Schlagwort-Archive: Moral

PR-Riese auf heißen Kohlen

dlmnkhl15ugdNeugeschäft zählt zu den Themenklassikern bei der Eigen-PR von Agenturen. Ganz anders diesmal bei Edelman, der mit rund 5.500 Mitarbeitern weltweit wohl größten unabhängigen PR-Agentur: Die US-Amerikaner trennen sich von sämtlichen Kunden aus der Kohleindustrie sowie der Ecke der Klimawandelleugner. Damit wolle Edelmann die drohende Erosion der eigenen Legitimität und Glaubwürdigkeit auf dem Meinungsmarkt vorbeugen, wie es in einem facettenreichen Hintergrundbeitrag im britischen „Guardian“ heißt. Grundsätzlich halte man Verschleierungstaktiken, die Verbreitung von Halbwahrheiten und Manipulationsversuche wie die berühmte Grünfärberei schlicht für „unangemessen“.

Für mich klingt das – nicht zuletzt nach nach einem Blick auf Edelmans Kundenliste – zwar noch ein wenig halbherzig, aber lautere Absichten will ich gar nicht in Abrede stellen. Der „PR Report“ hält aber ganz andere Gründe für die Trennung von zum Teil langjährigen und budgetstarken Mandanten für möglich: mangelnde Attraktivität für Mitarbeiter und vor allem Abfuhren bei der Vergabe von Teiletats von Top-Marken wie Nike oder Unilever. So geht es wohl auch hier vor allem um eins: „Kohle“.

Moral gefressen

SonverkaufEnde14iuv„Erst kommt das Fressen, dann die Moral“, so das berühmte Bertolt-Brecht-Zitat. Beides zu verknüpfen versucht der sogenannte kritische Konsum, den viele vor allem durch die „Lohas“, die Menschen mit einem „Lifestyle of Health and Sustainability“, vertreten sehen. Die Kernidee: „Konsum für eine bessere Welt„. Ähnlich liest sich das zum Beispiel auf der Aktionsplattform der katholischen Jugend: Man solle „die Macht als Konsumentin und Konsument nutzen“ und „die Welt fairändern„. Um Verzicht geht es also nicht. Im Gegenteil: Im „Geo“-Beitrag „Kann Einkaufen die Welt verbessern?“ wird sogar zu massiven Investitionen an „strategischen ‚Key Points'“ aufgefordert. Vieles davon entspricht auch meiner Haltung. Allerdings wäre Konsumversicht oft womöglich doch die bessere Alternative. Im aktuellen „Brennstoff„, dem Magazin der unkonventionellen Marke GEA, erinnert der Sozialpsychologe Harald Welzer daran, dass „moralischer Konsum meist nur der Konsum von Moral“ ist – längst habe sich ein eigenständiger Wirtschaftszweig entwickelt, in dem „Haltung durch Branding und Protest durch Event ersetzt“ worden seien. Ich bin mir allerdings nicht gewiss, dass sich diese Sicht bei vielen „Lohas“ durchsetzen wird.

Wünsch dir was

mraepbe14uzgvIn seinem „Zwischenruf“ beim „PR Report“ fragt Mirko Lange, wann PR endlich „wünschenswert“ werden wird. Vor fast 20 Jahren war Mirko mein Kollege bei Hans-Georg Möckesch, nicht nur als GPRA-Präsident ein Vordenker von Ausbildungsstandards über journalistisches Arbeiten bis Zertifizierung und insgesamt eine der spannendsten Persönlichkeiten unserer Zunft. Heute will ich Mirkos streitbaren Appell weitgehend unterstützen: Ja, nicht umsonst wird Öffentlichkeitsarbeit immer noch vor allem mit Schlagwörtern wie „PR-Trick“ oder „PR-Gag“ in Verbindung gebracht. Noch immer wird viel kommuniziert , aber viel zu wenig zugehört. Noch immer wird getäuscht und gemauschelt, verflacht und verengt. Noch immer ist die Zahl der Blender und Nebelwerfer viel zu hoch – genau wie die Zahl der Kunden, die genau das (oft in verblüffender Unkenntnis) direkt oder indirekt fördern oder sogar ausdrücklich fordern.

Es ist Zeit, dass sich die „Weißen Schafe“ der PR den furchtbar vielen „Schwarzen Schafen“ entgegenstellen – lauter und streitbarer, vehementer und fundierter. Auch dieser fromme Wunsch erinnert stark an die Branchendiskussionen der Neunziger. Aber aufgeben? Im Gegenteil!

Sport hebt die Moral

Moral ist das Opium des Sports“, titelte Sebastian Moll einst im „Spiegel“ im Zusammenhang mit Doping. Diese Sicht erfährt jetzt von unerwarteter Seite Bestätigung: Die Münchner Macromedia Hochschule für Medien und Kommunikation hat kürzlich die Ergebnisse einer großen Journalismusstudiezum Vorkommen der Moral in den Medien vorgestellt. Und die lassen aufhorchen. So beschäftigten sich die Medien durchaus mit moralischen Aspekten, allerdings „nicht etwa im Politik- oder im Wirtschaftsressort, sondern vor allem im Sportteil und auf den Klatschseiten“. Besonders bedenklich: Häufig werde dabei die Moral lediglich „missbraucht, um künstlich Problemfelder zu konstruieren“ oder „überhaupt erst einen Berichterstattungsanlass künstlich zu erzeugen“. Zudem würden selbst in sogenannten Qualitätsmedien „schwierige Begründungszusammenhänge oder abweichende moralische Standpunkte praktisch nie erörtert“. Fazit: Mit der vielzitierten „Moral von der Geschicht“ ist es in unseren Medien offenbar nicht weit her.