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Psychogramm des Fehlerteufels

Jeder macht Fehler. Voll und ganz unterstütze ich den Ruf nach der sogenannten Fehlerkultur. Andererseits mag ich Fehler nicht – das Streben nach Fehlerfreiheit gehört für mich dazu. Eigentlich immer. Gerade in Sachen Rechtschreibung fällt es mir schwer, fünfe gerade sein zu lassen. Nicht umsonst nannten mich Kollegen schon in den 90er Jahren „Dr. Duden“. Aktuelles Beispiel gefällig? Kürzlich stieß ich in einem ansonsten sehr guten Artikel in meiner Weiterlesen

Standardisiert besser

shthnswr16tds„Shit happens“ stand da treffenderweise zu lesen – nur kopfüber. Dass sämtliche Werbebildschirme im Untergeschoss des Münchner Hauptbahnhofs vor einigen Tagen ein um 180 Grad gedrehtes Bild zeigten, kann passieren, und ist vor allem in keinster Weise den Werbungtreibenden anzukreiden. Aber die Menge an Fehlern und Schludrigkeiten in PR und Werbung erstaunt mich immer wieder (regelmäßige Leser meines Blogs wissen das vermutlich längst). So habe ich auf einem einzigen Standbild eines Fernsehspots einer bekannten Urlaubsbuchungsplattform insgesamt allein 13 Schreibfehler gefunden. Kein Mensch ist gegen Fehler gefeit, aber zu Professionalität gehören eben unbedingt auch Qualitätskontrolle und Fehlervermeidung. Gestern erzählte ich einem Kunden von meinen Erfahrungen mit der Zertifizierung nach ISO 9001, bei der es in erster Linie um das betriebliche Qualitätsmanagementsystems (QMS), einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess und konsequente Kundenorientierung geht. Die Quintessenz meiner Ausführungen: ein aufwändiger, aber enorm lehrreicher und lohnender Prozess für das gesamte Unternehmen. Um mit Kaizen-Guru Masaaki Imai zu sprechen: „Wo es keine Standards gibt, kann es keine Verbesserung geben.“

Sprachgrauen Nummer eins

RechtschreibungRechtschreibfehler passieren, und weil Werbungtreibende, Agenturen und Verlage oft am Korrektorat sparen, ist auch die professionelle Werbe-, PR- und Medienwelt erstaunlich fehleranfällig. Daran habe ich mich fast schon gewöhnt. Nach wie vor das kalte Grausen aber überkommt mich, wenn ich – so wie vor ein paar Tagen wieder im Fernsehen – Sprachverbrechen wie „Nummer-eins-Erkältungssaft“ für Deutschlands meistgekauften Erkältungssaft begegne (geschrieben würden bei diesem widersinnigen Anglizismus bestimmt auch die Bindestriche zur Durchkoppelung fehlen), bei denen der deutsche Satzbau komplett ausgehebelt wird. Ich ahne, was das Argument der Urheber wäre: „Klingt irgendwie besser.“ Erstens: nein, gar nicht. Zweitens: bedeutet vor allem etwas anderes. Da diese Menschen aber vermutlich auch keinen Unterschied zwischen „Ritter Rost“, „Ritter-Rost“ und „Rost-Ritter“ machen würden, habe ich wenig Hoffnung auf Besserung. Sprache, ruhe in Frieden. Amen.

Prozentual marginalisiert

prent14hgcEhrlich währt am längsten, heißt es. So ist es löblich, wenn ein renommierter Getränkeproduzent bei seiner neuen Fruchtschorle deutlich macht, wie gering der Fruchtsaftanteil letztlich ist. Wenn dann aber auch noch Schludrigkeit oder Unwissenheit hinzukommt, wird aus dem gutgemeinten Verbraucherhinweis mathematischer Murks. So schreibt jener Hersteller auf der Flasche, die neue Maracuja-Lemon-Mischung enthalte „10 % Frucht, davon 3 % Maracuja“ – das entspräche allerdings einem Maracuja-Anteil von lediglich 0,3 % (3 Prozent von 10 %), de facto sind es aber dann doch 3 % des Ganzen. Mich erinnern derartige Fehler an die reichlich peinlichen Verwechslungen langjähriger Walhbeobachter, die Prozent und Prozentpunkt schlicht nicht zu unterscheiden wissen. Oder an Werber, die bei „60 Prozent gesenkt“ vergessen, ein „um“ voranzustellen. Fehlerfreie Kommunikation gibt es nicht, aber etwas weniger Mängel „ab Werk“ könnten wir Profis schon abliefern.

Professionell falsch

shrbfler14zucfIrren ist menschlich, und jeder macht mal Fehler. Die Häufigkeit aber, in der einem selbst bei Anzeigen oder in Drucksachen Grammatik- und Rechtschreibfehler begegnen, ist wirklich erstaunlich. Das gilt für die Speisekarte beim Italiener um die Ecke, noch viel mehr aber für kostspielige Anzeigen oder Werbespots finanzstarker Konzerne. Vor ein paar Tagen zum Beispiel ist mir am Münchner Flughafen die haushohe Werbeinstallation einer weltbekannten Automarke aufgefallen – mit fehlerhaftem Slogan. Ein mit Sicherheit fünfstelliges Budget, aber dann kein „Fuffi“ übrig für ein vernünftiges Korrektorat. Das ist mir unbegreiflich. Das Internet macht sich über Tättowierungen mit widersinnigen chinesischen Schriftzeichen oder einem unfreiwillig komischen „Never loose hope“ mit überzähligem O lustig – die Schreibpannen der vermeintlichen Profis wiegen für mich noch schwerer.

Nur gut, dass die Orthografiefehler den meisten Menschen im Zielpublikum gar nicht auffallen. Mein persönlicher Klassiker etwa – der Spruch „Geht nicht, gibt’s nicht“ einer inzwischen insolventen Baumarktkette – wurde vom Publikum in der Regel automatisch wunschgemäß aufgenommen („‚Geht nicht‘ gibt’s nicht“). Eigentlich müsste ich ohnehin dankbar sein: Ich darf mich „gut“ fühlen und mich an der ungewollten Komik erfreuen. Insofern sind Fehler tatsächlich „das Tor zu neuen Entdeckungen“, wie es James Joyce formulierte.

Wissentlich interaktiv

gotainär14ufrAuch aus meiner Arbeit für europäische Übertragungsnetzbetreiber seit Mitte letzten Jahres kenne ich das nur zu gut: die enormen Verständnisschwierigkeiten der meisten Menschen, wenn es um naturwissenschaftliche Themen und Phänomene geht. Markus Pössel hat in einem Blogbeitrag für „Spektrum der Wissenschaft“ einen Beitrag in der „FAZ“ zur Arbeit des Aktivisten Trevor Paglen heftig für grobe inhaltliche Schnitzer gerügt: „Hätte die FAZ […] eine bitterböse Satire zum Thema Hochkultur vs. naturwissenschaftliche Bildung schreiben wollen, der Artikel wäre nicht viel anders ausgefallen“, meint Pössel. Beispielhaft weist er auf einige durchaus erstaunliche Wissenslücken hin – „schwer zu entscheiden, ob man da lachen oder weinen soll“, so der promovierte Physiker.

Zum Glück leben wir in einem interaktiven Zeitalter: Die scharfe Kritik war inzwischen auch beim Verfasser des bemängelten Artikels angekommen, der die Fehler auch einräumte und umgehend korrigierte. Journalismus 2.0 im besten Sinne – zumindest das ist doch schon einmal alles andere als zum Heulen.