Schlagwort-Archive: Öffentlichkeitsarbeit

PR-Kollegen als Lätschenbenes

gstrpr15ookEin auf den ersten Blick ganz furchtbares Bild zu „Unzufriedenheit im PR-Job“ ergab die Befragung von Pressestellenmitarbeitern durch news aktuell und Faktenkontor für die neue Ausgabe des „Social Media Trendmonitors„. Gleich fünfzehn Frustfaktoren von Überlastung über Mängel bei der Evaluation bis zum Ideenklau lassen die Kollegen in der schön gemachten Infografik per Negativ-Smileys eine „Lätschen ziehen“, wie wir Bayern sagen würden.

Ganz richtig sieht die „Horizont“ in einigen vermeintlichen Ärgernissen im Grunde aber eher positive Anzeichen. Nur sieben Prozent der 488 Befragten zum Beispiel beklagen „starre Hierarchien“ (Platz 14 in der Faktorenrangfolge) – ein im Branchenvergleich ausgesprochen erfreulicher Wert. Selbst der Spitzenwert von 40 Prozent für „Zu wenig Mitarbeiter für zu viele Aufgaben“ dürfte niedriger ausgefallen sein als von vielen erwartet. Nicht überall strahlende Gesichter, aber auch nicht durch die Bank Trauermienen.

Sprache aus dem Schneider

wlsndrntr15uukVor schon fast einer Woche brachte der „Spiegel“ ein von beiden Seiten herrlich forsch geführtes Interview mit der 89-jährigen „Journalistenlegende“ und Deutsch-Koryphäe Wolf Schneider. Dieser Mann hat neben viel Sachkenntnis und Sprachgefühl eben auch jede Menge Chuzpe. So habe er seine „Rolle als Zuchtmeister“ bei der Ausbildung des Nachwuchses an der Henri-Nannen-Journalistenschule „als gut erträgliche Nebenwirkung in Kauf genommen“. Er und Nannen? Nun, „zwei arrogante Pinsel, die einander respektierten“. Computer? So langsam wie die könne er gar nicht arbeiten. Ruhestand? Von wegen, wo er doch „für erstaunliche Mengen Geld vor teuer bezahlten Öffentlichkeitsarbeitern“ auftreten habe können. Das unterhaltsame Gespräch lässt uns zudem an Schneiders Blick auf das Dritte Reich und die Achtundsechziger teilhaben – nicht immer widerspruchsfrei nachzuvollziehen, aber stets einen Gedanken wert. Besten Dank, Herr Schneider!

Wüste Öffentlichkeitsarbeit

jrlmspur15uzcDer von üblem Getier verfolgte Journalist kurz vor dem Verdursten in der Wüste, und im Hintergrund der feist feixende PR-Trupp im Auftrag arabischer Scheichs – mit dieser schrillen Karikatur illustriert die „taz“ ihren Kommentar „Nö, nicht mit mir“ zum Verhältnis zwischen Journalismus und PR. Für Leute vom Fach ist da zwar nicht viel Neues zu lesen, aber das Ohne-Wenn-und-Aber-Plädoyer für Standhaftigkeit und völlige Transparenz – auch bei Reise- und Sportreportagen wie von der Handballweltmeisterschaft in Katar – ist leider so selbstverständlich nicht. Das sei „kein Heldentum, sondern gelebter, ehrlicher Journalismus“. Und mit dem fährt wohlverstandene Öffentlichkeitsarbeit doch letztlich auch am besten.

Gewinner im Bilde

prbildpreis14lkjbhUm die besten PR-Fotos geht es beim „PR-Bild-Award 2014„, initiiert von News Aktuell aus Deutschland und der Schweiz sowie der österreichischen Apa. Zur Wahl stehen wieder je zehn Fotos in sechs Kategorien („Event und Messe“, „Produktfoto“, „Porträt“, „NGO-Foto“, „Unternehmenskommunikation“ sowie „Tourismus, Freizeit und Sport“). Bis Mitte Oktober kann jeder mitmachen und seine Favoriten küren. Bildlich gesprochen, quasi.

