Schlagwort-Archive: Kampagne

Mercedes liefert groß

Mercedes adVANceCrossmedial, verzahnt, konzertiert, synergetisch, 360 Grad, ganzheitlich, omnichannel – mit welchem Begriff auch immer man die vor Kurzem angelaufene globale kommunikative Flankierung der „strategischen Zukunftsinitiative adVANce“ von Mercedes-Benz beschreiben will: In Sachen PR, Marken- und Marktkommunikation rund um „eine revolutionäre Transporter-Studie für den urbanen Raum“ mit integrierten Drohnen wird Weiterlesen

Erst die Arbeit, dann das Vergnügen

WaschmaschinenpartyIn meinen Jahren im DDB-Netzwerk haben es mir die Arbeiten der Kollegen aus Schweden oft besonders angetan, zum Beispiel die weltweit beachtete, mehrteilige Kampagne zur „Spaßtheorie“ für Volkswagen. Jetzt berichtet die „Horizont“ über eine neue kreative Idee der Stockholmer, den „Samsung-Waschsalon“, der weniger „Laundry“ (Wäscherei) als „LANdry“ („Local-Area-Networkerei“) ist. Computerspielen darf nur, wer die Weiterlesen

Sturm im Wassermarkt

ntlprstrm15tgfLaut Bewertung des „Bayerischen Rundfunks“ gerät die aktuelle Twitter-Kampagne „#FragNestlé“ des schweizerischen Nahrungsmittelkonzerns gerade „zum Desaster“. In der Tat wird das weltweit tätige Großunternehmen mit Kritik förmlich überschüttet, zum Beispiel wegen des Verdachts auf Kinderarbeit,  besonders umweltschädlicher Palmölprodukte oder vielfach offenbar rücksichtloser Ausbeutung bislang öffentlicher Wasserquellen. Die Kollegen aus der Nestlé-PR beweisen aber immerhin, dass sie hart im Nehmen sind und auch bissige bis böse Fragen beantworten. „Was auf den ersten Blick wie ein verunglückter PR-Coup aussieht, dürfte gründlich durchdacht sein“, heißt es im „Spiegel“ denn auch. Das wirke in Teilen sogar „durchaus souverän“. Vermutlich wird sich frühestens in ein paar Wochen prüfen lassen, ob die Kampagne insgesamt nach hinten losging oder doch ein gelungenes Beispiel dafür darstellt, ohnehin vorhandener heftiger und oft wohl auch berechtigter Kritik mit offenem Visier zu begegnen. Der Food-Gigant gibt sich auf Twitter zuversichtlich: Man verstehe die Kampagne „nicht als Flop“ und hätte einen derart offenen, direkten Dialog auf andere Weise gar nicht erreichen können.

Raketen- oder Fehlstart?

ldrkenso15hgvDiscounter Lidl macht auf Qualität. Zumindest in der neuen Werbekampagne. Die „W&V“ spricht von einem „Paukenschlag im Apple-Look“ und sieht doch glatt nicht „nur gefällige Illustration, sondern eine zusätzliche Erzählebene zur intendierten Botschaft“. Komplett anders fallen da die Expertenurteile in der „Horizont“ aus. Austauschbarkeit und fehlende Authentizität sind noch die harmloseren Verdikte, andere sehen „Vignetten-Sülze“ in „gecasteter Adland-Realität“ sowie „schwülstige pseudo-philosophische Texte“ mit „nullkommanull Folgerichtigkeit“ oder gar „auf verhängnisvolle Weise abgeschaltete Gehirne der Verantwortlichen“. Hart, aber das scheint mir eher die, freilich alles andere als intendierte, Botschaft der Lidl-Werbung zu sein. Ich bin schon gespannt auf die begleitende PR aus dem Hause FischerAppelt – denn noch sind deren laut Eigen-PR prägender „Spaß an guten Geschichten und der Glaube an relevante Inhalte“ nicht zu erkennen.

Ein Bild von einem Mann

ktjafp14zhjgcvFür das Frauenmagazin „Brigitte“ ist es „Gesprächsthema des Tages“, aber eher „Altherrenhumor„. Bei der „W&V“ denken die einen an „Kampagnen-GAU„, während die anderen auch wegen des enormen Social-Media-Effekts ein „Chapeau!“ aussprechen. Die „Zeit“ sieht ihn ihr schlicht die „Trümmerfrau der FDP“. Viel Wirbel also. Die Rede ist von meiner früheren PR-Kollegin Katja Suding, Spitzenfrau der FDP und auf den aktuellen Plakaten zur Bürgerschaftswahl provokativ deren „Mann für Hamburg„. Ich würde die FDP zwar vermutlich trotzdem nicht wählen, aber Katja Suding habe ich als ebenso kluge wie sympathische Frau kennengelernt. Naja, zumindest ein Aufmerksamkeitserfolg ist ihr mit dem vermeintlichen „Peinlich-Plakat“ in jedem Fall beschieden.

