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Psychogramm des Fehlerteufels

Jeder macht Fehler. Voll und ganz unterstütze ich den Ruf nach der sogenannten Fehlerkultur. Andererseits mag ich Fehler nicht – das Streben nach Fehlerfreiheit gehört für mich dazu. Eigentlich immer. Gerade in Sachen Rechtschreibung fällt es mir schwer, fünfe gerade sein zu lassen. Nicht umsonst nannten mich Kollegen schon in den 90er Jahren „Dr. Duden“. Aktuelles Beispiel gefällig? Kürzlich stieß ich in einem ansonsten sehr guten Artikel in meiner Weiterlesen

Sprachgrauen Nummer eins

RechtschreibungRechtschreibfehler passieren, und weil Werbungtreibende, Agenturen und Verlage oft am Korrektorat sparen, ist auch die professionelle Werbe-, PR- und Medienwelt erstaunlich fehleranfällig. Daran habe ich mich fast schon gewöhnt. Nach wie vor das kalte Grausen aber überkommt mich, wenn ich – so wie vor ein paar Tagen wieder im Fernsehen – Sprachverbrechen wie „Nummer-eins-Erkältungssaft“ für Deutschlands meistgekauften Erkältungssaft begegne (geschrieben würden bei diesem widersinnigen Anglizismus bestimmt auch die Bindestriche zur Durchkoppelung fehlen), bei denen der deutsche Satzbau komplett ausgehebelt wird. Ich ahne, was das Argument der Urheber wäre: „Klingt irgendwie besser.“ Erstens: nein, gar nicht. Zweitens: bedeutet vor allem etwas anderes. Da diese Menschen aber vermutlich auch keinen Unterschied zwischen „Ritter Rost“, „Ritter-Rost“ und „Rost-Ritter“ machen würden, habe ich wenig Hoffnung auf Besserung. Sprache, ruhe in Frieden. Amen.

Verzeih, Mutter

dnkmch15redcImmer mal wieder wundere ich mich, wie oft auch professionelle Schreiber und Journalisten Laienschreibfehler in ihren Texten haben, obwohl Sprache doch ihr ureigenes, tägliches Werkzeug und Arbeitsmaterial ist. Mein Erstaunen ist umso größer, je mehr Stufen der vermeintlichen Qualitätssicherung diese Texte offenbar unkorrigiert durchlaufen haben. Ein paar Beispiele: Auch versierte Sportreporter lassen Fußballmannschaften bei Heimspielen „zuhause“ statt „zu Hause“ antreten. Unzählige Visitenkarten hierzulande enthalten „Straße“ falsch mit „ss“ (komme jetzt keiner mit der vielgescholtenen Rechtschreibreform, die da überhaupt nichts geändert hat). „Herzlich willkommen“ wird fast schon standardmäßig falsch mit großem W geschrieben. Eine hessische Werbeagentur bietet ihren Kunden ironiefrei einen „Fernsehspott“ mit zweitem T an. Es geht aber noch schlimmer, so war der eigene Name einer Münchner Biermarke in einer mehrteiligen Anzeigenserie konsequent falsch geschrieben. Heute habe ich zudem die großformatigen Printanzeigen eines bekannten Süßwarenhersteller im Gepäck (siehe Bildchen oben links), wo ein fehlendes Komma aus einem Dankeschön an Muttern einen vollkommen sinnverdrehenden Imperativ macht. Wäre ich Mutti, fiele meine Freude bei soviel Schludrigkeit und Unprofessionalität nicht ganz so groß aus.

Ganz schön falsch hier

shrbflr14hgvookIn der Regel sind orthografische Pannen eher lästig, doch in diesem Fall durchaus spannend: In der neuen Serie „Fehlerlesen“ lässt uns die „Zeit“ ihrem „strengster Korrekturleser“ über die Schulter blicken und bei je einer Textstelle rätseln, was Oliver Voss da wohl zu bekritteln hatte. Das ist lehrreich und nicht nur für Sprachpuristen unterhaltsam. So erfährt man en passant zum Beispiel etwas über lebensrettende Satzzeichen. Dickes Ausrufezeichen.

Professionell falsch

shrbfler14zucfIrren ist menschlich, und jeder macht mal Fehler. Die Häufigkeit aber, in der einem selbst bei Anzeigen oder in Drucksachen Grammatik- und Rechtschreibfehler begegnen, ist wirklich erstaunlich. Das gilt für die Speisekarte beim Italiener um die Ecke, noch viel mehr aber für kostspielige Anzeigen oder Werbespots finanzstarker Konzerne. Vor ein paar Tagen zum Beispiel ist mir am Münchner Flughafen die haushohe Werbeinstallation einer weltbekannten Automarke aufgefallen – mit fehlerhaftem Slogan. Ein mit Sicherheit fünfstelliges Budget, aber dann kein „Fuffi“ übrig für ein vernünftiges Korrektorat. Das ist mir unbegreiflich. Das Internet macht sich über Tättowierungen mit widersinnigen chinesischen Schriftzeichen oder einem unfreiwillig komischen „Never loose hope“ mit überzähligem O lustig – die Schreibpannen der vermeintlichen Profis wiegen für mich noch schwerer.

Nur gut, dass die Orthografiefehler den meisten Menschen im Zielpublikum gar nicht auffallen. Mein persönlicher Klassiker etwa – der Spruch „Geht nicht, gibt’s nicht“ einer inzwischen insolventen Baumarktkette – wurde vom Publikum in der Regel automatisch wunschgemäß aufgenommen („‚Geht nicht‘ gibt’s nicht“). Eigentlich müsste ich ohnehin dankbar sein: Ich darf mich „gut“ fühlen und mich an der ungewollten Komik erfreuen. Insofern sind Fehler tatsächlich „das Tor zu neuen Entdeckungen“, wie es James Joyce formulierte.