Schlagwort-Archive: Fernsehen

Inspiration in Serie

Normalerweise kann ich der ProSieben-Show „Circus HalliGalli“ mit Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf nicht allzu viel abgewinnen, aber zum Start der Abschiedsstaffel „erfinden sie eine Arztserie, die zum Lustigsten gehört, was die Show je hervorgebracht hat“, wie es im Online-Lifestyle- und Jugendmagazin „Vice“ heißt. Der „Spiegel“ schwärmt von „federleichtem Spiel mit Genrekonventionen Weiterlesen

Die Sprache des Neuen mit Bart

Wieder geht es mir an dieser Stelle um Rhetorik und Politische Kommunikation. Zusammen mit 4,68 Millionen anderen Zuschauern sahen wir gestern den neuen, überraschend auf den Schild gehobenen Hoffnungsträger der im Umfragedauertief dümpelnden SPD bei „Anne Will“ im „Ersten“. Kanzlerkandidat Martin Schulz sorgt für Aufbruchsstimmung und „beschert der SPD einen kräftigen Schub“, wie der „SpiegelWeiterlesen

Plagiatsaffäre auf Politparkett

Galileo Trumps RedeplagiatPeinliche Panne statt des erhofften großen Auftritts für Donald Trumps Ehefrau auf dem Nominierungsparteitag der Republikaner in Cleveland: Ganze Passagen wurden dilettantisch abgekupfert und stammen auch noch aus einer Rede der heutigen First Lady, Michelle Obama, aus dem Jahr 2008. In einem aktuellen Beitrag dazu brachte das TV-Wissensmagazin „Galileo“ dazu gestern Abend auf Pro Sieben auch eine kurze Bewertung von mir Weiterlesen

Komplett fraglich

grillmeister15edscDie „Frankfurter Allgemeine“ schreibt von „Verhör beim Rottweiler“, der „Guardian“ von „intensivem Grillen“ und der „Spiegel“ gar von  „Heiliger Journalistischer Inquisition“ – für bundesrepublikanische Verhältnisse ungewohnt heftig ging es beim indirekten Fernsehduell zwischen Premier David Cameron und seinem Herausforderer Ed Miliband bei Moderator Jeremy Paxman zu, dem „gnadenlosesten Fragensteller im britischen Fernsehen“. Der „Krautreporter“ hat das Ganze übersetzt und auf Deutsch veröffentlicht – allerdings nur die Fragen, die seien schließlich eindeutig das Beste an den Interviews. Es macht Spaß, sich die jeweiligen Antworten auszumalen, und man hat ein exzellentes Beispiel für unerbittliches Nachhaken und gekonntes In-die-Ecke-Treiben. Ein scharfes „Nein, ist er nicht. Sie haben versagt.“ wie bei „Paxo“ ist in der hiesigen Fernsehwelt fast unvorstellbar. Tja, ab auf die Insel!

Präpariert für die Dunkelheit

tsntadsh15wluAm kommenden Freitag erwartet Europa mit der Sonnenfinsternis ein ebenso seltenes wie spektakuläres astronomisches Ereignis. In Deutschland wird man zumindest eine partielle Eklipse bestaunen können. Für meinen bedeutendsten Kunden, TSCNET Services, ein Gemeinschaftsunternehmen der Stromübertragungsnetzbetreiber (ÜNBs) aus zehn europäischen Ländern, ist der 20. März doppelt spannend: Die Verdunkelung der Sonne – in Deutschland etwa von halb zehn bis zwölf Uhr – bedeutet die wohl größte Herausforderung für unser Stromnetz aller Zeiten. Je nach Bewölkungsgrad werden die ÜNBs einen vergleichsweise plötzlichen Einbruch und später vor allem einen rasanten Wiederanstieg der Solarstromproduktion ausgleichen müssen, um das weltweit größte Verbundnetz stabil zu halten. Einen schönen Beitrag zu dem Ereignis sowie den von den ÜNBs und TSCNET getroffenen Vorkehrungen hat die „Abendschau“ des Bayerischen Rundfunks gebracht. Fazit: Unsere Stromspezialisten sind bestens vorbereitet, aber so oder so ist das „Naturschauspiel“ auch ein „Testlauf für die Versorgungssicherheit“, wie es die „Süddeutsche Zeitung“ formuliert. Bei meinem Kunden und seinen Partnern weiß man ein Lied davon zu singen.

Raketen- oder Fehlstart?

ldrkenso15hgvDiscounter Lidl macht auf Qualität. Zumindest in der neuen Werbekampagne. Die „W&V“ spricht von einem „Paukenschlag im Apple-Look“ und sieht doch glatt nicht „nur gefällige Illustration, sondern eine zusätzliche Erzählebene zur intendierten Botschaft“. Komplett anders fallen da die Expertenurteile in der „Horizont“ aus. Austauschbarkeit und fehlende Authentizität sind noch die harmloseren Verdikte, andere sehen „Vignetten-Sülze“ in „gecasteter Adland-Realität“ sowie „schwülstige pseudo-philosophische Texte“ mit „nullkommanull Folgerichtigkeit“ oder gar „auf verhängnisvolle Weise abgeschaltete Gehirne der Verantwortlichen“. Hart, aber das scheint mir eher die, freilich alles andere als intendierte, Botschaft der Lidl-Werbung zu sein. Ich bin schon gespannt auf die begleitende PR aus dem Hause FischerAppelt – denn noch sind deren laut Eigen-PR prägender „Spaß an guten Geschichten und der Glaube an relevante Inhalte“ nicht zu erkennen.

