Schlagwort-Archive: Medienarbeit

Dekadente Club-PR

Den inzwischen inflationär vorhandenen Fotos nach zu urteilen, ist er vor allem kaum an Geschmacklosigkeit zu überbieten. Seine Grundidee und die kommunikative Aufmachung fand ich dermaßen absurd, dass ich auf kreative Gentrifizierungs- und Kapitalismuskritik im Stile der satirischen Münchner Initiative Goldgrund tippte. Offenbar lag ich da falsch. Der Club, den die „Bild“ als „Prunk-Paradies der reichen Männer“ unter der Rubrik Weiterlesen

In den Markt gepresst

amazon leipzigMonopolist, Lohndumper, Einzelhandelszerstörer oder zum Beispiel Steuertrickser – die Liste an Vorwürfen an den Versandgiganten Amazon ist lang. Ziemlich großartig hingegen klingt für mich das Standardverfahren zur Prüfung der Marktchancen neuer Produkte und Services, wie es der Deutschland-Chef des Unternehmens laut einem Beitrag in der „W&V“ beschreibt: Am Anfang steht immer eine  Pressemitteilung! Zu jeder Idee müsse Weiterlesen

Vielversprechender Vierer

quartettEin Fachmedium lädt Leser zu einer zweitägigen Info-Veranstaltung ein, und ruft dafür auch noch eine stattliche Teilnahmgebühr in Höhe von 990 Euro auf – dennoch scheint die „Newsroom-Tour“ des „PR Reports“ aus Hamburg ein riesiger Erfolg zu sein und wird wegen großer Nachfrage Mitte November unter dem Motto „Die digitale Transformation der Unternehmenskommunikation“ erneut angeboten. Kein Wunder, wenn man Weiterlesen

Berauschender Applaus

Hanf Hände 2016Die sogenannte Brutkastenlüge zur Legitimierung der Irak-Invasion der USA, manipulierte Studien der Zigarettenindustrie oder gefälschte Wikipedia-Einträge – die Liste ließe sich noch lange fortsetzen: fragwürdige oder schlicht illegale Praktiken in der Medien- und Öffentlichkeitsarbeit. Die Public-Relations-Industrie kommt nicht weg von ihrem Image als Wahrheitsverdreher vom Dienst. In den vergangenen Tagen Weiterlesen

Weichenstellung Horrorbilanz

FreudentrauerErst jetzt wurde ich dank „PR-Magazin“ auf den schon rund zwei Wochen alten Beitrag „Peinliche Presseerklärungen. Falsch, verlogen, zynisch“ im „Handelsblatt“ aufmerksam. In ihm geht es wieder einmal um die Tendenz der Medien- und Öffentlichkeitsarbeit zur fast schon albernen Verschleierung und Beschönigung. Die Marschroute ist meist schon gleich an der überdehnten Überschrift einer Pressemitteilung zu erkennen – da Weiterlesen

Zwischen Gag und waghalsigem Stunt

PR-TrickDeutsche Anwälte haben Mark Zuckerberg wegen Volksverhetzung angezeigt, und Redakteure der „Meedia“ meinen, das Ganze rieche „doch sehr nach PR-Stunt“ – alles womöglich nur Fassade, nur so zum Schein eben. Im Austausch mit einer Kollegin brachte mich das auf die sehr grundsätzliche Frage: Welche Rolle spielt Täuschung in der professionellen Medien- und Öffentlichkeitsarbeit? Für viele ist der sogenannte PR-Gag oder PR-Trick ja Weiterlesen

Faktischer PR-Hebel

PR-Service DatenPresse- oder Medienarbeit lebt von Inhalten, am besten solchen mit hohem Nachrichtenwert – die Produktneuheit, der Umsatzrekord, das neue Werk oder auch die Personalie. Was aber, wenn sich da in der eigenen Unternehmung respektive Organisation partout nichts finden lässt? Dann greifen meine Kollegen und ich gerne auf den altbewährten „Faktentrick“ zurück und nutzen den Hunger der Medien nach Zahlen und Daten, am besten noch schön aufbereitet und für den Konsumenten nützlich oder zumindest unterhaltsam. Passende Daten lassen sich in der Regel vergleichsweise günstig und schnell erheben oder sind vielfach ohnehin frei zugänglich, zum Beispiel über Statistiken von Behörden und Verbänden bei Plattformen wie Statista. Preiswert oder sogar gratis gelangt man so zu erstklassigem Futter für die Öffentlichkeitsarbeit.

