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Besiegelt gut für alle

Das weiß doch jeder: Ein Unternehmen soll Gewinne erzielen, die von den (Anteils-)Eignern privat vereinnahmt werden. Ganz anders aber ist dies nach der sogenannten Gemeinwohlökonomie, kurz GWÖ, ausführlich vorgestellt zum Beispiel in dem kostenlosen und grundsätzlich kritischen Buch „Selbst denken“ der Bundeszentrale für politische Bildung. In einer GWÖ definiere ein Unternehmen seinen Erfolg danach, ob es zum Wohlergehen Weiterlesen

Wäre doch gelacht

AngelachtFür den Arzt, Priester und Dichter Angelus Silesius war die Sache glasklar: „Dumme grinsen, Narren lachen, aber Weise lächeln.“ Nicht umsonst strahlen uns unzählige Gesichter auf Fotos oder in der Werbung unermüdlich lächelnd an. In den meisten Fällen ist daran wohl auch nichts auszusetzen, aber die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet von einer neuen internationalen Studie, nach der wir die Angelegenheit etwas differenzierter Weiterlesen

Facettenreicher Markenartikel

MarkenwertDie Überschrift gibt sich bildverliebt: „Continental fährt beim Markenwert einen heißen Reifen, die Deutsche Bank bremst“, wie es zum heutigen Beitrag des Fachmagazins „Horizont“ zur aktuellen Markenwertanalyse des Schweizer Unternehmens TheBrandTicker heißt. Dabei sind nicht nur die jüngsten Untersuchungsergebnisse interessant, sondern auch die Methodik, die man gut zum Beispiel anhand eines Beispielreports nachvollziehen Weiterlesen

PR als Ländersache

Good CountryGleich zwei spannende und nicht alltägliche Aspekte bringt ein Interview in der „Süddeutschen Zeitung“ mit dem unabhängigen britischen Politikberater und Autoren Simon Anholt zusammen: PR und Kommunikation für einen Staat im Sinne eines „Nation Brandings“ sowie Engagement für eine bessere Welt im Sinne des anholtschen „Good Country Index“. Dabei gebe es keineswegs „eine Marketingtechnik, mit der sich das Image eines Landes einfach ändern ließe“ – die Menschen würden entsprechende Kampagnen „instinktiv als Propaganda eines ausländischen Staates“ erkennen. Wolle ein Land auf Dauer erfolgreich sein, müsse es sich eben auch „besser benehmen“. Im Grunde sei es ganz einfach: „Jedes Mal, wenn Deutschland etwas Gutes für die Menschheit tut […,] zahlt es auf das Imagekonto ein.“

Zehn-Länder-Studie zur Markenskepsis

mkste15ujnDer „PR Report“ weist auf eine aktuelle Untersuchung der internationalen MSL Group zu den Einflussfaktoren für die Reputation eines Unternehmens oder einer Marke in zehn Staaten von Brasilien bis China hin. In allen untersuchten Märkten habe sich neben der Qualität der Produkte und Dienstleistungen das ethische Verhalten als wichtigster Erfolgsfaktor für einen guten Ruf erwiesen. Zudem käme es vor allem auf das „wahrgenommene Wachstumspotenzial“, die „Führung“ sowie eine „klar formulierte Zukunftsvision“ an. Eine grundsätzliche Skepsis sei dabei für Europa – neben Deutschland waren Schweden, Frankreich und das Vereinigte Königreich Teil der Studie – geradezu symptomatisch. Auf der globalen MSL-Website findet sich übrigens noch eine schöne Übersicht mit den wichtigsten Ergebnisse auf Englisch.

Alle wollen Lemmy

mtrhd14uiztfvkjDas diesjährige Motörhead-Konzert in München hat wieder großen Spaß gemacht. „Everything louder than everything else“ halt. Aber auch aus professioneller Sicht ist Lemmy Kilmisters Truppe ein Phänomen: Kaum irgendwo sonst trifft man so viele Menschen, die sich ganz offensichtlich so weit entfernt von ihren sonstigen Lebensstilen bewegen – als staunende, oft auch ein bisschen verängstigte Fremde auf unbekanntem Terrain. Längst ist das lautstarke Trio eine der großen Marken in der Musikwelt, wohl nur vergleichbar mit den Rolling Stones. Und anders als bei den Stones würde bei Motörhead wohl niemand das Gefühl haben, „Rockstars als Geschäftsleuten, die eine Marke zu verkaufen haben“, zu begegnen – „aufgebraucht die Illusion, dass Rockmusik etwas anderes sein könnte als ein Arrangement mit dem Ruhm und dem Reichtum“, wie es beim MDR heißt.

Lemmy wirkt immer noch unverfälscht und echt. Er selbst nennt sich nach jahrzehntelangem Drogenkonsum „toxisch„, und das würden viele auf seinen kompletten Lebenswandel beziehen. Er sammelt Nazi-Memorabilia, trägt meist eine Kette mit Eisernem Kreuz und hält gerne mal einen Plausch über Hitler und den Blitzkrieg. Dem gängigen Schönheitsideal entspricht er ohnehin nicht. Im Grunde ein Antiheld, und der Alptraum jedes Imageberaters. Trotzdem ziert Motörheads berühmtes verchromtes Wildschwein mit Pickelhaube – „das Kriegsschwein, top-aggressiv, kettenbehangen“ – Baby-Bodies, Hundehalsbänder oder Kochschürzen ebenso wie die T-Shirts erfolgreicher Werber. Auch meine „Sechziger“ wollen sich am legendären Heavy-Rock-Dreier ein Vorbild nehmen.