Sozial (v)erklärt

solstrk14kjbvKommunikation ist immer auch ein sozialer Akt. Sie ist geprägt vom sozialen Umfeld und beeinflusst dieses wiederum. Nicht umsonst arbeiten professionelle Werbung und PR mit Erkenntnissen, Theorien und vor allem Unmengen an statistischen Daten aus der Soziologie, von A wie Alterspyramide über M wie Meinungsforschung bis Z wie Zielgruppentypisierung. Ausgesprochen fruchtbar war für mich in diesem Zusammenhang die Lektüre des Heftes „Oben“ vom April dieses Jahres aus der Reihe „Aus Politik und Zeitgeschichte“ – alles andere als leichte Kost, aber voller Impulse und bei der Bundeszentrale für politische Bildung auch noch kostenlos zu beziehen.

In „Oben“ geht es in den insgesamt acht Autoren ganz fokussiert um gesellschaftliche Ungleichheit und den Elitenbegriff. Die Betrachtungen decken das Spektrum vom Adel über Prominente bis zur Welt der Hochfinanz ziemlich gut ab. Dabei können man mit Fug und Recht von einer erstaunlichen „Parallelgesellschaft“ aus Reichen und Mächtigen sprechen. „Die Gewöhnung an Macht hat zur Konsequenz“, so Michael Hartmann, in Darmstadt Professor für Elite- und Organisationssoziologie, „dass man für sich oft andere Regeln reklamiert als die, die für den Rest der Bevölkerung gültig sind“. An anderer Stelle bin ich erstmals dem Postulat nach sogenannter Sphärengerechtigkeit begegnet. Es besagt, verkürzt ausgedrückt, dass gesellschaftliche Unterschiede unvermeidbar sind, aber Privilegien in der einen Sphäre (z. B. Vermögen, Bildung, politischer Einfluss etc.) nicht mit einer Bevorteilung in anderen Bereichen gekoppelt sein dürfen. Nur dann kann man sich mit John F. Kennedy sagen: „Das Leben ist ungerecht, aber nicht immer zu deinen Ungunsten.“

Methodisch am Ende

mhkshls14jkhgvGestern fand die Schlussveranstaltung meines Kurses „Methoden der PR“ an der privaten Hochschule Macromedia statt. An insgesamt sechs Halbtagen machte ich Studierende aus dem zweiten und dritten Semester mit fast allen gängigen Instrumenten und Vorgehensweisen der Öffentlichkeitsarbeit von der Umfeldanalyse über Medienarbeit oder Publikationen bis zur Erfolgskontrolle bekannt. Jetzt stehen die Prüfungen an – ich wünsche viel Erfolg!

Große Freiheit war gestern

GreFeit14jhv„Die digitalen Technologien sind Treiber von Demokratie und Freiheit“, hat Bundespräsident Gauck einmal gesagt. Doch von allen Seiten wird die Freiheit des Internets bedroht oder ist bereits massiv beschnitten, und das kann man nicht erst seit dem NSA-Skandal wissen. Gefälschte Kundenbewertungen sind längst Alltag. Staaten wie China oder die Türkei sperren zeitweise komplette Online-Dienste wie Twitter und Youtube oder manipulieren Suchergebnisse. Vor diesem Hintergrund schreckt auch ein Artikel in der „Süddeutschen Zeitung“ über „Putins Trolle“ auf: Russland scheint PR-Unternehmen mit der systematischen „Manipulation der öffentlichen Meinung“ beauftragt zu haben. So warnt der britische Politik-Experte Simon Anholt vor dem Irrglaube, das Internet führe „als freier Kommunikationsraum automatisch zu mehr Freiheit“. Im Gegenteil: „Weil es frei ist, ist es eben nicht immun gegen Manipulationen. Soziale Medien können gehackt und manipuliert werden. Und der Westen hat darauf keine Antwort.“ Aufklärung über Zensur und Verschleierung dürfte in jedem Fall ein gutes Gegenmittel sein.