Sprachpanscher im Großformat

lfrdwrb14jkhvÜber einen Werbespruch nachdenken, ihn abfotografieren und anderen davon erzählen – da scheinen die Werber alles richtig gemacht zu haben. Im Falle der Plakatkampagne einer Online-Plattform für Essenslieferanten wohl eher nicht. Nach bewährtem Schema arbeitet die Serie damit, dass Begriffe rund ums Essen erst beim zumindest gedachten Aussprechen und mit einiger Fantasie Sinn ergeben. „Isch bin dir Farfalle“ zum Beispiel ist ja auch ganz nett, aber spätestens mit „Spanisch am Essen“ (ah, nicht gerade billig…) und „Wasabi da nur bestellt“ (ah, schmeckt wohl nicht …) kippt die Serie und begeht sprachlich Harakiri. Wir rätselten auch lange über Sinn (oder Unsinn) von „Da China satt zu werden“ – um es zu verstehen, benötigten wir erst einmal Nachhilfe von Nichtbayern („Sprecht ‚China‘ mal norddeutsch ‚Schina‘ aus …“). Auch sonst ist die Serie ausgesprochen lieblos und platt gemacht („Klischeeflei bestellen“ oder „Wir Rinder vom Bahnhof Zoo“). Da China (hier bitte in süddeutscher Aussprache) die Macher ja mal darüber nachdenken.

Werbung mit Gänsehaut

hlwengr14hgvHalloween ist vorbei, und neben der Süßwarenindustrie und der Eventbranche hatten sich auch die Kreativen aus Werbung und PR wieder hingebungsvoll dem großen Gruseln gewidmet. Einige „sehenswerte Kampagnen“ rund um den Abend vor Allerheiligen hat die „W&V“ gesammelt. Auch auf der internationalen Videoplattform „Viral Video Chart“ kann man sich bequem durch sogenannte Scary Ads, also Spots mit hohem Schock- und Schauderpotenzial, klicken. Warum wir Menschen uns so gerne dem Fürchten hingeben? Laut „Frankfurter Allgemeiner Zeitung“ wachsen wir an der Erfahrung, uns „nicht von etwas, das einem Angst macht, überwältigen zu lassen“. Der schon legendäre Schocker Marke „Carrie“ für ein New Yorker Café aus 2013 bleibt für mich hier bis auf weiteres unerreicht. Herrlich schrecklich!

Werbung mit Kinderaugen

fstfodmnbil14hgvWirksame Selbstverpflichtung oder doch eher PR-Finte und Augenwischerei? In einem gemeinsamen offenen Brief an die Weltgesundheitsorganisation haben sich namhafte Konzerne wie Unilever, Coca-Cola, Nestlé und McDonald’s zu weiteren selbstauferlegten Restriktionen bei der Bewerbung ihrer Produkte bei Kindern unter zwölf Jahren bekannt. Für diese Zielgruppe wollen die Unterzeichner ab 2016 auch im Kino, im Hörfunk, im Direktmarketing sowie bei einigen anderen Werbeträgern und -aktivitäten nicht mehr für ungesunde Speisen und Getränke werben. Zudem soll eine weltweit einheitliche Nährwertkennzeichnung eingeführt werden.

Nach einem Grund für das Engagement muss man nicht lange suchen: Viele „Konzerne zittern vor Werberegulierungen„, kommentiert die „W&V„. Das Fachmagazin weist auch auf die aktuelle Plakatkampagne des Deutschen Kinderschutzbundes hin, bei der Fastfood-Produkte, die „aus einer McDonald’s-Filiale stammen könnten“, sinnbildlich für ungesunde Ernährung stehen.

Sau durchs Dorf

PolitischeKommunikation14hjgc„So viel Wahrheit war selten in der Politik„, hört man in Dietmar Riemers NDR-Glosse. Es geht um den in jedem Fall auffallenden Wahlslogan der Liberalen im Brandenburger Landtagswahlkampf: „Keine Sau braucht die FDP!„, heißt es da. Ohne Fragezeichen, ohne Kommentierung, stattdessen in riesigen Großbuchstaben samt Exklamationszeichen. Der „Spiegel“ nennt den wohl ironisch gemeinten Spruch schlicht eine „Verzweiflungsaktion„, während die „Bild“ von „gaga“ spricht. Auch ich bin einigermaßen fassungslos. Kein Wunder, dass hier einige Beobachter zunächst von Sabotage ausgingen, wie zum Beispiel das „Handelsblatt“ berichtet. Aussichten auf einen erfolgreichen Urnengang für die FDP sehe ich da kaum. Keine gute Wahl.