Das „böse Ö“ im Namen der Band mit der „besten Begrüßungsfloskel ever (‚We are Motörhead and we play Rock’n’Roll‘)“ ist genretypisch. Es gibt heute alles mögliche von und mit Motörhead: Wein, Skateboards oder auch Kopfhörer. Die Band taucht überall auf, wahllos, inflationär, und dennoch unverbraucht. Selbst jede Menge Intellektuelle tummen sich auf Motörhead-Konzerten – Lemmy hat eine Erklärung dafür: „Sie kommen nicht wegen der Musik, sie leihen sich einen Teil meiner Haltung. Runter in den Krach, den Schmutz, den Krieg, weil ihre Gedanken so hochtrabend sind.“ Könnte stimmen, Herr Kilmister!

Eine Mannschaft macht Marke

wmzgvl14jghvDeutschland feiert nach dem Gewinn des langersehnten vierten Weltmeistertitels im Fußball. Wenn man die Kommentare in den Medien dazu liest, hat unsere Nationalmannschaft Imagepflege für das ganze Land betrieben. So schreibt die „Süddeutsche Zeitung“ von den „herzlichen Konquistadoren aus Alemanha“, die sich als „perfekte Botschafter“ entpuppt hätten. In der „Horizont“ kommentiert Serviceplan-Chef Florian Haller, der Triumph in Brasilien sei nicht zuletzt auch „ein großer Abend für die Marke Deutschland“ gewesen. Klingt vielleicht ein paar Nummern zu groß, aber ganz falsch scheint es mir nicht zu sein. Im Chor mit vielen Werbungtreibenden sage ich Danke für den vierten Stern, Jungs! Und demnächst hole ich mir natürlich auch ganz wortwörtlich die Marke Deutschland.

Engelsgleicher Dialog

AACsm14ojhbvMitte Mai berichtete die „W&V“ über eine Mitgliederkampagne des krisengeschüttelten ADACs, bei der die als „Gelbe Engel“ berühmten Pannenhelfer nach dem Manipulationsskandal als wichtigste „Imagehelfer“ genutzt werden sollen. Zumindest im mobilen Dialog macht der riesige Automobilclub das schon ziemlich gut – wer bei einer Panne Hilfe bei der ADAC-Straßenwacht anfordert, wird per SMS (siehe Bildausschnitt links) informiert, wenn der Helfer unterwegs ist. „Der gelbe Engel ist im Anflug“ und „ca. 5 Minuten bis zur Landung“, heißt es da geradezu poetisch. Sprachlich sitzt das eins a (und über die Rechtschreibfehler wird der Fahrer in seiner Notlage gerne hinwegsehen). „Der Servicecharakter muss beim SMS-Marketing immer im Vordergrund stehen“, fordert die „Haufe“-Redaktion in ihren „Zehn Tipps für das Marketing per SMS“ – umso besser, wenn dieser Service dann auch noch gut klingt.

Rufzeichen beim DAX

igemer14uzgfc Ein guter Ruf stellt vermutlich für fast jeden Akteur in Unternehmenskommunikation und PR ein zentrales Ziel dar. Entsprechend gespannt werden Ergebnisse aus der Meinungsforschung erwartet. Auch das jüngste sogenannte Reputationsranking, über das der „PR Report“ berichtet, wird eifrig studiert werde. Es umfasst auch die 30 deutschen DAX-Konzerne und sieht Volkswagen mit 81,8 von 100 Punkten vor Lufthansa, BMW, Adidas sowie Siemens auf den Spitzenplätzen. Das größte Gewicht in Sachen Image beim Konsumenten hätten „Produkte und Dienstleistungen“, „Governance“ und die „Einschätzung des Konzerns als Arbeitgeber“ gehabt. Deutschlands Nummer drei, BMW, landete weltweit übrigens ebenfalls auf „Bronze“. Glückwunsch.

Tierischer Wortwechsel

shieot14iujhb Die CMA, Gutfried, McDonald’s Deutschland und Wiltmann Westfälische Fleischwarenfabrik mit der bis heute beispielhaften „Gläsernen Produktion“ – bis heute arbeitete ich in PR und Kommunikation für insgesamt vier Kunden, die Teil der Fleischindustrie oder zumindest eng mit ihr verknüpft sind bzw. waren. Eine eher unappetitliche Debatte zur Öffentlichkeitsarbeit der Fleischwirtschaft sowie zur Tierhaltung insgesamt findet sich unter der Überschrift „Fleisch for fun“ in der „taz„. Tenor: Die Fleischproduzenten und -verarbeiter würden sich kaum für die Behebung von Missständen engagieren, sondern viel eher für eine bessere Außendarstellung – Imagepflege vor Kurskorrektur. Für Laien verspricht der Beitrag einigen Erkenntnisgewinn, zum Beispiel wenn aus „Mästern“ per Empfehlung „Tierhalter“ werden – der Grund: „Als Tierhalter wirkt man deutlich sympathischer, denn bei diesem Begriff schwingt die Sorge um das Wohlergehen der Tiere mit.“ Anderes Etikett, andere Wirkung! Kein Ruhmesblatt meiner Branche. Dabei kann PR nach dem guten alten Motto „Good PR begins at home“ durchaus auch Verbesserungs- und Veränderungsprozesse anschieben oder begleiten. Das ist schon mehr nach meinem Geschmack.