Schlagwort-Archive: Marketing

Zeitenwende en masse

KommunikationIm Gespräch mit dem Fachblatt „Horizont“ erläutert Unilevers globaler Marketing- und Kommunikationsboss Keith Weed seine durchaus überzeugende Prophezeiung von der „Ablösung der Massenkommunikation durch eine personalisierte Kommunikation auf Massenbasis“. Einmal mehr geht es auch um mehr Relevanz, aussagekräftige Daten und emotionale Bindung. Weed fordert „Bedeutsamkeit für Menschen“ anstelle des überholten „Marketings für Konsumenten“. Unilever wolle dabei nicht weniger als „Beziehungen mit einer Milliarde Menschen aufbauen“ und dazu „individuell mit ihnen interagieren“. Aus meiner Sicht ist das dem britisch-niederländischen Konsumgüterriesen mit rund 400 Einzelmarken auf mittlere Sicht zumindest mit Abstrichen sogar zuzutrauen. Übrigens steht Abonnenten auch die Komplettfassung des schon in der kurzen Version impulsträchtigen Interviews zur Verfügung.

Die wandelnden Toten der Online-Kommunikation

augbujkscmd15fvAbfackeln, zerstören, und von Grund auf neu entwickeln“ sollen wir unsere Strategien für die Sozialen Medien, meint der US-amerikanische Online- und Customer-Experience-Kenner Augie Ray, auf den mich kürzlich eine Kollegin aufmerksam machte. Das Social-Media-Marketing sei endlich tot, meinte sie. Soweit würde ich nicht gehen – in langen Blogeinträgen und ausführlichen Antworten auf Kommentare erläutert Ray allerdings durchaus überzeugend, warum er vieles, woran wir in der Branche fest glauben, schlicht für „komplett falsch“ hält, und warum so viele Unternehmen aus seiner Sicht „in den falschen Abteilungen mit den falschen Leuten die falschen Dinge“ tun, die dann auch noch „falsch evaluiert“ werden. So erinnert er daran, dass auf Facebook selbst die Spitzenmarken mit ihren Einträgen gerade mal 2 Prozent ihrer Anhängerschaft erreichen und dass die meisten Marketer hohle „Likes“ und belanglose Klicks zählen statt auf veränderte Einstellungen oder gar Verhaltensweisen zu achten. Endlich ernst nehmen solle man die Sozialen Medien und ihre Nutzer – und nicht weiter mit Quatsch zuschütten. Eine ganze Reihe auch prominenter Kollegen sollte sich Rays Appell zu Herzen nehmen.

Post im Ironiemodus

pstlnsrk15hko„Geld verdienen mit Galgenhumor“, titelte vor über zwei Jahren „Die Zeit“, und die „Süddeutsche“ adelte die Satireseite bereits damals als „wohl beliebtesten Blog in Deutschland“ – seither ist „Der Postillon“ sogar noch erfolgreicher geworden und heute als eines der „erfolgreichsten deutschen Medien im Social Web“ Thema einer interessanten Betrachtung in der „Horizont“ zum wirkungsvollen Einsatz von Satire im Marketing. Satire sei schlicht „ein viraler Hit“. Was manchmal seitenlange Texte nicht vermittelten, bringe „gute Satire auf den Punkt“. Die Information bleibe unverändert, aber „sie wird dem Nutzer durch den Knalleffekt intensiv vor Augen geführt und bleibt hängen“. Großartig für jeden Kommunikator, allerdings ist Satire immer auch riskant und geht regelmäßig nach hinten los. Wer im Marketing mit Satire und Spott arbeitet, benötigt nach meiner Erfahrung nicht nur größtes sprachhandwerkliches Geschick, sondern muss auch bereit sein, Gegenwind auszuhalten. Auch rechtlich ist Satire nicht ganz unproblematisch. „Achten Sie darauf, dass es Richter gibt, die weniger Humor als Sie haben könnten“, rät Rechtsanwalt Dr. Bruno Dix ganz humorlos.

