Schlagwort-Archive: Kreativität

Bunt getrieben im Einflussreich

Wenn man mich fragt, was ich an meinem Beruf als Kommunikationsberater und -macher als charakteristisch erachte, dann fallen mit Sicherheit ziemlich bald die Stichwörter Vielseitigkeit und Vielfalt. Viele Projekte und noch mehr Themen mit verschiedenen Kunden in verschiedenen Branchen auf unterschiedlichen Kanälen – ein schier unendlicher, sich ständig verändernder Kosmos. In diesem Gewurle fühle ich mich pudelwohl, gibt es doch überall Weiterlesen

Inspiration in Serie

Normalerweise kann ich der ProSieben-Show „Circus HalliGalli“ mit Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf nicht allzu viel abgewinnen, aber zum Start der Abschiedsstaffel „erfinden sie eine Arztserie, die zum Lustigsten gehört, was die Show je hervorgebracht hat“, wie es im Online-Lifestyle- und Jugendmagazin „Vice“ heißt. Der „Spiegel“ schwärmt von „federleichtem Spiel mit Genrekonventionen Weiterlesen

Erst die Arbeit, dann das Vergnügen

WaschmaschinenpartyIn meinen Jahren im DDB-Netzwerk haben es mir die Arbeiten der Kollegen aus Schweden oft besonders angetan, zum Beispiel die weltweit beachtete, mehrteilige Kampagne zur „Spaßtheorie“ für Volkswagen. Jetzt berichtet die „Horizont“ über eine neue kreative Idee der Stockholmer, den „Samsung-Waschsalon“, der weniger „Laundry“ (Wäscherei) als „LANdry“ („Local-Area-Networkerei“) ist. Computerspielen darf nur, wer die Weiterlesen

Flatrate-Performance in der Crowd

Permanent vernetztDie „Zeit“ hält unter dem leicht abgestandenen Titel „Das neue Normal“ einen hervorragenden wissenschaftlichen Gastbeitrag mit insgesamt 17, in ihrer Klarheit und Kompaktheit erfrischenden Thesen zu den gesellschaftlichen Auswirkungen der Online- und Mobilkommunikation sowie der Sozialen Medien in unserer dauervernetzten Welt („permanently online, permanently connected“) bereit. Die Überlegungen reichen von Weiterlesen

Kreative Mischung

prixstd15mwoIn Cannes sind mal wieder die Löwen los, und gut die Hälfte der Gewinner sind Vertreter der Public-Relations-Zunft. Laut „PR Report“ deutet mit Lynne Anne Davis ein prominentes Jurymitglied dies als Beweis dafür, dass es keinen Unterschied mehr „in Sachen Kreativität zwischen Werbe- und PR-Agenturen“ gebe. Das nun auch international und in Cannes gefeierte Vorzeigeprojekt „Rechts gegen Rechts“ ist dafür in der Tat ein gutes Beispiel. Das jüngste „Honorar- und Trendbarometer“ der Deutschen Public-Relations-Gesellschaft wirft allerdings ein anderes Licht auf die PR-Branche: Die klassische Medienarbeit mit Pressemitteilungen und -konferenzen sowie Medienkontakten „dominiert auch weiterhin die PR-Welt“. Kreativität ist da schon auch gefragt, steht in der Regel aber nicht an erster und auch nicht an zweiter Stelle. Ehrlich gestanden ist das aber auch bei wirklich guter Werbung nur ganz, ganz selten der Fall.

Vielleicht hören wir hier besser auf den preigekrönten Kolumnisten Harald Martenstein, der schon das Wort „Kreativität“ vermeiden will – ein „zu Tode gerittenes Pferd“ sei das. Es komme nicht darauf an, gute Ideen zu haben, sondern etwas daraus zu machen. Recht hat er – ganz gleich, ob für Werbung, PR oder im Grunde jeden anderen Beruf.

Raketen- oder Fehlstart?

ldrkenso15hgvDiscounter Lidl macht auf Qualität. Zumindest in der neuen Werbekampagne. Die „W&V“ spricht von einem „Paukenschlag im Apple-Look“ und sieht doch glatt nicht „nur gefällige Illustration, sondern eine zusätzliche Erzählebene zur intendierten Botschaft“. Komplett anders fallen da die Expertenurteile in der „Horizont“ aus. Austauschbarkeit und fehlende Authentizität sind noch die harmloseren Verdikte, andere sehen „Vignetten-Sülze“ in „gecasteter Adland-Realität“ sowie „schwülstige pseudo-philosophische Texte“ mit „nullkommanull Folgerichtigkeit“ oder gar „auf verhängnisvolle Weise abgeschaltete Gehirne der Verantwortlichen“. Hart, aber das scheint mir eher die, freilich alles andere als intendierte, Botschaft der Lidl-Werbung zu sein. Ich bin schon gespannt auf die begleitende PR aus dem Hause FischerAppelt – denn noch sind deren laut Eigen-PR prägender „Spaß an guten Geschichten und der Glaube an relevante Inhalte“ nicht zu erkennen.

