Schlagwort-Archive: Ethik

Schüsse ins Herz

Terrorfolgen2016aAlles, was Menschen dauerhaft beschäftigt und stark emotionalisiert, findet Eingang in Werbung und Kommunikation. Mit dem Terror oder einem „sozialmedial inszenierten“ Amoklauf wie am Freitag in München ist das nicht anders. Nach Nizza, Würzburg, München und gestern Ansbach bestimmt die auf unsere Köpfe und Herzen zielende Gewalt, so unterschiedlich auch immer sie im Detail zu charakterisieren und zu bewerten ist, auch Weiterlesen

Zwischen Gag und waghalsigem Stunt

PR-TrickDeutsche Anwälte haben Mark Zuckerberg wegen Volksverhetzung angezeigt, und Redakteure der „Meedia“ meinen, das Ganze rieche „doch sehr nach PR-Stunt“ – alles womöglich nur Fassade, nur so zum Schein eben. Im Austausch mit einer Kollegin brachte mich das auf die sehr grundsätzliche Frage: Welche Rolle spielt Täuschung in der professionellen Medien- und Öffentlichkeitsarbeit? Für viele ist der sogenannte PR-Gag oder PR-Trick ja Weiterlesen

PR als Ländersache

Good CountryGleich zwei spannende und nicht alltägliche Aspekte bringt ein Interview in der „Süddeutschen Zeitung“ mit dem unabhängigen britischen Politikberater und Autoren Simon Anholt zusammen: PR und Kommunikation für einen Staat im Sinne eines „Nation Brandings“ sowie Engagement für eine bessere Welt im Sinne des anholtschen „Good Country Index“. Dabei gebe es keineswegs „eine Marketingtechnik, mit der sich das Image eines Landes einfach ändern ließe“ – die Menschen würden entsprechende Kampagnen „instinktiv als Propaganda eines ausländischen Staates“ erkennen. Wolle ein Land auf Dauer erfolgreich sein, müsse es sich eben auch „besser benehmen“. Im Grunde sei es ganz einfach: „Jedes Mal, wenn Deutschland etwas Gutes für die Menschheit tut […,] zahlt es auf das Imagekonto ein.“

Tierischer Wortwechsel

shieot14iujhb Die CMA, Gutfried, McDonald’s Deutschland und Wiltmann Westfälische Fleischwarenfabrik mit der bis heute beispielhaften „Gläsernen Produktion“ – bis heute arbeitete ich in PR und Kommunikation für insgesamt vier Kunden, die Teil der Fleischindustrie oder zumindest eng mit ihr verknüpft sind bzw. waren. Eine eher unappetitliche Debatte zur Öffentlichkeitsarbeit der Fleischwirtschaft sowie zur Tierhaltung insgesamt findet sich unter der Überschrift „Fleisch for fun“ in der „taz„. Tenor: Die Fleischproduzenten und -verarbeiter würden sich kaum für die Behebung von Missständen engagieren, sondern viel eher für eine bessere Außendarstellung – Imagepflege vor Kurskorrektur. Für Laien verspricht der Beitrag einigen Erkenntnisgewinn, zum Beispiel wenn aus „Mästern“ per Empfehlung „Tierhalter“ werden – der Grund: „Als Tierhalter wirkt man deutlich sympathischer, denn bei diesem Begriff schwingt die Sorge um das Wohlergehen der Tiere mit.“ Anderes Etikett, andere Wirkung! Kein Ruhmesblatt meiner Branche. Dabei kann PR nach dem guten alten Motto „Good PR begins at home“ durchaus auch Verbesserungs- und Veränderungsprozesse anschieben oder begleiten. Das ist schon mehr nach meinem Geschmack.

Anregung von gestern

Der Blogger Jens Männig hat ein interessantes Dokument zu journalistischer Ethik ausgegraben: die Prinzipien der 1917 in München aufgelegten Zeitschrift „Der Ziegelbrenner“. Viele Grundsätze würde man gerne heutigen Journalisten ans Herz legen. So lehnte das Blatt Freiexemplare oder Gratiskarten kategorisch ab, um sich ein unabhängiges Urteil zu bewahren. Ungewöhnlich war auch die Haltung zur Periodik: „Ein bestimmter Erscheinungs-Tag wird weder diesmal noch überhaupt jemals vorher festgesetzt.“ Eine neue Ausgabe erscheine immer dann, wenn es „notwendig sein sollte“ und „der verwendbare Stoff zur Verfügung steht“, um „das Gute und das Wahre und das, was der Menschheit dienen soll“, zu veröffentlichen.

An Aktualität verloren hat dieser hehre Anspruch kaum. Für mein Metier, die Öffentlichkeitsarbeit, sehen da allerdings ohnehin einige schwarz. „Hat der Journalist erst einmal den Idealismus und die Wahrheitsliebe verloren, bieten sich ihm tolle Karrieren in den Public-Relations“, bemerkte einmal spitz der Schweizer Politologe und Publizist Gerhard Kocher. Gerne erinnere ich da an die „Sieben Selbstverpflichtungen„, die Anfang der Neunziger von der Ethik-Kommission der Deutschen Public-Relations-Gesellschaft erarbeitet wurden und meines Erachtens nach wie vor ein brauchbares ethisches Fundament abgeben.