Schlagwort-Archive: Gestaltung

Worte im Auge des Betrachters

Materieoszillatoren, das zehsche Konzept der Dekohärenz, Schrödingers Katze oder die Unschärferelation – kaum vorstellbar, dass ich mich auch bei einem herkömmlichen Sachbuch ein paar Stunden lang mit diesen und anderen Aspekten der Quantenphysik beschäftigt hätte. Dank dem neu erschienenen ComicDas Geheimnis der Quantenwelt“ tat ich dies sehr konzentriert und auch noch mit dem größten Vergnügen. Ein Comic Weiterlesen

Gebildete Botschaft mal vier

grafische geschichtenAuch im Beruf sind Gestaltung und Grafik Steckenpferde von mir. In den vergangenen Monaten haben mich vier ganz verschiedene Ausprägungen visueller Kommunikation besonders beschäftigt. Gerade in ihrer Unterschiedlichkeit den vielen Gemeinsamkeiten zum Trotz faszinieren sie mich. Im September besuchte ich auf Sardinien das frühere „Banditennest“ Orgosolo mit seinen unvergleichlichen, meist politischen oder Weiterlesen

Zeichen hoch hinaus

DasHochhaus_MSH16dfdDie „Zeit“ schreibt über „102 Etagen Leben“, hier verbinde die Zeichnerin Katharina Greve „die pointierte Unmittelbarkeit des Einbildwitzes auf erfrischende Weise mit dem Potenzial der längeren Bilderzählung“ und werde mit einiger Gewissheit „die Grenzen der Kunstform formal erweitern“. Das mag ein wenig gestelzt und überhoben klingen, dürfte dem „digitalen Comic-Bauprojekt“ mit einem Woche für Woche wachsenden „HOCHHAUS“ und den bislang klugen und sehenswerten Momentaufnahmen aus dem Leben der Hausbewohner in „fast technisch anmutendem Zeichenstil“ aber gerecht werden. Ich werde der ebenso kreativen wie anregenden, detailverliebten Baustelle eines „üppigen, collageartigen Hausromans“, wie es in der „Berliner Morgenpost“ heißt, bis zur geplanten Fertigstellung im September 2017 bestimmt noch einige Besuche abstatten.

Besser unter Druck

drkmdntt15tgbDeutschlands Zeitschriften kämpfen um die Gunst der Mediennutzer. Das Fachblatt „Horizont“ diskutiert heute dreizehn renommierte Druckmedien, die eine mehr oder minder umfassende Runderneuerung durchlaufen haben, um ihre Chancen im Wettbewerb um Aufmerksamkeit kräftig zu erhöhen. Der „Spiegel“ ist zwar Gesamtsieger, aber dem Wirtschaftsmagazin „Capital“ bescheinigen Experten die „höchste Innovationskraft“.  Dem Medium sei es „auf beeindruckende Weise gelungen, sich aufgrund der digitalen Konkurrenz thematisch vollkommen neu positionieren“. Indirekt gibt der gehaltvolle Beitrag viele gute Hinweise, worauf es für Blattmacher heute ankommt.

Schön flach und einfarbig

lgsfrb15uhlDie „W&V“ berichtet über eine Untersuchung der Logos der laut „Forbes“ weltweit 25 „meistbewunderten“ Unternehmen. Bei insgesamt 1.000 Teilnehmern kamen die Logos von Amazon, Apple und Starbucks am besten an, gefolgt von BMW. Die Münchner Autobauer nehmen bei Männern sogar Platz zwei ein. Als Farbe dominiert eindeutig Blau. Generell sind Einfarbigkeit, runde Formen und – auch wegen des Siegeszugs mobiler Endgeräte – flache, nicht-räumliche Entwürfe Trumpf. Auch wenn die Befragung selten ins Detail geht und wenig umfangreich ist, bekommen Designer und Markengestalter hier sehr griffige und wesentliche Entscheidungshilfen an die Hand. Der weltberühmte Designer Milton Glaser, von dem das legendäre „I LOVE NY“-Zeichen stammt, empfiehlt dabei einen durchaus radikalen Kurs: „Auf Design gibt es drei mögliche Antworten: Ja, Nein und Wow. Das Wow ist es, was man anpeilen muss.“

