist umso größer, je mehr Stufen der vermeintlichen Qualitätssicherung diese Texte offenbar unkorrigiert durchlaufen haben. Ein paar Beispiele: Auch versierte Sportreporter lassen Fußballmannschaften bei Heimspielen „zuhause“ statt „zu Hause“ antreten. Unzählige Visitenkarten hierzulande enthalten „Straße“ falsch mit „ss“ (komme jetzt keiner mit der vielgescholtenen Rechtschreibreform, die da überhaupt nichts geändert hat). „Herzlich willkommen“ wird fast schon standardmäßig falsch mit großem W geschrieben. Eine hessische Werbeagentur bietet ihren Kunden ironiefrei einen „Fernsehspott“ mit zweitem T an. Es geht aber noch schlimmer, so war der eigene Name einer Münchner Biermarke in einer mehrteiligen Anzeigenserie konsequent falsch geschrieben. Heute habe ich zudem die großformatigen Printanzeigen eines bekannten Süßwarenhersteller im Gepäck (siehe Bildchen oben links), wo ein fehlendes Komma aus einem Dankeschön an Muttern einen vollkommen sinnverdrehenden Imperativ macht. Wäre ich Mutti, fiele meine Freude bei soviel Schludrigkeit und Unprofessionalität nicht ganz so groß aus.

Ganz schön falsch hier

shrbflr14hgvookIn der Regel sind orthografische Pannen eher lästig, doch in diesem Fall durchaus spannend: In der neuen Serie „Fehlerlesen“ lässt uns die „Zeit“ ihrem „strengster Korrekturleser“ über die Schulter blicken und bei je einer Textstelle rätseln, was Oliver Voss da wohl zu bekritteln hatte. Das ist lehrreich und nicht nur für Sprachpuristen unterhaltsam. So erfährt man en passant zum Beispiel etwas über lebensrettende Satzzeichen. Dickes Ausrufezeichen.

Schreib dich frei

drbuhplnzNicht weniger als 15 persönliche „Profi-Strategien gegen die Schreibblockade“ verheißt ein Beitrag der als „PR-Doktor“ publizierenden Kommunikationsberaterin Kerstin Hoffmann. Die manchmal banalen, oft aber sehr guten und durchaus überraschenden Tipps kommen von versierten Textern wie der Medienexpertin Ulrike Langer oder „PR-Blogger“ Klaus Eck. Und durch Leserkommentare kommen ständig weitere Anregungen dazu. Ein vielseitiger Werkzeugkoffer für Momente, in denen mal wieder „jede Abfolge von Wörtern eine peinliche Demonstration der eigenen Unfähigkeit zu formulieren“ ist, wie Hoffmann schreibt.

Appetit auf Sprache

In den vergangenen Jahren hat sich ein eher unscheinbares Fernsehformat klammheimlich zum Quotenrenner gemausert: „Das perfekte Dinner“ im Vorabendprogramm auf „Vox“. Eine ganz besondere Rolle spielen dabei die auffallend warmherzigen, fast liebevollen Kommentare aus dem Off, die sich zuverlässig durch Charme und Witz auszeichnen – daran könnten sich viele Texterkollegen in unserer Branche ein Beispiel nehmen.

Unter dem Titel „Menschliche Abgründe kann man nicht rausschneiden“ hat Kathrin Hollmer für „jetzt.de“ einen launigen Beitrag über die „Kochvoyeur-Show“ und vor allem den Sprecher Daniel Werner sowie einen der Texter, Eric Pfeil, verfasst – ein durchaus lehrreicher Einblick in das vielfältige Schaffen hinter der Kamera, das für den Erfolg einer Sendung oft entscheidend ist. Schließlich darf man es getrost als ernst gemeint einstufen, wenn Werner die Sendung „ein literarisches Format“ nennt.