Schlagwort-Archive: Öffentlichkeitsarbeit

Dekadente Club-PR

Den inzwischen inflationär vorhandenen Fotos nach zu urteilen, ist er vor allem kaum an Geschmacklosigkeit zu überbieten. Seine Grundidee und die kommunikative Aufmachung fand ich dermaßen absurd, dass ich auf kreative Gentrifizierungs- und Kapitalismuskritik im Stile der satirischen Münchner Initiative Goldgrund tippte. Offenbar lag ich da falsch. Der Club, den die „Bild“ als „Prunk-Paradies der reichen Männer“ unter der Rubrik Weiterlesen

Zeichen der Zeit

Gestern stand ich an der Bushaltstelle vor dem Plakat eines Autoherstellers und wunderte mich mal wieder über den riesigen Störer mit ziemlich sinnfreiem Hashtag-Hinweis – das soll ein Schlagwort sein, das auch nur eine Handvoll Leute in den Sozialen Medien benutzt? Echt jetzt? In diesem Fall schien mir das im Grunde ausgeschlossen. Aber darum geht es in vielen Fällen auch gar nicht. Das dank Kurznachrichtendienst Twitter berühmte Weiterlesen

Mercedes liefert groß

Mercedes adVANceCrossmedial, verzahnt, konzertiert, synergetisch, 360 Grad, ganzheitlich, omnichannel – mit welchem Begriff auch immer man die vor Kurzem angelaufene globale kommunikative Flankierung der „strategischen Zukunftsinitiative adVANce“ von Mercedes-Benz beschreiben will: In Sachen PR, Marken- und Marktkommunikation rund um „eine revolutionäre Transporter-Studie für den urbanen Raum“ mit integrierten Drohnen wird Weiterlesen

Berauschender Applaus

Hanf Hände 2016Die sogenannte Brutkastenlüge zur Legitimierung der Irak-Invasion der USA, manipulierte Studien der Zigarettenindustrie oder gefälschte Wikipedia-Einträge – die Liste ließe sich noch lange fortsetzen: fragwürdige oder schlicht illegale Praktiken in der Medien- und Öffentlichkeitsarbeit. Die Public-Relations-Industrie kommt nicht weg von ihrem Image als Wahrheitsverdreher vom Dienst. In den vergangenen Tagen Weiterlesen

Alte Hasen zwischen Sorge und Selbstbewusstsein

PR-HaseDie einen füchten sich davor, später „zum alten Eisen zu gehören“, die anderen verbinden mit älteren Arbeitnehmern in Kommunikation und PR vor allem viel wertvolle Berufserfahrung – dank „PR Report“ wurde ich auf die „Blitzumfrage“ des PR Career Centers mit knapp 100 Teilnehmern zu „Karrierechancen mit über 40“ aufmerksam. Danach spaltet das Thema „Altersdiskriminierung die Branche“. Erwartungsgemäß geht es hier auch um Weiterlesen

Zwischen Gag und waghalsigem Stunt

PR-TrickDeutsche Anwälte haben Mark Zuckerberg wegen Volksverhetzung angezeigt, und Redakteure der „Meedia“ meinen, das Ganze rieche „doch sehr nach PR-Stunt“ – alles womöglich nur Fassade, nur so zum Schein eben. Im Austausch mit einer Kollegin brachte mich das auf die sehr grundsätzliche Frage: Welche Rolle spielt Täuschung in der professionellen Medien- und Öffentlichkeitsarbeit? Für viele ist der sogenannte PR-Gag oder PR-Trick ja Weiterlesen

Aufrichtig in Not

PR in WahrheitPublic-Relations-Arbeit geschieht nicht selten in einem mehr oder minder starken Spannungsfeld zwischen Wahrheit und vor allem Wahrhaftigkeit einerseits und Soll- oder Zielbotschaft andererseits. Dabei stehen Glaubwürdigkeit und Vertrauen – auch das des Arbeit- oder Auftraggebers! – auf dem Spiel. Ein Beitrag des „Sterns“ samt sehenswertem Videoausschnitt von einer Pressekonferenz mit Smudo von den Fantastischen Vier und einer Facebook-Sprecherin zum umstrittenen Umgang mit sogenannten Hasskommentaren macht dieses meist unausgesprochene Dilemma ungewöhnlich deutlich sichtbar. Einmal mehr vermeidet die Facebook-Vertreterin eine klare Aussage und begründet dies damit, dass es schwierig sei, „darauf eine Antwort zu geben, die zufriedenstellend ist“. Der Musiker aber will sich damit nicht abspeisen lassen und fordert: „Dann geben Sie uns doch eine Antwort, die nicht zufriedenstellend ist. Sie können auch mal was Unangenehmes sagen oder was Blödes oder was nicht in Ordnung ist. Sie können das tun. Jetzt!“ In ihrem Artikel zum selben Ereignis bringt die „Süddeutsche Zeitung“ ein weiteres Smudo-Zitat: „Sie laufen hier gerade herum wie eine Kakerlake, wenn das Licht angeht.“ Eine bemerkenswerte Szene mit viel Stoff für die Selbstfindung und Weiterentwicklung unserer Zunft.

