Schlagwort-Archive: Kunst

Gebildete Botschaft mal vier

grafische geschichtenAuch im Beruf sind Gestaltung und Grafik Steckenpferde von mir. In den vergangenen Monaten haben mich vier ganz verschiedene Ausprägungen visueller Kommunikation besonders beschäftigt. Gerade in ihrer Unterschiedlichkeit den vielen Gemeinsamkeiten zum Trotz faszinieren sie mich. Im September besuchte ich auf Sardinien das frühere „Banditennest“ Orgosolo mit seinen unvergleichlichen, meist politischen oder Weiterlesen

Gemalt in den Wortschatz

deixEiner meiner Lieblingskarikaturisten ist tot: Manfred Deix. Laut „Spiegel“ wurde er vor allem mit „drastischen gemalten und gezeichneten Zeitkommentaren“ bekannt und gewährte in seinen Bildern „schonungs- und kompromisslos Einblicke in die Abgründe des modernen Lebens“. Seine „befremdlich realistischen“, stets unverkennbaren Werke waren verzerrt, für manche oft auch ekelerregend, im besten Sinne schräg, fies, aber nie Weiterlesen

Öffentliche Sache mit Frankenbezug

crswnk16durSchon innerhalb unseres Studiengangs Politologie im wunderbaren Bamberg in Oberfranken war er einer der diskussionsfreudigsten Kommilitonen, jetzt ist er nach einer Art Management-Buy-out gemeinsam mit seinem Kompagnon Alexander Marguier unter die Verleger gegangen und ist Herausgeber des Politmagazins „Cicero“ sowie der Kunstzeitschrift „Monopol“: Christoph Schwennicke. Ich wünsche ihm alles Gute mit seinem Weiterlesen

Paradiesische Wiedergeburt

Hieronymus BoschZum 500. Todestag ist derzeit im niederländischen ’s Herogenbosch (Den Bosch), die „größte Hieronymus-Bosch-Ausstellung aller Zeiten“ zu bestaunen. Der geniale Renaissance-Maler Bosch, eigentlich Jheronimus van Aken (1450-1516), schuf mit blühender Phantasie und größter Kunstfertigkeit irrwitzige Bilder voller Symbolik und herrlich seltsamer Rätsel. Ein weltberühmtes Werk fehlt jedoch in der Ausstellung Weiterlesen

Zeichen hoch hinaus

DasHochhaus_MSH16dfdDie „Zeit“ schreibt über „102 Etagen Leben“, hier verbinde die Zeichnerin Katharina Greve „die pointierte Unmittelbarkeit des Einbildwitzes auf erfrischende Weise mit dem Potenzial der längeren Bilderzählung“ und werde mit einiger Gewissheit „die Grenzen der Kunstform formal erweitern“. Das mag ein wenig gestelzt und überhoben klingen, dürfte dem „digitalen Comic-Bauprojekt“ mit einem Woche für Woche wachsenden „HOCHHAUS“ und den bislang klugen und sehenswerten Momentaufnahmen aus dem Leben der Hausbewohner in „fast technisch anmutendem Zeichenstil“ aber gerecht werden. Ich werde der ebenso kreativen wie anregenden, detailverliebten Baustelle eines „üppigen, collageartigen Hausromans“, wie es in der „Berliner Morgenpost“ heißt, bis zur geplanten Fertigstellung im September 2017 bestimmt noch einige Besuche abstatten.

Plakativer Störer

frtlplkkt15euioKunstvoller Protest im öffentlichen Raum – auch in München hat es die Aktion eines anonymen Schöpfers, der sich „Dies Irae“ nennt, gegen die Fremdenhassschreihälse im sächsischen Freital in die Schlagzeilen geschafft, zum Beispiel die der „Süddeutschen Zeitung“ und der „Abendzeitung“. Dort wird das Ganze so beschrieben: „In einer Nacht-und-Nebel-Aktion wurden die klassischen Plakatwände an Bushaltestellen und Gebäuden mit Anti-Nazi-Plakaten überklebt.“ Das sogenannte Adbusting im Süden Dresdens, bei dem Außenwerbung gezielt verändert oder in gegenteilige Botschaften verkehrt wird, setzt auf Witz, Wortspiele und klugen Spott. Wahrlich nicht die erste „Intervention“ des Künstlers oder Künstlerkollektivs „Tag des Zorns“, wie man auf Facebook sehen kann, aber bestimmt die bislang wirkungsvollste.

