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Aufrichtig in Not

PR in WahrheitPublic-Relations-Arbeit geschieht nicht selten in einem mehr oder minder starken Spannungsfeld zwischen Wahrheit und vor allem Wahrhaftigkeit einerseits und Soll- oder Zielbotschaft andererseits. Dabei stehen Glaubwürdigkeit und Vertrauen – auch das des Arbeit- oder Auftraggebers! – auf dem Spiel. Ein Beitrag des „Sterns“ samt sehenswertem Videoausschnitt von einer Pressekonferenz mit Smudo von den Fantastischen Vier und einer Facebook-Sprecherin zum umstrittenen Umgang mit sogenannten Hasskommentaren macht dieses meist unausgesprochene Dilemma ungewöhnlich deutlich sichtbar. Einmal mehr vermeidet die Facebook-Vertreterin eine klare Aussage und begründet dies damit, dass es schwierig sei, „darauf eine Antwort zu geben, die zufriedenstellend ist“. Der Musiker aber will sich damit nicht abspeisen lassen und fordert: „Dann geben Sie uns doch eine Antwort, die nicht zufriedenstellend ist. Sie können auch mal was Unangenehmes sagen oder was Blödes oder was nicht in Ordnung ist. Sie können das tun. Jetzt!“ In ihrem Artikel zum selben Ereignis bringt die „Süddeutsche Zeitung“ ein weiteres Smudo-Zitat: „Sie laufen hier gerade herum wie eine Kakerlake, wenn das Licht angeht.“ Eine bemerkenswerte Szene mit viel Stoff für die Selbstfindung und Weiterentwicklung unserer Zunft.

In eine ähnliche Richtung weist – zumindest bei genauerem Hinsehen – in der „Zeit“ die bissige und nach meinem Dafürhalten bestechend scharfsinnige jüngste Ausarbeitung aus der Reihe „Fischer im Recht“. Wir können darin das Sezieren eines Leitkommentars der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ verfolgen, welcher „von der Farbe zwischen den Buchstaben lebt“ und gerade durch seine „im Nichts dahinmurmelnde Unauffälligkeit des Textes“ auffällt. Der Autor kämpft sich für und mit dem Leser zu der Erkenntnis, dass Sprache eben eine furchtbar komplizierte Sache sei und „Wahrheit nicht immer das, was sie zu sein scheint“. Sprache forme, gestalte, interpretiere und erzwinge Wahrheiten. „Und manchmal sind die bedeutsamen Windungen der vorgeblichen Meinung nicht mehr als deren schlichtes Gegenteil.“ Ein famoser Fisch(er)zug mal wieder.