Schlagwort-Archive: Engagement

PR als Ländersache

Good CountryGleich zwei spannende und nicht alltägliche Aspekte bringt ein Interview in der „Süddeutschen Zeitung“ mit dem unabhängigen britischen Politikberater und Autoren Simon Anholt zusammen: PR und Kommunikation für einen Staat im Sinne eines „Nation Brandings“ sowie Engagement für eine bessere Welt im Sinne des anholtschen „Good Country Index“. Dabei gebe es keineswegs „eine Marketingtechnik, mit der sich das Image eines Landes einfach ändern ließe“ – die Menschen würden entsprechende Kampagnen „instinktiv als Propaganda eines ausländischen Staates“ erkennen. Wolle ein Land auf Dauer erfolgreich sein, müsse es sich eben auch „besser benehmen“. Im Grunde sei es ganz einfach: „Jedes Mal, wenn Deutschland etwas Gutes für die Menschheit tut […,] zahlt es auf das Imagekonto ein.“

Gewollte Stammtischreden

vrstmthmc15ewkSchon länger bin ich ein aktives MItglied des Verbands der Redenschreiber deutscher Sprache (VRdS). Jetzt wollen die Miesbacher Journalistin und PR-Kollegin Lisa Hilbich und ich gemeinsam als neue Leiter die Regionalgruppe Bayern mit ihren insgesamt rund 70 Mitgliedern wiederbeleben. Künftig soll es vierteljährlich einen Stammtisch geben, und seit gestern steht der Termin für das Auftakttreffen fest: Montag, 27. April, ab 19.30 Uhr in der Nähe des Münchner Hauptbahnhofs. Auch Neumitglieder und Interessenten sind herzlich willkommen. Ich freue mich sehr auf die hoffentlich überaus „beredte“ Premiere und helfe bei Fragen gerne weiter.

Weltoffener Antwortdienst

ngjansmt15iuhbVor allem in der Medienarbeit setzen wir Kommunikationsberater gerne sogenannte Q&As („Questions and Answers“) ein, meist mehr oder minder umfassende Sammlungen mit den wichtigsten kritischen Fragen und griffigen, überzeugenden Antworten auf sie. Jetzt nutzt die renommierte Amadeu-Antonio-Stiftung dieses bewährte Instrument ziemlich mustergültig, um im öffentlichen Diskurs Bürgerengagement gegen Antisemiten und Judenhasser zu unterstützen: Auf der Aktionswebsite „Nichts gegen Juden“ finden sich zu acht Frage- und Themenfeldern kompakte, aber durchaus ausgewogene und substanzhaltige Antwortvorschläge mit angemessener Leidenschaft und weitgehend ohne den sonst üblichen „PR-Sprech“.

Die Initiative finde ich schon deshalb begrüßenswert, weil die Auseinandersetzung mit extremistisch oder rassistisch verbrämten Vorurteilen meist furchtbar mühsam ist und man die immer wieder gleichen Behauptungen und Verleumdungen hört. Rationale Argumente werden da wegen irgendwelcher Verschwörungstheorien der Marke „Lügenpresse“ zwar ohnehin oft als erlogen oder manipuliert abgetan, aber dagegenhalten sollte man in der Öffentlichkeit oder den Sozialen Medien dennoch – allein schon wegen der Zuhörer und Mitleser, die für Argumente noch zugänglich sind. Sonst läuft es so, wie es schon Schopenhauer beobachtet hatte: „Die Grobheit besiegt jedes Argument und verscheucht allen Geist.“ Bitte nicht.

Freude vor großer Kulisse

atpgamn14ztrcSo richtig weihnachtlich warm ums Herz konnte einem gestern am Münchner Max-Joseph-Platz zwischen Opernhaus, Residenz und Fußgängerzone werden: Zwischen 12 und 25.000 Menschen kamen zusammen, um angesichts der meist furchtbar dumpfen „Pegida“-Umtriebe für Toleranz und Menschlichkeit zu demonstrieren. Selbst die Polizei sprach laut „Süddeutscher Zeitung“ von einem „sehr starken Zeichen für die Integration von Flüchtlingen und die Humanität in unserer Gesellschaft“. Als Beispiel für ein in kürzester Zeit aus dem Boden gestampftes Großereignis mit etlichen Rednern, Musikern und Kabarettisten von den Sportfreunden Stiller über Konstantin Wecker und Kofelgschroa bis Michael Mittermeier war die Veranstaltung auch aus beruflicher Sicht ziemlich beeindruckend. Geradezu umwerfend fand ich den Beitrag der Bayerischen Staatsoper: Durch die geöffneten Türen des illuminierten, klassizistischen Nationaltheaters schallte Beethovens „Freude, schöner Götterfunken“ über den Platz. Frohe Weihnachten!

Jugend kann nicht widerstehen

rntnpkeinm14zhgIm Kommentar „Nimm doch mein Geld, Mami“ im „Stern“ wundert sich Laura Himmelreich über den ausbleibenden Protest der Jungen gegen das wirklich riesenhafte Rentenpaket der Regierungskoalition (im Bild ein Ausschnitt aus einem entsprechenden Anzeigenmotiv der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft). Junge Arbeitnehmer würden „in Zukunft noch mehr in die Rentenkasse einzahlen, im Wissen, am Ende noch weniger rauszubekommen“. Massiver Widerstand? Fehlanzeige. Drei Gründe sieht Himmelreich „für unser Schweigen: Ignoranz, Defätismus und Egoismus“. Tatsächlich gibt es nach der „Wutbürgerwelle“ und der „Empörungskultur“ im Internet mit zahllosen sinnvollen und sinnfreien Online-Petitionen und „Hashtag #aufschrei“ erstaunlich wenige und nur weitgehend ungehörte Gegenstimmen. Ich erinnere da an Andrian Kreyes Beitrag in der „Süddeutschen Zeitung“ von Ende Januar: Es handele sich um „Online-Simulationen von Aktion, Gemeinschaft und Willensbildung“, die letztlich „von wirksamem politischem Engagement“ ablenkten. Vielleicht sollte man einfach mal mit Katzenvideos und „sehr, sehr geilen“ Viralclips auf die Straße rufen.

Gewitzte Russenmacher

Wieder eine satirische Aktion mit prominenter Unterstützung und politischer Botschaft: Angeführt von Kabarretlegende Dieter Hildebrandt und seiner Initiative Störsender überbrachte ein kleiner Tross samt Bestsellerautor Wladimir Kaminer und lärmender Militärkapelle dem Münchner Apple-Laden eine selbstfabrizierte russische Staatsbürgerurkunde. Damit wollen die Aktivisten auf „besondere Verdienste beim Schlupfen in Steuerlöchern“ und die minimale Steuerlast der Kultmarke hinweisen, so die „Süddeutsche Zeitung„. Den Hintergrund bildet die bizarre Einbürgerung Gérard Depardieus durch den russischen Präsidenten Putin Anfang des Jahres – auch dabei wurden steuerliche Gründe ins Feld geführt.