Kunstvolle Bilderwelt

phsmehp15uzcEinen schön ausgiebigen Rundumbeitrag bringt die „Zeit“ zum 25-jährigen Photoshop-Jubiläum und den Einfluss des vielgenutzten Bildbearbeitungsprogramms auf die sogenannte Netzkultur. Der Bogen spannt sich von mehr oder minder hoher Kunst über „Schwindel und Täuschungen“ samt einer anhaltenden „Realitätsverweigerung“ bis zur Missgeschicke feiernden „Fail“-Kultur. Internet kann durchaus bilden, und bebildern erst recht.

Tag und Nacht im Bilde

EBVci14kjhvgDie „Süddeutsche Zeitung“ berichtet über das ausgefallene Fotoprojekt „Day to Night“ von Stephen Wilkes , das uns einen kompletten Tag an Orten wie dem vergnüglichen „Luna Park“ in Coney Island in New York City (ich denke mit wohligem Schauer an meine Fahrt mit dem legendären „Cyclone“ zurück) auf nur einem Bild zeigt. Der bekannte Fotoartist wolle damit „an die Grenzen dessen gehen, was ein Foto sein kann“ und versuche „nichts weniger, als den Lauf der Zeit auf einen Blick erfahrbar zu machen“. Ich finde diesen Grenzbereich von Paris bis Jerusalem ästethisch wie fototechnisch ganz großartig und freue mich auf Wilkes‘ nächste Kompositionen.

Großes Kino mit Alleskönner

ameskt14ikjbdMeine Arbeit bereitet mit oft große Freude. Zudem lässt sie mich in einer Art Nebeneffekt immer mal wieder wundervollen Menschen begegnen, die mich mit ihrer Persönlichkeit oder ihren Fähigkeiten zutiefst bewegen. Bei Hollywood-Altstar Armin Mueller-Stahl weiß ich gar nicht, wo ich anfangen soll. Seine Filme von „Night on earth“ bis „Illuminati“ kennt fast jeder. Gestern durfte ich ihn beim Konzert in Ottobrunn mit seiner exzellenten Band (Günther Fischer, Tobias Morgenstern und Tom Götze) dann als Geiger und bezaubernden Geschichtenerzähler unter dem Motto „Es gibt Tage …“ erleben, und heute beginnt seine Kunstausstellung mit Grafiken und Gemälden bei der Galerie Kersten in Brunnthal. „Wer immer nur funktioniert, entzieht sich dem Abenteuer des Lebens“, hat Mueller-Stahl einmal gesagt. In diesen Tagen lässt mich das charismatische Multitalent einmal mehr erfahren, wie facettenreich und doch „rund“ dieses Abenteuer sein kann.

Kunstvoll werben

mastledKunst und Werbung beeinflussen sich gegenseitig. Ein besonders bekanntes und schillerndes Beispiel für einen Künstler, der in seinen Werken immer wieder Marken und Werbung als solche aufgreift, ist der umstrittene US-amerikanische Altmeister Mel Ramos. In Brunnthal im Münchner Süden wartet jetzt eine sehenswerte Ramos-Ausstellung in der Galerie Kersten. Der Kalifornier spiele mit erotischen Phantasien als „grundlegendem Werberaster für Marketingstrategen“ und parodiere so die Kommerzialisierung – Stichwort: „Sex sells“. Der heute 78-Jährige „ist der letzte Überlebende der amerikanischen Pop-Art und heute so populär wie nie zuvor“, schreibt der „Focus“ – am besten ansehen und sich ein eigenes Urteil bilden.