Applaus zum Mitnehmen

AppFrei15rfghDas Internet boomt weiter, aber mehr und mehr Menschen nutzen es vor allem über Apps auf Smartphone, Tablett & Co. In der „Horizont“ finden sich aktuell zehn, zum Teil sehr brauchbare „Tipps für erfolgreiches App-Marketing“ aus dem Hause Fetch von Anwenderempfehlungen über eine sorgfältige Lokalisierung bis zu relevantem Zussatznutzen. Apps lassen sich heute ja vergleichsweise schnell und kostengünstig erstellen, aber die meisten werden sich ohne passende Flankierung schleunigst ins digitale Nirgendwo – Achtung, flacher Sprachwitz: verappschieden. Wer seine App erfolgreich vermarkten will, muss heute auch jenseits herkömmlicher Marketing- und PR-Methoden alle Hebel in Bewegung setzen, schreibt zum Beispiel das „App Developer Magazine„. Aus meiner Sicht noch wichtiger: Immer wieder neu und immer wieder anders zu denken. Das ist zwar seit jeher charakteristisch für Werbung und PR, aber die Taktung hat ganz erheblich zugenommen.

Aus Alt mach Neu

itrncls15zhgfcÜber anderthalb Jahrzehnte nach dem wegweisenden „Cluetrain-Manifest“ mit „Thesen für die neue Unternehmenskultur im digitalen Zeitalter“ lassen mit David Weinberger und Doc Searls zwei der damaligen Autoren mit einer Art Update in 121 neuen Thesen aufhorchen. Die beiden Internetvordenker erinnern „an das offene Wesen des Internets“ und kritisieren „die gegenwärtige Kommerzialisierung und Entfremdung von der Ursprungsidee“, so die „Süddeutsche Zeitung„. Die „New Clues“ stecken voller interessanter Ansätze und kluger Gedanken, zum Beispiel zum Online-Marketing: „Personal is human. Personalized isn’t.“. Nicht nur Marketeers sollten den alten Hasen gut zuhören. Ich schließe mit der vorletzten Searls-Weinberger-These: „Long live the open Internet.“

Content-Marketing im Bilde

rpdicnmt14uzgfcAuf der US-amerikanischen PR-Fachwebsite „Ragan’s PR Daily“ bin ich heute auf einen Beitrag über eine ebenso nützliche wie ansprechend illustrierte Infografik zur Vermarktung von Online-Inhalten gestoßen. Zwölf (im Grunde sind es dann 13) Eigenschaften müsse ein rundum erfolgreicher Content-Marketier heute unbedingt haben: analytischen Verstand, sprachliche Fähigkeiten, wenigstens grundlegende Programmierkenntnisse, gestalterisches Gespür, Kreativität und Intuition, das feine Näschen eines Suchmaschinenspezialisten, investigatives Geschick, die strategischen wie taktischen Fähigkeiten eines Trainers, Durchhaltevermögen, Hilfsbereitschaft und Großzügigkeit, Verständnis für den Nutzer/Verbraucher, Erfindungsreichtum sowie schließlich stets ein offenes Ohr für das Publikum. Problemlos könnte man weitere Merkmale auflisten, zum Beispiel Organisationstalent und Budgetkompetenz, aber das Wichtigste dürfte enthalten sein. Ein guter Ausgangspunkt für Einsteiger und zumindest kleiner Anschub für Profis.

