Schlagwort-Archive: Manipulation

Aktiv gewählte Manipulation

Vor einigen Wochen machten „betrügerische Bettelmönche“ in München von sich reden – die vermeintlichen frommen Männer aus Nepal oder Tibet entpuppten sich als Spitzbuben aus China. In Haidhausen sprachen zwei von ihnen damals auch mich an. Dabei wandten sie neben einer ganzen Reihe an mehr oder minder dreisten kommunikativen Kniffen auch einen altbekannten und dennoch wirkungsvollen Trick an: die Standardoption. Weiterlesen

Berauschender Applaus

Hanf Hände 2016Die sogenannte Brutkastenlüge zur Legitimierung der Irak-Invasion der USA, manipulierte Studien der Zigarettenindustrie oder gefälschte Wikipedia-Einträge – die Liste ließe sich noch lange fortsetzen: fragwürdige oder schlicht illegale Praktiken in der Medien- und Öffentlichkeitsarbeit. Die Public-Relations-Industrie kommt nicht weg von ihrem Image als Wahrheitsverdreher vom Dienst. In den vergangenen Tagen Weiterlesen

Kunstvolle Bilderwelt

phsmehp15uzcEinen schön ausgiebigen Rundumbeitrag bringt die „Zeit“ zum 25-jährigen Photoshop-Jubiläum und den Einfluss des vielgenutzten Bildbearbeitungsprogramms auf die sogenannte Netzkultur. Der Bogen spannt sich von mehr oder minder hoher Kunst über „Schwindel und Täuschungen“ samt einer anhaltenden „Realitätsverweigerung“ bis zur Missgeschicke feiernden „Fail“-Kultur. Internet kann durchaus bilden, und bebildern erst recht.

Journalistische Zwickmühle

mdenjrs14uzhgcDer Schweizer Dominik Imseng befürchtet, Journalismus könne immer mehr zu Werbung und „geistiger Umweltverschmutzung“ verkommen. Quasi zeitgleich bringt Medienredakteur Stefan Niggemeier im „Krautreporter“ die oft mühsam herausgeschälte „Wahrheit über die Lügen der Journalisten„, wie sie in Udo Ulfkottes Buch „Gekaufte Journalisten“ präsentiert werden. Wie das zusammengeht? Guter, unabhängiger Journalismus dürfte in der Tat gefährdet sein, aber nach wie vor stellen Medien wie „Süddeutsche Zeitung„, „Spiegel“ oder „Zeit“ den insgesamt bei weitem besten Weg dar, sich einigermaßen effizient ein halbwegs zutreffendes Bild von unserer Welt zu machen. Und noch funktionieren auch Kontrolle und Kritik ganz gut. Niggemeier stellt richtig fest, dass die Apologeten des angeblichen Medienversagens vor allem aufgreifen, was eben genau „kritische Journalisten aufgedeckt haben“. Es könnte und sollte besser sein, aber etwas Besseres gibt es nicht.

Wikipedias „Ja-aber“

wkeda14ugv Schon wieder geht es um ein Online-Thema: Das nicht-kommerzielle Internetlexikon Wikipedia, das bei den meisten Menschen längst die Glaubwürdigkeit einer früheren Brockhaus-Edition genießt, hat seine Nutzungsvorgaben geändert und fordert, dass sich bezahlte Autoren auch als solche zu erkennen geben. Alternativ war auch ein genereller Ausschluss von „Mietschreibern“ diskutiert worden. „Wer gegen Geld Beiträge erstellt oder bearbeitet, muss dies öffentlich machen. Das gilt nicht für Mitarbeiter von Stiftungen, Museen, Archiven und Bibliotheken, die in ihrer Funktion Artikel über ihr Fachgebiet editieren“, erläutert die „Neue Zürcher Zeitung“ Wikipedias „Kampf gegen Sockenpuppen„. Bereits vor einigen Tagen veröffentlichte Wikipedia „eine Vereinbarung mit mehreren großen PR-Firmen, die versprachen, sich an die Nutzungsbedingungen zu halten“, wie auch die „Süddeutsche Zeitung“ berichtete. Transparenz als zentrale Voraussetzung für Vertrauen – ein guter Schritt.

Große Freiheit war gestern

GreFeit14jhv„Die digitalen Technologien sind Treiber von Demokratie und Freiheit“, hat Bundespräsident Gauck einmal gesagt. Doch von allen Seiten wird die Freiheit des Internets bedroht oder ist bereits massiv beschnitten, und das kann man nicht erst seit dem NSA-Skandal wissen. Gefälschte Kundenbewertungen sind längst Alltag. Staaten wie China oder die Türkei sperren zeitweise komplette Online-Dienste wie Twitter und Youtube oder manipulieren Suchergebnisse. Vor diesem Hintergrund schreckt auch ein Artikel in der „Süddeutschen Zeitung“ über „Putins Trolle“ auf: Russland scheint PR-Unternehmen mit der systematischen „Manipulation der öffentlichen Meinung“ beauftragt zu haben. So warnt der britische Politik-Experte Simon Anholt vor dem Irrglaube, das Internet führe „als freier Kommunikationsraum automatisch zu mehr Freiheit“. Im Gegenteil: „Weil es frei ist, ist es eben nicht immun gegen Manipulationen. Soziale Medien können gehackt und manipuliert werden. Und der Westen hat darauf keine Antwort.“ Aufklärung über Zensur und Verschleierung dürfte in jedem Fall ein gutes Gegenmittel sein.

