Schlagwort-Archive: Sprache

Psychogramm des Fehlerteufels

Jeder macht Fehler. Voll und ganz unterstütze ich den Ruf nach der sogenannten Fehlerkultur. Andererseits mag ich Fehler nicht – das Streben nach Fehlerfreiheit gehört für mich dazu. Eigentlich immer. Gerade in Sachen Rechtschreibung fällt es mir schwer, fünfe gerade sein zu lassen. Nicht umsonst nannten mich Kollegen schon in den 90er Jahren „Dr. Duden“. Aktuelles Beispiel gefällig? Kürzlich stieß ich in einem ansonsten sehr guten Artikel in meiner Weiterlesen

Bruch in der Kommunikation

In manchen Situationen wissen wir alle: Da muss man irgendwas sagen oder schreiben. Aber die richtigen Worte zu finden, ist gar nicht so leicht. Die Begegnung mit einem kranken oder verletzten Freund, Kollegen oder Geschäftspartner ist da oft ein besonders heikler Fall. Ich konnte das in den vergangenen Wochen aus einem ungewohnten und leider unerfreulichen Blickwinkel beobachten: Mitte Januar habe ich mir nach einem Weiterlesen

Selbst ist das Marketing online

„Alles so schön bunt hier“, könnte das Beitragsbildchen links signalisieren. Und für einen kurzen Bericht vom Selbstmarketing-Online-Kongress passt genau das meines Erachtens ganz gut. Eine Kollegin hatte mich zur Teilnahme an dem Kongress zur systematischen Vermarktung der eigenen Person eingeladen, der bis morgen Abend läuft und komplett online stattfindet. Motto: „Gehe selbstsicher auf die Bühne deines Weiterlesen

Die Sprache des Neuen mit Bart

Wieder geht es mir an dieser Stelle um Rhetorik und Politische Kommunikation. Zusammen mit 4,68 Millionen anderen Zuschauern sahen wir gestern den neuen, überraschend auf den Schild gehobenen Hoffnungsträger der im Umfragedauertief dümpelnden SPD bei „Anne Will“ im „Ersten“. Kanzlerkandidat Martin Schulz sorgt für Aufbruchsstimmung und „beschert der SPD einen kräftigen Schub“, wie der „SpiegelWeiterlesen

Ausgesprochen veränderlich

deutsche spracheEinem berühmten Mark-Twain-Zitat zufolge ist die deutsche Sprache dermaßen schwierig, dass sie „sanft und ehrfurchtsvoll zu den toten Sprachen abgelegt werden sollte“. Nun, durch das Aufeinandertreffen mit anderen Sprachen werde die deutsche Sprache zusehends „einfacher, flexibler, effektiver, besser handhabbar“, heißt es in einem Interview der „Süddeutschen Zeitung“ mit dem Slawisten und Weiterlesen

Bezeichnende Vielfalt

zeichensystemeKürzlich experimentierte ich für einen Workshop zu Corporate Design mit dem sogenannten Flaggenalphabet, mit dessen Hilfe per bunten Signalflaggen Botschaften Buchstabe für Buchstabe von Schiff zu Schiff übermittelt werden können. Im weiteren Verlauf widmete ich mich der Semiotik und der erstaunlichen Vielfalt an Alphabeten. Inzwischen habe ich meinen Namen in insgesamt 28 verschiedenen Zeichensystemen zumindest Weiterlesen

Sprachpyramiden und Spirituosen

PROST smaek 2016Die Ägypter haben wohl tatsächlich das Bier erfunden, aber eigentlich waren das damals am Nil schon Bayern und hat man Giesing damals eben Gizeh genannt – solche wilden, aber auch deutlich ernsthaftere Gedankengänge in sprachlich großartiger Aufmachung gab’s gestern im Staatlichen Museum Ägyptischer Kunst in München bei „Prost! – Dem Bier-Poetry-Slam“ mit acht Sprachkünstlern zu genießen – von der Weiterlesen

Altehrwürdige Zielgruppenansprache

Historische Anzeigen aus MünchenLaut Eigenauskunft will das kostenlos erhältliche „Auer/Haidhauser Journal“ in jeder der jährlich vier Ausgaben „über bemerkenswerte Details“ aus und zu den beiden Münchner Stadtteilen berichten und „interessante Geschichten erzählen, die nicht in Vergessenheit geraten sollten“. Das gelingt den Blattmachern durchaus. So erfuhr ich dank dem kleinen, liebevoll gemachten Heft, dass mit dem berühmten „Bugatti Royale Cabriolet“ in den Weiterlesen