Moral gefressen

SonverkaufEnde14iuv„Erst kommt das Fressen, dann die Moral“, so das berühmte Bertolt-Brecht-Zitat. Beides zu verknüpfen versucht der sogenannte kritische Konsum, den viele vor allem durch die „Lohas“, die Menschen mit einem „Lifestyle of Health and Sustainability“, vertreten sehen. Die Kernidee: „Konsum für eine bessere Welt„. Ähnlich liest sich das zum Beispiel auf der Aktionsplattform der katholischen Jugend: Man solle „die Macht als Konsumentin und Konsument nutzen“ und „die Welt fairändern„. Um Verzicht geht es also nicht. Im Gegenteil: Im „Geo“-Beitrag „Kann Einkaufen die Welt verbessern?“ wird sogar zu massiven Investitionen an „strategischen ‚Key Points'“ aufgefordert. Vieles davon entspricht auch meiner Haltung. Allerdings wäre Konsumversicht oft womöglich doch die bessere Alternative. Im aktuellen „Brennstoff„, dem Magazin der unkonventionellen Marke GEA, erinnert der Sozialpsychologe Harald Welzer daran, dass „moralischer Konsum meist nur der Konsum von Moral“ ist – längst habe sich ein eigenständiger Wirtschaftszweig entwickelt, in dem „Haltung durch Branding und Protest durch Event ersetzt“ worden seien. Ich bin mir allerdings nicht gewiss, dass sich diese Sicht bei vielen „Lohas“ durchsetzen wird.

Frei gekauft

GratSprmarkt14kjhv In den Supermarkt gehen und bis zu zehn Produkte ganz ohne Bezahlung mitnehmen – das geht jetzt gegen eine kleine monatliche Gebühr für registrierte Kunden im dänischen „Freemarket Kopenhagen„, über den die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet. Meist gehe es um die Bewerbung neuer Produkte und die Resonanz in den Sozialen Medien, manchmal müsse der Verbraucher allerdings auch an einer Befragung zum Produkt teilnehmen. Das erinnert an die klassischen Gratisproben und Testangebote zur Markteinführung. Die Umsetzung als Supermarkt könnte durchaus Schule machen – eine Expansion unter anderem nach Deutschland ist offenbar bereits angedacht.

Sommer voller Impulse

Sommerakademie14kjhvIch weiß wohl schon heute, was ich nächsten Sommer tun werde: wieder die „Sommerakademie“ der Bayerischen Akademie für Werbung und Marketing (BAW) besuchen. Die diesjährige Ausgabe an den beiden ersten Augusttagen war ganz große Klasse und brachte zwei Tage lang Anregungen und gute Gespräche en masse mit Kollegen aus Marketing, Werbung und Öffentlichkeitsarbeit. So habe ich zum ersten Mal einen 3D-Drucker in einer konkreten Anwendung erlebt. Besonders schön: Jeder Teilnehmer kann sich sein Wunschprogramm individuell nach dem Bausteinprinzip zusammenstellen. Bei mir spannte sich der Bogen von der Tiefenpsychologie des geschriebenen Wortes über die rechtliche Würdigung eines Geburtstagszuges mit „live“ brennenden Kerzen bis zum Szenariotrichter der Trendforschung. Danke, BAW!

Verbrauchter Geiz

kfwagenStändig ist die absatz- und marketingorientierte Kommunikation auf der Suche nach Einblicken in die Käuferseele. Neues Futter liefert jetzt ein Bericht im „PR Report“ zu einer internationalen Preis- und Verbraucherstudie des Beratungshauses OC & C. Während die Redaktion den Schluss zieht, Geiz sei in Deutschland „nicht mehr ganz so geil“, weil „die Akzeptanz von Preiserhöhungen im Vorjahresvergleich zugenommen“ habe, ist nach wie vor eine knappe Mehrheit der Befragten offenbar nicht bereit, für ein Mehr an Qualität auch einen höheren Preis zu berappen. Auch sonst enthält die Studie viel Erhellendes, auch zu einzelnen Branchen und Marken. Wie formulierte es Prof. Hans-Jürgen Quadbeck-Seeger einmal? „Marketing heißt, mit den Köpfen der Kunden denken.“ Genau das fällt dank der Studie wieder ein Stück leichter.