Fall des Engelmachers

aacprtr14zc Aus Kommunikationssicht ist die schwere Krise des ADACs besonders spannend, ist doch deren früherer Kommunikationschef Michael Ramstetter nach heutigem Stand die Schlüsselfigur des Skandals um manipulierte Abstimmungen und eine ganze Reihe an bereits aufgedeckten Verfehlungen. In der „Zeit“ fragen sich jetzt Karsten Polke-Majewski, Philip Faigle und Kai Biermann, wie die mitgliedsstarke und einst so renommierte Autofahrer-Organisation  über „einen der mächtigsten Medienmacher und Einflussnehmer der Republik stürzen“ konnte. Neben dem Autopreis „Gelber Engel“ und dem Auflagengiganten „ADAC Motorwelt“ geht es vor allem um Ramstetters Persönlichkeit und deren Entwicklung. Viele Fragen bleiben ungeklärt, aber man versteht ganz gut, wie ein Mann „seine Reputation vernichtet, obwohl er so viel davon versteht, andere ins rechte öffentliche Licht zu rücken“. Lesenswert.

Mit links ans Portemonnaie

enufwgbdlkrVon der umsatzfördernden Regalplatzierung über die optimale Temperierung des Verkaufsraums oder kleine „Wühltischbarrieren“ bis zur subtil wirkenden Salatinszenierung: In der „Süddeutschen Zeitung“ schreibt Stefan Weber schön übersichtlich über die „Kunst der Einkaufsverführung“ im Supermarkt. Längst wir dort kaum mehr etwas dem Zufall überlassen, damit der Verbraucher möglichst viel und möglichst teuer kauft. Bekannt ist ein Ausspruch der US-amerikanischen Kaufhauslegende Frank Woolworth zu diesem Thema: „Ich bin der schlechteste Verkäufer der Welt – darum muss ich es den Kunden einfach machen, bei mir zu kaufen.“ Willkommen in der modernen Verkaufspsychologie.

Heftig umworben

Buchstäblich auf Schritt und Tritt scheint der moderne Mensch mit Information und Werbung bombadiert zu werden. In einem Interview für „Psychologie Heute“ berichtet der US-amerikanische Sozialpsychologe Robert Cialdini, der Meister der „Persuasiven Kommunikation„, von der zunehmenden Konzentration der Werbe- und PR-Experten auf Verhaltensauslöser, sogenannte Trigger. Der Hintergrund: „Wir verfügen über eine lnformationsfülle ohnegleichen, aber unsere kognitiven Verarbeitungsprozesse werden aufgrund dieser Überfülle immer primitiver.“ Dabei könne der Verbraucher Beeinflussungssversuche durchaus erkennen und abwehren. Nur: „Jeder hat eine Achillesferse, jeder kann manipuliert werden.“

Medien selbst gemacht

Rundfunkräte, die missliebige Journalisten aus ihrem Amt entfernen, Mauscheleien gestrauchelter Minister mit Verlagshäusern, Wutanrufe eines Bundespräsidenten in der Redaktion und jetzt der von der „Süddeutschen Zeitung“ enthüllte Anruf eines CSU-Sprechers beim ZDF: Leider versuchen Poltiker immer wieder, mehr oder weniger direkt Einfluss auf die mediale Berichterstattung zu nehmen. Dabei sollte die Rolle der Medien in ihrer Wächterfunktion eigentlich gerade von Politikern respektiert und gestärkt werden.

Journalismus ist dann besonders gut, wenn er „ironisch, distanziert und respektlos gegen die jeweils Mächtigen“ ist, wie der Fachautor Lutz Hachmeister das einmal formuliert hat. Und auch Hans Leyendecker, einer der profiliertesten deutschen Journalisten, lässt gegenüber dem SWR keinen Zweifel zu: „„Leider wamsen sich Journalisten immer wieder an die großen Politiker ran, weil sie stolz sind, im Gefolge der Politiker zu sein. Wenn es immer klebriger wird, wird die Öffentlichkeit immer weniger erfahren über Dingen, die eigentlich für die Öffentlichkeit wichtig sind.“

Wer keine Berlusconisierung unserer Medien will, muss sich immer wieder für die Freiheit der Presse einsetzen – egal, auf welcher Seite des Mikrofons er steht. Denn „wo Pressefreiheit herrscht und jedermann lesen kann, da ist Sicherheit“, so Thomas Jefferson vor rund 200 Jahren. Das dürfte heute unverändert Gültigkeit haben.