Schlagwort-Archive: Glaubwürdigkeit

Zwischen Gag und waghalsigem Stunt

PR-TrickDeutsche Anwälte haben Mark Zuckerberg wegen Volksverhetzung angezeigt, und Redakteure der „Meedia“ meinen, das Ganze rieche „doch sehr nach PR-Stunt“ – alles womöglich nur Fassade, nur so zum Schein eben. Im Austausch mit einer Kollegin brachte mich das auf die sehr grundsätzliche Frage: Welche Rolle spielt Täuschung in der professionellen Medien- und Öffentlichkeitsarbeit? Für viele ist der sogenannte PR-Gag oder PR-Trick ja Weiterlesen

Fehlpässe und amateurhaftes Stellungsspiel

bstgldfb15rddFlankiert von der „Bild“ wollte der Deutsche Fußball-Bund, immerhin der größte Sport-Fachverband der Welt, gestern per Pressekonferenz die Wogen nach den schweren Vorwürfen des „Spiegels“ rund um das sogenannte „Sommermärchen“ glätten – das ist jetzt eher nicht so ganz geglückt. Die „Süddeutsche“ schreibt von einer Geschichte, die „nach Straftaten und Organisierter Kriminalität klingt“. Die „Zeit“ wertet den „geplanten Befreiungsschlag“ Wolfgang Niersbachs als „Peinlichkeit“ und erlebt den DFB als „die Karikatur eines Sportverbands“. Am Ende stellten „sich mehr Fragen als vorher“. Geradezu ein Fest ist Niersbachs Auftritt auch in Sachen Körpersprache und Mimik. Der „Gesichterleser“ Dirk Eilert erläutert in einem Beitrag für „DRadio Wissen“ die „extrem vielen Signale von Stress, Sorge, Unsicherheit und auch Geringschätzung“ beim medienerfahrenen DFB-Präsidenten. Selbst Laien dürften wenig Schwierigkeiten haben, den Auftritt recht eindeutig als „Grottenkick“ einzustufen.

PR-Riese auf heißen Kohlen

dlmnkhl15ugdNeugeschäft zählt zu den Themenklassikern bei der Eigen-PR von Agenturen. Ganz anders diesmal bei Edelman, der mit rund 5.500 Mitarbeitern weltweit wohl größten unabhängigen PR-Agentur: Die US-Amerikaner trennen sich von sämtlichen Kunden aus der Kohleindustrie sowie der Ecke der Klimawandelleugner. Damit wolle Edelmann die drohende Erosion der eigenen Legitimität und Glaubwürdigkeit auf dem Meinungsmarkt vorbeugen, wie es in einem facettenreichen Hintergrundbeitrag im britischen „Guardian“ heißt. Grundsätzlich halte man Verschleierungstaktiken, die Verbreitung von Halbwahrheiten und Manipulationsversuche wie die berühmte Grünfärberei schlicht für „unangemessen“.

Für mich klingt das – nicht zuletzt nach nach einem Blick auf Edelmans Kundenliste – zwar noch ein wenig halbherzig, aber lautere Absichten will ich gar nicht in Abrede stellen. Der „PR Report“ hält aber ganz andere Gründe für die Trennung von zum Teil langjährigen und budgetstarken Mandanten für möglich: mangelnde Attraktivität für Mitarbeiter und vor allem Abfuhren bei der Vergabe von Teiletats von Top-Marken wie Nike oder Unilever. So geht es wohl auch hier vor allem um eins: „Kohle“.

Alle Welt will Wiki

wkiia14hfcDie Internetenzyklopedie Wikipedia ist eine der bekanntesten und wegen ihrer hohen Akzeptanz vor allem auch relevantesten Onlineadressen. Kein Wunder, dass so gut wie jedes Unternehmen und jede Organisation dort präsent sein möchte, und am besten ohne kritische Stimmen und mit all seinen Kernbotschaften. Doch da machen es sich auch manche Kommunikationsprofis zu leicht. Einen ganz guten und differenzierten Überblick über die Thematik bietet „PR-Doktor“ Kerstin Hoffmann auf ihrem Fachblog. Dabei macht sie auch erneut klar, dass es sich bei dem riesigen Internetlexikon eben gerade nicht um ein „PR-Portal“ handelt und „warum die Sache mit dem Wikipedia-Eintrag nicht immer ganz so einfach ist“. Lesenswert.

Wikipedias „Ja-aber“

wkeda14ugv Schon wieder geht es um ein Online-Thema: Das nicht-kommerzielle Internetlexikon Wikipedia, das bei den meisten Menschen längst die Glaubwürdigkeit einer früheren Brockhaus-Edition genießt, hat seine Nutzungsvorgaben geändert und fordert, dass sich bezahlte Autoren auch als solche zu erkennen geben. Alternativ war auch ein genereller Ausschluss von „Mietschreibern“ diskutiert worden. „Wer gegen Geld Beiträge erstellt oder bearbeitet, muss dies öffentlich machen. Das gilt nicht für Mitarbeiter von Stiftungen, Museen, Archiven und Bibliotheken, die in ihrer Funktion Artikel über ihr Fachgebiet editieren“, erläutert die „Neue Zürcher Zeitung“ Wikipedias „Kampf gegen Sockenpuppen„. Bereits vor einigen Tagen veröffentlichte Wikipedia „eine Vereinbarung mit mehreren großen PR-Firmen, die versprachen, sich an die Nutzungsbedingungen zu halten“, wie auch die „Süddeutsche Zeitung“ berichtete. Transparenz als zentrale Voraussetzung für Vertrauen – ein guter Schritt.