In eine ähnliche Richtung weist – zumindest bei genauerem Hinsehen – in der „Zeit“ die bissige und nach meinem Dafürhalten bestechend scharfsinnige jüngste Ausarbeitung aus der Reihe „Fischer im Recht“. Wir können darin das Sezieren eines Leitkommentars der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ verfolgen, welcher „von der Farbe zwischen den Buchstaben lebt“ und gerade durch seine „im Nichts dahinmurmelnde Unauffälligkeit des Textes“ auffällt. Der Autor kämpft sich für und mit dem Leser zu der Erkenntnis, dass Sprache eben eine furchtbar komplizierte Sache sei und „Wahrheit nicht immer das, was sie zu sein scheint“. Sprache forme, gestalte, interpretiere und erzwinge Wahrheiten. „Und manchmal sind die bedeutsamen Windungen der vorgeblichen Meinung nicht mehr als deren schlichtes Gegenteil.“ Ein famoser Fisch(er)zug mal wieder.

Kommunikation mit offenem Beutel

pdmdpbr15rrgZu Beginn meiner PR-Karriere in den frühen Neunzigern habe ich Laien manchmal Öffentlichkeitsarbeit als die „komplette Kommunikation minus klassische Anzeigen bzw. Spots“ erklärt. Bis heute spielen „bezahlte Kommunikation“ und „Paid Media“ in meiner Arbeit nicht die Hauptrolle und sehe ich durchaus auch viele kritische Aspekte, aber noch nie habe ich irgendwelche legalen und legitimen Kommunikationsinstrumente und -kanäle per se ausgeschlossen, wenn ich auf der Suche nach dem für den Kunden bzw. das Projekt bestmöglichen Vorgehen war. Zum Beispiel PR-Anzeigen, Sonderwerbeformen, Materndienste, Imagespots oder eben neudeutsch „Paid Media“ – wieso sollten Unternehmenskommunikation und PR einen nicht unwesentlichen Teil ihrer Klaviatur komplett unbespielt lassen, nur weil ihnen das Etikett „bezahlt“ anhaftet? In seiner Medienschau weist das „prmagazin“ heute auf einen Beitrag in den „PR-Fundsachen“ von und für Studierende hin. „Indem sich PR-Spezialisten neue Kompetenzen aneignen, können sie durch den Einsatz von Paid Media im Modell mit Earned, Shared und Owned Media ihr Arbeitsfeld erweitern und dadurch enormen Einfluss auf die gesamte Kommunikations-Strategie nehmen“, heißt es dort. Aber selbstverständlich! Nur „neu“ sollte das nun wirklich nicht mehr sein.

PR-Riese auf heißen Kohlen

dlmnkhl15ugdNeugeschäft zählt zu den Themenklassikern bei der Eigen-PR von Agenturen. Ganz anders diesmal bei Edelman, der mit rund 5.500 Mitarbeitern weltweit wohl größten unabhängigen PR-Agentur: Die US-Amerikaner trennen sich von sämtlichen Kunden aus der Kohleindustrie sowie der Ecke der Klimawandelleugner. Damit wolle Edelmann die drohende Erosion der eigenen Legitimität und Glaubwürdigkeit auf dem Meinungsmarkt vorbeugen, wie es in einem facettenreichen Hintergrundbeitrag im britischen „Guardian“ heißt. Grundsätzlich halte man Verschleierungstaktiken, die Verbreitung von Halbwahrheiten und Manipulationsversuche wie die berühmte Grünfärberei schlicht für „unangemessen“.

Für mich klingt das – nicht zuletzt nach nach einem Blick auf Edelmans Kundenliste – zwar noch ein wenig halbherzig, aber lautere Absichten will ich gar nicht in Abrede stellen. Der „PR Report“ hält aber ganz andere Gründe für die Trennung von zum Teil langjährigen und budgetstarken Mandanten für möglich: mangelnde Attraktivität für Mitarbeiter und vor allem Abfuhren bei der Vergabe von Teiletats von Top-Marken wie Nike oder Unilever. So geht es wohl auch hier vor allem um eins: „Kohle“.

Alles auf Anfang

pranfg15fvhÄrmel hochkrempeln und einfach mal machen – oft ist das eine ganz ausgezeichnete Idee. Beim Einstieg in PR und Medienarbeit als KMU sehe ich da eher schwarz. Das Wirtschaftsmagazin „Impulse“ bietet seit gestern eine kompakte, aber durchaus brauchbare Zusammenstellung mit „16 Tipps für eine erfolgreiche Öffentlichkeitsarbeit“. Alle Vorschläge sind gut und halbwegs laientauglich beschrieben, praktikabel und auch ohne großes Budget realisierbar. Leider fehlt das vielleicht wichtigste: sich überlegen, was man mittel- und langfristig überhaupt erreichen will und welcher Weg mit welchen Mitteln zum Ziel führt. „Rufen Sie einfach Ihr Wunschmedium an„, so der Appell des Autoren – ich habe bei Kunden und Kollegen viel zu viele erfolglose oder sogar kontraproduktive „Einfach-mal-Anrufe“ erlebt, um nicht dezidiert davon abzuraten. Ein Start in Public Relations ohne zumindest einfachen strategischen Unterbau ist mit großer Sicherheit schlicht ein Anfängerfehler.