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Raumgreifende Präsentationsschokolade

„Langweilige Powerpoint-Präsentationen sind eine globale Seuche“, hieß es Anfang letzten Jahres in der „Wirtschaftswoche“. Diesem Urteil hätten sich wohl schon im Vorfeld alle Teilnehmer am gestrigen Quartalstreffen der Regionalgruppe Bayern des Verbands der Redenschreiber deutscher Sprache (VRdS) in München ohne zu zögern angeschlossen. Das Thema des schon traditionellen Gastvortrags: „Präsentieren mit einer Rede oder reden Weiterlesen

Gemalt in den Wortschatz

deixEiner meiner Lieblingskarikaturisten ist tot: Manfred Deix. Laut „Spiegel“ wurde er vor allem mit „drastischen gemalten und gezeichneten Zeitkommentaren“ bekannt und gewährte in seinen Bildern „schonungs- und kompromisslos Einblicke in die Abgründe des modernen Lebens“. Seine „befremdlich realistischen“, stets unverkennbaren Werke waren verzerrt, für manche oft auch ekelerregend, im besten Sinne schräg, fies, aber nie Weiterlesen

Zeichen hoch hinaus

DasHochhaus_MSH16dfdDie „Zeit“ schreibt über „102 Etagen Leben“, hier verbinde die Zeichnerin Katharina Greve „die pointierte Unmittelbarkeit des Einbildwitzes auf erfrischende Weise mit dem Potenzial der längeren Bilderzählung“ und werde mit einiger Gewissheit „die Grenzen der Kunstform formal erweitern“. Das mag ein wenig gestelzt und überhoben klingen, dürfte dem „digitalen Comic-Bauprojekt“ mit einem Woche für Woche wachsenden „HOCHHAUS“ und den bislang klugen und sehenswerten Momentaufnahmen aus dem Leben der Hausbewohner in „fast technisch anmutendem Zeichenstil“ aber gerecht werden. Ich werde der ebenso kreativen wie anregenden, detailverliebten Baustelle eines „üppigen, collageartigen Hausromans“, wie es in der „Berliner Morgenpost“ heißt, bis zur geplanten Fertigstellung im September 2017 bestimmt noch einige Besuche abstatten.

In Bildern sprechen

sdtlgsr15wkwSo unterschiedlich kann exzellenter, innovativer Journalismus daherkommen: Seit zwei Tagen liegt mir die Erstausgabe der „SZ Langstrecke“ in der Magazinversion vor – handverlesene lange Lesestücke („Longreads“), nahezu ohne Bilder und Illustrationen. Die Texte aber können immer wieder fesseln und lassen im Kopf Bilder zuhauf entstehen. Im Grunde das komplette Gegenteil, aber ebenfalls in hervorragender Qualität: liebevoll aufbereitete, dabei aber stets journalistisch gehaltene Multimedia-Reportagen wie „Vertreibung auf Kredit“ zum „System Weltbank“ vom Internationalen Konsortium für Investigative Journalisten, kurz ICIJ, oder „Wir schlachten ein Schwein“ vom „ZEIT Magazin“. Ja was denn nun? Mit oder doch lieber ohne Bild? Kommt darauf an. Und am besten macht man sich selbst ein Bild.

Kunstvolle Bilderwelt

phsmehp15uzcEinen schön ausgiebigen Rundumbeitrag bringt die „Zeit“ zum 25-jährigen Photoshop-Jubiläum und den Einfluss des vielgenutzten Bildbearbeitungsprogramms auf die sogenannte Netzkultur. Der Bogen spannt sich von mehr oder minder hoher Kunst über „Schwindel und Täuschungen“ samt einer anhaltenden „Realitätsverweigerung“ bis zur Missgeschicke feiernden „Fail“-Kultur. Internet kann durchaus bilden, und bebildern erst recht.