Aufrichtig in Not

PR in WahrheitPublic-Relations-Arbeit geschieht nicht selten in einem mehr oder minder starken Spannungsfeld zwischen Wahrheit und vor allem Wahrhaftigkeit einerseits und Soll- oder Zielbotschaft andererseits. Dabei stehen Glaubwürdigkeit und Vertrauen – auch das des Arbeit- oder Auftraggebers! – auf dem Spiel. Ein Beitrag des „Sterns“ samt sehenswertem Videoausschnitt von einer Pressekonferenz mit Smudo von den Fantastischen Vier und einer Facebook-Sprecherin zum umstrittenen Umgang mit sogenannten Hasskommentaren macht dieses meist unausgesprochene Dilemma ungewöhnlich deutlich sichtbar. Einmal mehr vermeidet die Facebook-Vertreterin eine klare Aussage und begründet dies damit, dass es schwierig sei, „darauf eine Antwort zu geben, die zufriedenstellend ist“. Der Musiker aber will sich damit nicht abspeisen lassen und fordert: „Dann geben Sie uns doch eine Antwort, die nicht zufriedenstellend ist. Sie können auch mal was Unangenehmes sagen oder was Blödes oder was nicht in Ordnung ist. Sie können das tun. Jetzt!“ In ihrem Artikel zum selben Ereignis bringt die „Süddeutsche Zeitung“ ein weiteres Smudo-Zitat: „Sie laufen hier gerade herum wie eine Kakerlake, wenn das Licht angeht.“ Eine bemerkenswerte Szene mit viel Stoff für die Selbstfindung und Weiterentwicklung unserer Zunft.

In eine ähnliche Richtung weist – zumindest bei genauerem Hinsehen – in der „Zeit“ die bissige und nach meinem Dafürhalten bestechend scharfsinnige jüngste Ausarbeitung aus der Reihe „Fischer im Recht“. Wir können darin das Sezieren eines Leitkommentars der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ verfolgen, welcher „von der Farbe zwischen den Buchstaben lebt“ und gerade durch seine „im Nichts dahinmurmelnde Unauffälligkeit des Textes“ auffällt. Der Autor kämpft sich für und mit dem Leser zu der Erkenntnis, dass Sprache eben eine furchtbar komplizierte Sache sei und „Wahrheit nicht immer das, was sie zu sein scheint“. Sprache forme, gestalte, interpretiere und erzwinge Wahrheiten. „Und manchmal sind die bedeutsamen Windungen der vorgeblichen Meinung nicht mehr als deren schlichtes Gegenteil.“ Ein famoser Fisch(er)zug mal wieder.

Sprachqualität auf Grundschulniveau

wrthfnwv15fktAuf den ersten Blick mag das fast nach kindlichem Quatsch mit Soße klingen, aber so falsch ist es nicht: Würde man aus seinen Texten all die Wörter streichen, die nicht im Grundschulwörterbuch des Dudens vorkommen, so sei das Ergebnis „fast automatisch besser“, so Peter Breuer in seinem launigen Beitrag „Eine Hose ist eine Hose ist keine slim-fit blue acid washed Stretch-Jeans“ in der „W&V“. Dort schreibt er mit „Schmunzelsynapsen“ und „Kompositabildung“ gegen aufgeblasene Wortkonstruktionen und Bla-Bla-Texte im „Bereich des geschwätzigen Sprachfondors“ an (auch einige der Leserkommentare sind durchaus lesenswert). Glänzende Aussichten also für die Rotstiftindustrie? Der Trend geht mit „Paid Content“ und (falsch oder zumindest verkürzt verstandenem) „Content Marketing“ leider immer noch in die andere Richtung. Wo doch schon Schopenhauer dazu mahnte, „bei jeder Phrase und jedem Wort bedacht“ zu sein, „ob es nicht auch zu entbehren sei; wie, wer den Koffer zur weiten Reise packt, bei jeder Kleinigkeit, die er hineinlegt, überlegt, ob er nicht auch sie weglassen könne“.