Schlagwort-Archive: Dialog

Redenschreiber im Tierreich

Gewaltfreie Kommunikation beim VRdSZum gestrigen Quartalstreffen der Landesgruppe Bayern des Verbands der Redenschreiber deutscher Sprache (VRdS) in München hatten wir als Referenten Christian Bargenda eingeladen, einen überaus geschätzten Kollegen und in Personalunion Herausgeber sowie Chefredakteur des „Rhetorikmagazins“. Sein Thema: „Souverän bleiben in Diskussionen“ mit Anleihen aus der Schule der Gewaltfreien Kommunikation („GFK“)  Weiterlesen

Wider das Zündeln

GegenwindEgal ob Daesh-Fanatiker, Pegida-Hetzer oder manche christliche Fundamentalisten – Unvernunft, Hass und Ignoranz oder gar dreiste Lüge gehen gerade im Internet als sogenannter Hatespeech eine oft unheilvolle Melange ein. Der Social-Media-Gigant Facebook trommelt vor diesem Hintergrund für das „Counterspeech“-Konzept: „Den verbalen Entgleisungen, den menschenverachtenden Kommentaren, den Aufrufen zu Gewalt […] müssten noch Weiterlesen

Verdammt gute Frage

Gut FragenIn der „Süddeutschen Zeitung“ fand sich gestern ein Beitrag zu einem Interview, in dem die Chefpersonalerin des umstrittenen Social-Media-Giganten Facebook die wichtigste Frage an Bewerber verraten hat, und die „hat es in sich“, wie die Redakteurin vollkommen zurecht anmerkt: „An Ihrem allerbesten Arbeitstag – dem Tag, an dem Sie nach Hause kommen und überzeugt sind, dass Sie den besten Job der Welt haben – was haben Sie Weiterlesen

Kriminell gut trainiert?

rdwtstrllstr15ujnDie sogenannten Debattierklubs sind häufig Aushängeschild der traditionsreichen angelsächsischen Spitzenuniversitäten, so auch die Harvard College Debate Union. In einem ebenso hochklassigen wie aufsehenerregenden Rededuell unterlagen die Elitestudenten jetzt einem Team aus Gefängnisinsassen, wie zum Beispiel das „Wall Street Journal“ und die „Süddeutsche Zeitung“ berichten. Geschafft haben das die Straftäter mit Unterstützung einer Bildungsinitiative des New Yorker Bard Colleges. Auch zum Redner muss man also keineswegs geboren sein. Wer seine rhetorischen Fähigkeiten ebenfalls regelmäßig trainieren will, könnte es mal bei einem der hiesigen „Toastmaster“-Clubs „zur Förderung der Kunst des öffentlichen Redens, der effektiven Kommunikation sowie der Menschenführung“ versuchen. Übung macht bekanntlich den Meister.

Große Freiheit war gestern

GreFeit14jhv„Die digitalen Technologien sind Treiber von Demokratie und Freiheit“, hat Bundespräsident Gauck einmal gesagt. Doch von allen Seiten wird die Freiheit des Internets bedroht oder ist bereits massiv beschnitten, und das kann man nicht erst seit dem NSA-Skandal wissen. Gefälschte Kundenbewertungen sind längst Alltag. Staaten wie China oder die Türkei sperren zeitweise komplette Online-Dienste wie Twitter und Youtube oder manipulieren Suchergebnisse. Vor diesem Hintergrund schreckt auch ein Artikel in der „Süddeutschen Zeitung“ über „Putins Trolle“ auf: Russland scheint PR-Unternehmen mit der systematischen „Manipulation der öffentlichen Meinung“ beauftragt zu haben. So warnt der britische Politik-Experte Simon Anholt vor dem Irrglaube, das Internet führe „als freier Kommunikationsraum automatisch zu mehr Freiheit“. Im Gegenteil: „Weil es frei ist, ist es eben nicht immun gegen Manipulationen. Soziale Medien können gehackt und manipuliert werden. Und der Westen hat darauf keine Antwort.“ Aufklärung über Zensur und Verschleierung dürfte in jedem Fall ein gutes Gegenmittel sein.