Funkeln beim Ex

hygdbw14ghvcSich zu Weihnachten etwas Passendes für eine Marke oder ein Produkt einfallen zu lassen, ohne abgenudelt oder platt zu wirken, ist für Werber und PR-ler meist eine schwierige Angelegenheit. Meine früheren Kollegen von Heye haben das für ihren noch recht neuen Kunden BMW gut gelöst: Mit „Lautlos in die stille Nacht“ gibt es für den BMW i3 einen sehr ansprechend erzählten Weihnachtsfilm mit kunstvollen Zeichnungen des Briten Patrick Vale im Stile einer sogenannten Pencilmation, bei der man die Entstehung des Werks nacherleben kann. Das Bonbon obendrauf: Für das innovative Elektroauto wird mit leitfähiger Tinte gezeichnet, sodass es am Ende per Schaltkreis und LEDs schön festlich funkelt und leuchtet. Ein schöner Einfall in gelungener Umsetzung.

Augenblicklich notiert

sechnes14ikjbnSchön anzusehen, ebenso schnell erlernt wie nebenbei erstellt, und wirklich nützlich – ganz nach meinem Geschmack sind sogenannte Sketchnotes, skizzierte Notizen mit Text und kleinen Zeichnungen oder Symbolbildern. Auf die Schnelle lassen sich mit etwas Übung Gedankengänge visualisieren, Besprechungen und Brainstormings dokumentieren oder sogar Urlaubserinnerungen festhalten. Eine der europäischen Vorreiterinnen, Eva-Lotta Lamm, hat eine inspirierende Onlinegalerie mit beispielhaften Sketchnotes zusammengestellt. Einen im wahrsten Sinne schönen Einstieg in das Thema bieten die Themenseiten der internationalen „Sketchnote Army“ und des Hamburgers Ralf Appelt sowie der aufgezeichnete, knapp einstündige Workshop mit ihm auf der diesjährigen re:publica. Ran an den Stift!

Mitteilsames aus der Schweiz

tlnpmpp14gwolkij„Es (k)lebe die Nachbarschaft“, so eine der vielen positiven Stimmen auf Twitter. In der Tat ist die ganz und gar unkommerziell angelegte Initiative „Pumpipumpe“ (so etwas wie „Borge die Luftpumpe“) dreier Designer bzw. Illustratoren aus Bern lokal angelegt und nutzt Briefkästen als Kommunikationsplattform für die gute, alte Nachbarschaftshilfe. Per schön gestalteten Aufklebern mit Piktogrammen kann man seiner Umgebung leihweise Werkzeuge und Ausrüstungsgegenstände vom Mixer über ein Buch bis zur Bohrmaschine anbieten. Die Aufkleber kann man sich sogar quasi kostenlos auch nach Deutschland schicken lassen. „Share Economy, ganz analog“, meint der „Spiegel„. Die Resonanz ist international überwältigend, wie beispielsweise im schönen Bericht im österreichischen „Standard„.

Schön informativ

hablapktg14rtzxcEin kleines Fest bereitete jetzt das „Hamburger Abendblatt“ Freunden feiner Grafik: Die hanseatische Designagentur Mutabor gestaltete eine komplete Titelseite aus Piktogrammen, die den an gleicher Stelle jeweils vorgesehenen Text vereinfacht visuell darstellten. Da erkennt man ein Fahrrad als Brille, einen teuflischen Putin, ein herzliches Berlin und eine verregnete Hansestadt. Gute Piktogramme seien „so reduziert und so erzählerisch wie möglich“, so Heinrich Paravicini, einer der Mutabor-Gründer in einem erklärenden Beitrag des traditionsreichen Boulevardblatts zu diesem Stück „gedruckter Zeitungskunst“. Schön anzusehen ist es allemal.

Grafisch Gas geben

„Da sieht man, was man hat“, lautet einer der bekanntesten Werbesprüche der Republik. Tatsächlich wird ein Großteil aller Waren über mehr oder minder aufwändig erstellte Produktfotos beworben. Ein Unternehmen wie Linde, das unsichtbare und formlose sogenannte technische Gase anbietet, muss sich da etwas anderes einfallen lassen. Linde hat sich für verblüffend ästhetische Visualisierungen in Form computergenerierter Illustrationen entschieden, bei denen Gase in ihren physikalischen Eigenschaften dargestellt werden. Das in meinen Augen gelungene Ergebnis lässt sich auf einer eigenen Website unter www.fascinating-gases.com bewundern. Ein informativer Augenschmaus!