Ganz schnell jeck

tlomso15trxIch geb’s ja zu: In Sachen Fasching respektive Karneval dürften die Kölner uns Bayern voraus sein. Mit dem neuen Telekom-Spot „Familie Heins bei der Weiberfastnacht“ glänzt das Rheinland jetzt aber auch in der Fernsehwerbung mit Höchstgeschwindigkeit. Laut „Horizont„-Bericht wurde der unterhaltsame Kurzfilm rund um den leicht schrägen „Onkel Push“ zum Spot erst gestern vormittag direkt im Kölner Karnevalstrubel aufgenommen, in Windeseile geschnitten und bereits abends um 19 Uhr zum ersten Mal gesendet. Schneller wäre dann schon fast live. Längst in Vorbereitung? „Stay Erdnussbutter“, würde der von DDB eingeführte Multichannel-Onkel der Telekom vielleicht antworten.

Nackter Etikettenschwindel

azent14kljhbvDass vor allem die Privaten im deutschen Fernsehen gerne auf nackte Haut setzen, kennt man ja. Selten aber wurde Voyeurismus in der „Post-Tutti-Frutti-Ära“ so unverhohlen bedient wie bei der geplanten RTL-Sendung „Adam sucht Eva – gestrandet im Paradies“, die auf der naturgemäß vieldiskutierten Reihe „Adam zkt Eva“ des niederländischen Tochtersenders RTL 5 basiert. Weil RTL mit der Casting-Soap „Wild Girls – Auf High Heels durch Afrika“ im vergangenen Jahr „ein Quotendesaster erlebte“ und „andere Trash-Formate ebenfalls baden gingen“, so der „Spiegel„, drehe der Privatsender nun „in seiner Verzweiflung noch einmal an der Skandalschraube“. Dabei werden zwei unbekleidete Singles auf einer Insel ausgesetzt und können sich dort, na, sagen wir mal: paaren. Auch Jan Frederik Langshausen, der als „Bild“-Praktikant ebenfalls schon einmal für „Plakativ Beschämendes“ herhalten musste, schreibt über das „Nackt-Format“ und lässt uns wissen, dass der Sender bei „sensibler und zurückhaltender Kameraführung besonders vorsichtig mit der Nacktheit umgehe“. RTL betone, dass es “nicht um die voyeuristische Darstellung von Nacktheit” gehe, sondern “um eine Art soziales Experiment”. Ganz bestimmt!

Demontierter Dialog

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„Das rechte Gespräch: keiner ringt nach Geltung, aber jeder kommt zur Geltung!“, meinte Hugo von Hofmannsthal. Wie man eine Gespräch geradzu systematisch torpedieren kann und was passiert, wenn man am anderen und seiner Sichtweise im Grunde gar nicht interessiert ist, zeigt ein scharfer Kommentar des renommierten Medienexperten Stefan Niggemeier zur Sendung „Markus Lanz“ vom 16. Januar mit Sarah Wagenknecht. Niggemeier kommt zu dem Schluss, dass Lanz Wagenknecht eingeladen habe, „um sie nicht zu Wort kommen zu lassen“. Sein Fazit: Lanz sei „ein Mann, der dann wütend wird, wenn sich jemand nicht zu ihm in den Sandkasten knien will, um auf seinem Niveau zu diskutieren“. Nach Niggemeiers Ausführungen kann man nur schwer widersprechen.

Nachtrag vom 23.1.: Inzwischen hat die „Zeit“ ein interessantes Interview des „Tagesspiegels“ mit dem Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen über „ein derart schlecht geschauspielertes Politik-Interesse, einen so fröhlich-kenntnisfreien Fragestil und eine so offensichtliche Gier nach Aufmerksamkeit“ publiziert. Lanz bleibt im Gespräch.

Kunst blüht in der Nische

elexkutidSchon aus professionellen Gründen nutze ich eine Fülle an Medien und Mediengattungen. Einen Kanal befahre ich dabei ganz selten: Teletext, diese in vielerlei Hinsicht bemerkenswerte „Kommunikationsform zur Verbreitung von Nachrichten, Texten und bildhaften Darstellungen in der Austastlücke des Fernsehsignals“. Die „W&V“ berichtet nun von einem internationalen Wettbewerb zu Teletext-Kunst. Die in einem technischen Korsett mit nur acht Farben – Weiß und Schwarz mitgezählt – erstellten Pixelwerke wie die der Preisträgerin stellen ungewohnte Augenkost dar und dürften bei einigen Betrachtern Kopfschütteln auslösen. Aber das ist in der Kunst ja häufig ein Gütezeichen.