Schlagwort-Archive: Qualität

Standardisiert besser

shthnswr16tds„Shit happens“ stand da treffenderweise zu lesen – nur kopfüber. Dass sämtliche Werbebildschirme im Untergeschoss des Münchner Hauptbahnhofs vor einigen Tagen ein um 180 Grad gedrehtes Bild zeigten, kann passieren, und ist vor allem in keinster Weise den Werbungtreibenden anzukreiden. Aber die Menge an Fehlern und Schludrigkeiten in PR und Werbung erstaunt mich immer wieder (regelmäßige Leser meines Blogs wissen das vermutlich längst). So habe ich auf einem einzigen Standbild eines Fernsehspots einer bekannten Urlaubsbuchungsplattform insgesamt allein 13 Schreibfehler gefunden. Kein Mensch ist gegen Fehler gefeit, aber zu Professionalität gehören eben unbedingt auch Qualitätskontrolle und Fehlervermeidung. Gestern erzählte ich einem Kunden von meinen Erfahrungen mit der Zertifizierung nach ISO 9001, bei der es in erster Linie um das betriebliche Qualitätsmanagementsystems (QMS), einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess und konsequente Kundenorientierung geht. Die Quintessenz meiner Ausführungen: ein aufwändiger, aber enorm lehrreicher und lohnender Prozess für das gesamte Unternehmen. Um mit Kaizen-Guru Masaaki Imai zu sprechen: „Wo es keine Standards gibt, kann es keine Verbesserung geben.“

Schnittig aus dem Kriegsgebiet

krspntkr15mmkNach den furchtbaren Terroranschlägen in Paris geraten auch die mit radikalem Islamismus verbundenen Krisenregionen im Nahen Osten und in Afghanistan wieder stärker in den Blickpunkt. Gleichzeitig tendieren neben vielen Bürgern und Politikern auch einige Journalisten zu Vereinfachungen und Pauschalisierungen, obwohl gerade jetzt Differenzierung und Sorgfalt geboten sind. Dazu passt das großartige Gespräch im Mediendienst „Kress“ (Danke für den Hinweis, „Bildblog“-Redaktion) mit Christoph Reuter, Islamwissenschaftler und Nahost-Korrespondent des „Spiegels“. Reuter wirft der Medienbranche vor, zentrale Themen nicht einmal „im Ansatz zu begreifen“ und viel zu nachlässig zu recherchieren. Bei Journalisten müsse die Recherche an erste Stelle stehen, und „nicht die richtige Fönfrisur für den TV-Aufsager“.

Ins Kraut geschossen

ktrtr15edcxEin Versuch war’s allemal wert, aber jetzt? Vor knapp einem Jahr startete „Krautreporter”, um „den deutschen Online-Journalismus zu retten“. Das vielbeachtete, verlagsunabhängige Crowd-Funding-Projekt wird derzeit von immerhin 18.000 zahlenden Mitgliedern unterstützt. Einer davon bin ich. Nun geht es um die nötigen Mittel für die Fortsetzung des Magazins – diesmal offenbar nach dem Genossenschaftsprinzip. Allerdings ist das Projekt im ersten Jahr „grandios gescheitert”, wie Volker Schütz in der „Horizont” meint.  Womöglich habe schlicht die „ordnende Hand“ einer Chefredaktion gefehlt, um „eine Traube journalistischer Ich-AGs unter das Dach einer Medienmarke zu bringen“ und „auf ein redaktionelles Ziel zu lenken“. Die „taz” hat schon recht: „Manches, was die Krautreporter niederschreiben, ist ein echter publizistischer Gewinn.” Insgesamt war die journalistische Ausbeute in meinen Augen aber wirklich bescheiden. Noch bin ich unentschieden, aber schon das schmerzt ein wenig angesichts der hehren Ziele.