In Bildern sprechen

sdtlgsr15wkwSo unterschiedlich kann exzellenter, innovativer Journalismus daherkommen: Seit zwei Tagen liegt mir die Erstausgabe der „SZ Langstrecke“ in der Magazinversion vor – handverlesene lange Lesestücke („Longreads“), nahezu ohne Bilder und Illustrationen. Die Texte aber können immer wieder fesseln und lassen im Kopf Bilder zuhauf entstehen. Im Grunde das komplette Gegenteil, aber ebenfalls in hervorragender Qualität: liebevoll aufbereitete, dabei aber stets journalistisch gehaltene Multimedia-Reportagen wie „Vertreibung auf Kredit“ zum „System Weltbank“ vom Internationalen Konsortium für Investigative Journalisten, kurz ICIJ, oder „Wir schlachten ein Schwein“ vom „ZEIT Magazin“. Ja was denn nun? Mit oder doch lieber ohne Bild? Kommt darauf an. Und am besten macht man sich selbst ein Bild.

Frei in Farbe

fedmkrelo15zuhtcvNormalerweise wird Corporate Design bestenfalls in Fachkreisen erörtert. Mit dem neuen, beim traditionellen Dreikönigstreffen enthüllten Logo der FDP ist das anders: Rein mengenmäßig fällt die Resonanz hervorragend aus. „Nahezu alle Medien berichten breit über das neue Logo“, so ein Kommentar des „Krautreporters„. Mit dem neuen Auftritt, so „Horizont„, wolle FDP-Chef Lindner die Partei „aus der seit Jahren anhaltenden Krise führen“. Mission erfüllt? Man wird sehen. Qualitativ ist das Echo eher negativ. „Das sieht aus wie 99 Cent“, meint der Gestalter und Typograf Erik Spiekermann im „Deutschlandradio Kultur„. Die „Zeit“ erkennt neben „neuer Farbe“ und „neuem Sound“ immerhin einigen „Tatendrang“, aber weiß auch: „Erfolg versprechen nur die alten, die kalten Themen“. Und da sehe es nicht so gut aus für die Liberalen. Ein neuer Anstrich jedenfalls wird da nicht genügen. Schaun wir mal.

Schön informativ

hablapktg14rtzxcEin kleines Fest bereitete jetzt das „Hamburger Abendblatt“ Freunden feiner Grafik: Die hanseatische Designagentur Mutabor gestaltete eine komplete Titelseite aus Piktogrammen, die den an gleicher Stelle jeweils vorgesehenen Text vereinfacht visuell darstellten. Da erkennt man ein Fahrrad als Brille, einen teuflischen Putin, ein herzliches Berlin und eine verregnete Hansestadt. Gute Piktogramme seien „so reduziert und so erzählerisch wie möglich“, so Heinrich Paravicini, einer der Mutabor-Gründer in einem erklärenden Beitrag des traditionsreichen Boulevardblatts zu diesem Stück „gedruckter Zeitungskunst“. Schön anzusehen ist es allemal.

Auf den Punkt genial

stshidgn14uzhvf„Als hätte jemand einen Wodka-Mix getrunken und ins Stadion gekotzt„, zitiert die „Horizont“ die vernichtende Kritik des britischen „Guardians“ an den Olympia-Anzügen der deutschen Mannschaft in Sotschi und bringt einen ebenfalls wenig schmeichelhaften Kommentar des ADC-Präsidiumssprechers Stephan Vogel. Der wiederum erinnert an den legendären Designer Otl Aicher, der mit so herausragenden Arbeiten wie den genial reduzierten Sportarten-Piktogrammen zum großen Erfolg der Olympischen Spiele in München 1972 beigetragen hatte und ehrfürchtig „Vater des geometrisierten Menschen“ genannt wird. „Otl Aicher war […] in der Lage, selbst den Impuls des Kleingeistigen und Provinziellen in ein akzeptables ästhetisches Format zu bringen“, schreibt Vogel. Und Kleingeistiges und Provinzielles gibt es leider auch rund um Sotschi zuhauf.