Zwei gelungene aktuelle Beispiele nach ganz ähnlichem Schema mit eigenen oder eigens erhobenen Daten stellen die „Miet-Map“ mit einer Art Mietspiegel für München nach S- und U-Bahn-Haltestellen sowie, passend zum Wintereinbruch, die „Rodelpistenkarte München“ mit beliebten Schlittenhügeln dar. Eigentlich ganz banal, aber erfolgreich – bei insgesamt wohl überschaubarem Aufwand haben es die beiden Anbieter damit jeweils samt Namensnennung zum Beispiel in die als vergleichsweise „PR-resistent“ bekannte „Süddeutsche Zeitung“ geschafft.

Wer den „Dschungel der Zahlen und Werte“ kritisch durchforsten und „Manipulation, Effekthascherei und Panikmache“ durchschauen will, findet mit „Wahr oder wahrscheinlich“ bei der Bundeszentrale für politische Bildung auch noch das ideale, sehr preiswerte Einstiegsbuch. Das Buch seziert übrigens genussvoll auch einige Taschenspielertricks unserer Zunft – leider ist nicht jede erfolgreiche Kampagne auch integer und aufrichtig (siehe Kommunikationskodex).

PR ohne PK

prknfrzst15ekoWer Kollegen nach typischen Bestandteilen des PR-Berufs fragt, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit das Stichwort Pressekonferenz zu hören bekommen. Im Laufe meiner Jahre als Öffentlichkeitsarbeiter entwickelten sich Pressekonferenzen jedoch eher vom Normal- zum Sonderfall. Journalisten betrachteten sie inzwischen „größtenteils als Zeitverschwendung“, so der „PR Report“ über eine aktuelle Umfrage des Agenturnetzwerks Ecco in Kooperation mit der Nachrichtenplattform newsroom.de. Gegenbeispiele à la „Das neue Super-Phone x“ oder „Fußballclub Y mit Transfercoup“ sind da seltene Ausnahmen. Mehr denn je sollten PR-Verantwortliche es sich gut überlegen, ob sich der große Aufwand einer professionell vor- und nachbereiteten Presseveranstaltung auszahlen kann und im Zweifel lieber auf Einzelgespräche mit den wichtigsten Medien setzen.

Alles auf Anfang

pranfg15fvhÄrmel hochkrempeln und einfach mal machen – oft ist das eine ganz ausgezeichnete Idee. Beim Einstieg in PR und Medienarbeit als KMU sehe ich da eher schwarz. Das Wirtschaftsmagazin „Impulse“ bietet seit gestern eine kompakte, aber durchaus brauchbare Zusammenstellung mit „16 Tipps für eine erfolgreiche Öffentlichkeitsarbeit“. Alle Vorschläge sind gut und halbwegs laientauglich beschrieben, praktikabel und auch ohne großes Budget realisierbar. Leider fehlt das vielleicht wichtigste: sich überlegen, was man mittel- und langfristig überhaupt erreichen will und welcher Weg mit welchen Mitteln zum Ziel führt. „Rufen Sie einfach Ihr Wunschmedium an„, so der Appell des Autoren – ich habe bei Kunden und Kollegen viel zu viele erfolglose oder sogar kontraproduktive „Einfach-mal-Anrufe“ erlebt, um nicht dezidiert davon abzuraten. Ein Start in Public Relations ohne zumindest einfachen strategischen Unterbau ist mit großer Sicherheit schlicht ein Anfängerfehler.

Kreative Mischung

prixstd15mwoIn Cannes sind mal wieder die Löwen los, und gut die Hälfte der Gewinner sind Vertreter der Public-Relations-Zunft. Laut „PR Report“ deutet mit Lynne Anne Davis ein prominentes Jurymitglied dies als Beweis dafür, dass es keinen Unterschied mehr „in Sachen Kreativität zwischen Werbe- und PR-Agenturen“ gebe. Das nun auch international und in Cannes gefeierte Vorzeigeprojekt „Rechts gegen Rechts“ ist dafür in der Tat ein gutes Beispiel. Das jüngste „Honorar- und Trendbarometer“ der Deutschen Public-Relations-Gesellschaft wirft allerdings ein anderes Licht auf die PR-Branche: Die klassische Medienarbeit mit Pressemitteilungen und -konferenzen sowie Medienkontakten „dominiert auch weiterhin die PR-Welt“. Kreativität ist da schon auch gefragt, steht in der Regel aber nicht an erster und auch nicht an zweiter Stelle. Ehrlich gestanden ist das aber auch bei wirklich guter Werbung nur ganz, ganz selten der Fall.

Vielleicht hören wir hier besser auf den preigekrönten Kolumnisten Harald Martenstein, der schon das Wort „Kreativität“ vermeiden will – ein „zu Tode gerittenes Pferd“ sei das. Es komme nicht darauf an, gute Ideen zu haben, sondern etwas daraus zu machen. Recht hat er – ganz gleich, ob für Werbung, PR oder im Grunde jeden anderen Beruf.