Verzeih, Mutter

dnkmch15redcImmer mal wieder wundere ich mich, wie oft auch professionelle Schreiber und Journalisten Laienschreibfehler in ihren Texten haben, obwohl Sprache doch ihr ureigenes, tägliches Werkzeug und Arbeitsmaterial ist. Mein Erstaunen ist umso größer, je mehr Stufen der vermeintlichen Qualitätssicherung diese Texte offenbar unkorrigiert durchlaufen haben. Ein paar Beispiele: Auch versierte Sportreporter lassen Fußballmannschaften bei Heimspielen „zuhause“ statt „zu Hause“ antreten. Unzählige Visitenkarten hierzulande enthalten „Straße“ falsch mit „ss“ (komme jetzt keiner mit der vielgescholtenen Rechtschreibreform, die da überhaupt nichts geändert hat). „Herzlich willkommen“ wird fast schon standardmäßig falsch mit großem W geschrieben. Eine hessische Werbeagentur bietet ihren Kunden ironiefrei einen „Fernsehspott“ mit zweitem T an. Es geht aber noch schlimmer, so war der eigene Name einer Münchner Biermarke in einer mehrteiligen Anzeigenserie konsequent falsch geschrieben. Heute habe ich zudem die großformatigen Printanzeigen eines bekannten Süßwarenhersteller im Gepäck (siehe Bildchen oben links), wo ein fehlendes Komma aus einem Dankeschön an Muttern einen vollkommen sinnverdrehenden Imperativ macht. Wäre ich Mutti, fiele meine Freude bei soviel Schludrigkeit und Unprofessionalität nicht ganz so groß aus.

Multimediale Zeitungstour

mdinftr15edsWandel? Krise? Oder gar das Aus? Schwer zu sagen, wie genau sich Zeitungen – immer noch eine tragende Säule des vieldiskutierten Qualitätsjournalismusses – entwickeln werden, aber schon heute verändern sie und ihre Arbeit sich rasant. Eine hervorragend aufbereitete Bestandsaufnahme mit vielen Denkanstößen bringt Cordt Schnibbens Multimedia-Story mit „Journalisten aus vier Generationen“ zum Medienwandel im „Spiegel„. Prädikat wertvoll!

Siegel ohne Substanz

Vrsigt14oubAls Kaufsignal sind sie kaum zu ersetzen, aber ihr Gehalt geht nicht selten gegen null: Siegel für Produkte und Anbieter. Einen lesenswerten Beitrag des Handels- und Medienexperten Peer Schader zu den schier unzähligen Güte-, Sympathie- und Wasauchimmersiegeln hält „Krautreporter“ unter der vielsagenden Überschrift „Großflächig versiegelt“ bereit. Danach kürt die „Empfehlungsindustrie“ vom beliebtesten Obsthändler über die innovativste Telko-Marke in der Kategorie Geschäftsbrieffrankierung bis zum fairsten Deoroller Deutschlands laufend neue Sieger, ohne das wir Kunden etwas davon hätten. In der Tat sind in vielen Fällen die Geschäftsmodelle der verleihenden Einrichtung offenbar ebenso fragwürdig wie die Befragungsmethoden und Auswertungsschlüssel. Kurzum: Nicht jedes Siegel sollte ein Signal zum Kauf sein.

Reden mit Brief und Siegel

rdeteke14uhgvErstmals führen der Verband der Redenschreiber deutscher Sprache (VRdS) und die Prüfungs- und Zertifizierungsorganisation der deutschen Kommunikationswirtschaft (PZOK) einheitliche Qualitätsstandards für Redenschreiber ein und bieten ab sofort eine unabhängige Zertifizierung an. Voraussetzung ist unter anderem eine mehrteilige Prüfung. Billig ist das Zertifikat nicht: Allein die Prüfungsgebühren betragen 375 Euro plus MwSt für VRdS-Mitglieder, 475 Euro plus MwSt für Nichtmitglieder. Trotzdem überlege ich, mich bei nächster Gelegenheit – das wäre frühestens im kommenden Frühjahr – ebenfalls zertifizieren zu lassen. Qualität soll ja nicht nur Gerede sein.