Kreatives Affentheater

aspasff15zhgfcAuf dem diesjährigen Deutschen Medienkongress in Frankfurt am Main sagte Serviceplan-Kreativchef Alexander Schill offenbar im vollen Ernst: „Auf die kreative Umsetzung kann man im Zweifel auch Affen dressieren.“ Da waren nicht nur Designer und Texter fassunglos. Schill wiederum reagiert auf die anhaltende Kritik zwar einigermaßen humorvoll – nämlich mit einem Bild von ihm in Affenmaske -, aber offenbar wenig einsichtig. Eine geharnischte Replik von Volker Schütz mit dem schönen Titel „Wenn Kreative sich zum Affen machen“ veröffentlichte jetzt die „Horizont“ . Mit Schill habe „anerkannt einer der besten Kreativen des Landes“ wohl eher „ungewollt die aktuelle Hybris“ seiner Zunft belegt und „seinen eigenen Berufszweig ruckzuck in Verruf verschlagwortet“. Picasso hat einmal gesagt, der Hauptfeind der Kreativität sei guter Geschmack – wenigstens den hätte Schill beweisen können.

Tragisch schön

krtvwrg14iugfvErst vor ein paar Tagen schrieb ich hier über „supergeile Werbung„, und heute will ich auf gleich drei herausragende Beispiele hinweisen, über die allein die „Horizont“ aktuell berichtet. Einfallsreich und gut umgesetzt sind alle drei, ansonsten aber ganz verschieden. So stellt der „Auftritt des Tages“ eine wunderbar gestaltete Anzeige mit räumlicher Wirkung für eine kolumbianische Möbelhauskette im Kleinanzeigenteil einer Zeitung vor. Mit dem verblüffend eindeutigen, vor allem sozialpsychologischen Experiment „Dove Patches“ zu persönlichem Wohlbefinden und zur Wahrnehmung von Schönheit setzt Unilever die spektakuläre Viralkampagne „Beauty Sketches“ fort. Mit dem Aufklärungsspot „Flying Chicks“ für die Tierrechtsorganisation Peta schließlich machen Studenten der Filmakademie Baden-Württemberg auf den „millionenfachen Kükenmord“ der Eier- und Geflügelwirtschaft aufmerksam. Drei bemerkenswerte Beispiele für Kreativität mit Substanz.

Werbung wirkt super

Seerbg14gvziiWerbung ist „auf einmal ’supergeil'“, heißt es begeistert in der „Horizont„. Pünktlich zum 50. ADC-Jubiläum erlebe man einen wahren „Kreativschub„, und das sei die beste Antwort auf den immer härteren Kampf um Aufmerksamkeit. Interessante Randinformation: Während auf den durchschnittlichen Verbraucher vor etwa 30 Jahren täglich rund 650 Werbebotschaften gesendet worden seien, wären es heute vielleicht 10.000 („die Schätzungen schwanken extrem“). Konsequenz: „Nur wer auffällt, hat eine Chance.“ Genau das gelänge den Werbeschaffenden gegenwärtig aber ganz hervorragend. Chefredakteur Volker Schütz bringt eine ganze Reihe an Belegen, vom rundum erstaunlichen Edeka-Viralspot (derzeit allein an der Originalquelle mit über achteinhalb Millionen Klicks) mit dem schrägen Friedrich Lichtenstein bis zum eher krampfigen als lustigen Spot mit dem „FIK-Bus„, nicht nur für Schütz „total daneben und deshalb ziemlich peinlich“. Die Perlen im Werbemarkt haben womöglich doch nach wie vor Seltenheitswert.

Politisch Größe zeigen

rklrtmsteAbhörskandal, Euro-Krise, NSU-Versagen, Schuldenlast oder nicht zuletzt Syrien – an brisanten politischen Themen herrscht wahrlich kein Mangel, und doch wirkt der bundesdeutsche Wahlkampf seltsam verhalten. Zumindest ein gehörige Prise Fantasie und Witz bringen jetzt „kreative Parodisten und Spötter„, wie die „Horizont“ das nennt, rund um das Riesen-XXL-Großflächenplat der CDU mit der inzwischen berühmten sogenannten Merkelraute ins Internet. Eine Vielzahl an Motiven findet sich zum Beispiel in einem eigens eingerichteten Tumblr-Blog. Ob die CDU-Kampagne im „Monsterformat“ deshalb allerdings ein „Eigentor“ wird, ist meines Erachtens noch längst nicht ausgemacht.