Tierischer Wortwechsel

shieot14iujhb Die CMA, Gutfried, McDonald’s Deutschland und Wiltmann Westfälische Fleischwarenfabrik mit der bis heute beispielhaften „Gläsernen Produktion“ – bis heute arbeitete ich in PR und Kommunikation für insgesamt vier Kunden, die Teil der Fleischindustrie oder zumindest eng mit ihr verknüpft sind bzw. waren. Eine eher unappetitliche Debatte zur Öffentlichkeitsarbeit der Fleischwirtschaft sowie zur Tierhaltung insgesamt findet sich unter der Überschrift „Fleisch for fun“ in der „taz„. Tenor: Die Fleischproduzenten und -verarbeiter würden sich kaum für die Behebung von Missständen engagieren, sondern viel eher für eine bessere Außendarstellung – Imagepflege vor Kurskorrektur. Für Laien verspricht der Beitrag einigen Erkenntnisgewinn, zum Beispiel wenn aus „Mästern“ per Empfehlung „Tierhalter“ werden – der Grund: „Als Tierhalter wirkt man deutlich sympathischer, denn bei diesem Begriff schwingt die Sorge um das Wohlergehen der Tiere mit.“ Anderes Etikett, andere Wirkung! Kein Ruhmesblatt meiner Branche. Dabei kann PR nach dem guten alten Motto „Good PR begins at home“ durchaus auch Verbesserungs- und Veränderungsprozesse anschieben oder begleiten. Das ist schon mehr nach meinem Geschmack.

PR zu schätzen lernen

gldbnneDIe Septemberausgabe des „PR Magazins“ enthält einen Bericht des englischsprachigen Fachmagazins „CorpComms“ zu einer internationalen Karrierestudie. PR-Berater haben danach einen der überschätztesten Berufe der Welt. Das Missverhältnis zwischen Erwartungen und Realität sei nur bei drei Berufen noch schlimmer: bei Chirurgen, Börsenhändlern und Werbeverantwortlichen. Immerhin liegen also Werbung und Öffentlichkeitsarbeit einträchtig beieinander. Hauptursache für das schlechte Abschneiden ist offenbar in beiden Fällen der außerordentlich hohe Stressfaktor. Besserung ist meines Erachtens nicht in Sicht. Nach wie vor ist eine hohe Arbeitsbelastung für die meisten von uns wie eine Auszeichnung und Beleg der eigenen Bedeutsamkeit. Wir sollten mal wieder John Steinbeck lesen: „Die Kunst des Ausruhens ist ein Teil der Kunst des Arbeitens.“

Peter schaut genau hin

Adrian Peter hat im „PR Report“ unter dem Titel „Die Mär von der Partnerschaft zwischen PR und Journalismus“ einen provokanten Beitrag zum Verhältnis des Öffentlichkeitsarbeiters zum Journalisten verfasst. Dabei räumt er mit einigen Stereotypen gründlich auf. Seine These: „PR und Journalismus sind keine Partner und waren es nie.“

Ich für meinen Teil sehe das zumindest partiell anders und arbeite häufig – gerade bei Fachjournalisten – ausgesprochen partnerschaftlich mit Redakteuren zusammen. Das schließt auch größten Respekt vor deren Rolle im demokratischen Meinungsbildungsprozess ein. Und auf lange Sicht ist ein PRler meines Erachtens gut beraten, die Grundsätze und Prinzipien guten Journalismus unangetastet zu lassen. Ich setzte weiterhin auf Partnerschaft, wenngleich eine durchweg professionelle und weitgehend entromantisierte. Und da bin ich dann ja doch wieder ganz bei Adrian Peter …