Da haben wir den Zahlensalat

zahln14jikhvIn einem schneidigen Blogbeitrag als „Mr. Media“ für die „W&V“ macht Thomas Koch klar, auf welche wackeligen Beinen die Entscheidungen von Mediaplanern nach Nutzungszahlen meist stehen. Mediadaten seien „allesamt Schrott“ und beruhten in der Regel auf ebenso veralteten wie verzerrenden Messmethoden. „Alle Welt redet zwar von Big Data, aber in der Erhebung der Nutzung erweist es sich als zahnloser Tiger“, schriebt Koch. So gebe es bei allem Verständnis für die „Zahlengetriebenheit der Medialeute“ eine ganze Reihe an „guten Gründen, an der Glaubwürdigkeit dieser Zahlen zu zweifeln“. Zugleich empfiehlt er dingend, viel mehr auf die Qualitäten und Charakteristika der verschiedenen Kanäle und Medien zu achten. Man solle doch „Medien nach ihren Fähigkeiten und der ihnen zugewiesenen Rolle im Kommunikations-Mix“ auswählen, nur sei das eben „schwieriger zu argumentieren als ein TKP„. Weg von Kolonnen nackter Zahlen, hin zu substantieller Untersuchung – Herr Koch, da gehe ich ganz d’accord.

Genussvoll zerlegt

einzelteile14kjhbvDie Internetpräsenz eines Unternehmens ist in den meisten Fällen auch dessen Leitmedium. Die Berater der Netfederation aus Köln haben jetzt mithilfe eines recht detaillierten Fragekatalogs zu „Konzernprofil“, „Personal“, „Presse“ sowie „Sozialer Verantwortung“ die Websites von mehr als 100 deutschen Großunternehmen von Adidas bis Wintershall unter die Lupe genommern – nachzulesen im „Harvard Business Manager„.

Für Macher und Entscheider enthält die Studie viel Stoff und oft ganz konkrete Anregungen. So bliebe „die schöne Optik“ bei insgesamt guten Resultaten vielfach doch „eher oberflächlich“ und böten die Internetseiten häufig „Bilder statt Argumente„. Da Websites großer Konzerne ohnehin ständig in Bewegung sind und ergänzt oder umgebaut werden, lassen sich solche Makel recht gut nach und nach beheben. Packen wir’s in Kaizen-Manier an!

Professionell falsch

shrbfler14zucfIrren ist menschlich, und jeder macht mal Fehler. Die Häufigkeit aber, in der einem selbst bei Anzeigen oder in Drucksachen Grammatik- und Rechtschreibfehler begegnen, ist wirklich erstaunlich. Das gilt für die Speisekarte beim Italiener um die Ecke, noch viel mehr aber für kostspielige Anzeigen oder Werbespots finanzstarker Konzerne. Vor ein paar Tagen zum Beispiel ist mir am Münchner Flughafen die haushohe Werbeinstallation einer weltbekannten Automarke aufgefallen – mit fehlerhaftem Slogan. Ein mit Sicherheit fünfstelliges Budget, aber dann kein „Fuffi“ übrig für ein vernünftiges Korrektorat. Das ist mir unbegreiflich. Das Internet macht sich über Tättowierungen mit widersinnigen chinesischen Schriftzeichen oder einem unfreiwillig komischen „Never loose hope“ mit überzähligem O lustig – die Schreibpannen der vermeintlichen Profis wiegen für mich noch schwerer.

Nur gut, dass die Orthografiefehler den meisten Menschen im Zielpublikum gar nicht auffallen. Mein persönlicher Klassiker etwa – der Spruch „Geht nicht, gibt’s nicht“ einer inzwischen insolventen Baumarktkette – wurde vom Publikum in der Regel automatisch wunschgemäß aufgenommen („‚Geht nicht‘ gibt’s nicht“). Eigentlich müsste ich ohnehin dankbar sein: Ich darf mich „gut“ fühlen und mich an der ungewollten Komik erfreuen. Insofern sind Fehler tatsächlich „das Tor zu neuen Entdeckungen“, wie es James Joyce formulierte.