Zukunft ohne Kommentar

chnsspm14iuhvgDie chinesischen Schriftzeichen auf dem Bildchen links stehen angeblich für Zorn – der hat mich in den vergangenen Wochen immer häufiger erfasst, weil vor allem chinesische Spammer und Internetkriminelle meine Website gezielt attackiert oder missbraucht haben. Unter anderem wurde die Kommentarfunktion dermaßen häufig für Werbemüll, Pishingversuche oder Schlimmeres genutzt, dass ich mich jetzt schweren Herzens entschlossen habe, alle bisherigen Antwort- und Diskussionsfunktionen bis auf Weiteres besser ganz abzuschalten. Ich hoffe auf Verständnis bei den Nutzern dieser Seiten und freue mich umso mehr über jede Kontaktaufnahme ohne Betrugsabsicht.

Nötigung statt Beziehung

susslebe14zugcDank  einem Kollegen wurde ich jetzt auf die aktuelle Ausgabe der „brand eins“ zum Themenschwerpunkt Werbung mit einem starken Leitartikel aufmerksam. Die ernüchternde Kernaussage: „Die glorreiche digitale Weltrevolution optimiert, was uns schon im Fernsehzeitalter auf den Keks gegangen ist, nämlich die Aufdringlichkeit, die Penetranz der Werbung.“ Längst sei Werbung kein mehr oder minder zartes Buhlen um die Gunst des Mediennutzers mehr, sondern pures Draufhalten. Werbung müsse wieder die Handschrift der Liebenden statt die eines Heiratsschwindlers tragen und müsse wieder Gespräch statt Monolog sein. Völlig d’accord. „Nur die Liebe selbst weckt Gegenliebe“, wie es der von den Nazis ermordete Pater Maximilian Kolbe formulierte. Leider werden die meisten Macher und Auftraggeber in der Werbung im Zweifel wohl weiterhin käufliche Aufmerksamkeit der ungewissen Hoffnung auf echte Hingabe vorziehen.

Das Markenhaus

satguse14uifcFür die meisten Beobachter fällt es unter die Rubrik „Employer Branding„, dabei ist es wohl auch ein gelungenes Beispiel für unkonventionelle Unternehmens- und Markenkommunikation insgesamt; das erst in der vergangenen Woche eröffnete „Starting House“ der schwedischen Modekette Hennes & Mauritz (H&M) in Berlin, weltweit das erste seiner Art. „„Hier kann sich jeder über unsere Mode informieren und wir wollen uns als Arbeitgeber präsentieren“, so eine Sprecherin im Fachmedium „Textilwirtschaft„. Auch das Unternehmen selbst kann man in Berlin kennenlernen. So werden sich dort in den kommenden Monaten auch Abteilungen und Führungspersönlichkeiten vorstellen. Dazu passt das offizielle Motto: „ein Ort, wo sich Menschen und Ideen verbinden“.

Aus meiner Sicht verfolgen die HR- und PR-Macher da einen sehr vielversprechenden Ansatz für die beliebte Marke. Ähnlich der Kommentar im Szenebog „LesMads„: „Ich finde diese Idee nicht nur revolutionär, sondern auch absolut großartig. Irgendwie scheint der große H&M-Riese dadurch auf Normalgröße geschrumpft zu sein und wirkt endlich wieder nahbar.“

Demontierter Dialog

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„Das rechte Gespräch: keiner ringt nach Geltung, aber jeder kommt zur Geltung!“, meinte Hugo von Hofmannsthal. Wie man eine Gespräch geradzu systematisch torpedieren kann und was passiert, wenn man am anderen und seiner Sichtweise im Grunde gar nicht interessiert ist, zeigt ein scharfer Kommentar des renommierten Medienexperten Stefan Niggemeier zur Sendung „Markus Lanz“ vom 16. Januar mit Sarah Wagenknecht. Niggemeier kommt zu dem Schluss, dass Lanz Wagenknecht eingeladen habe, „um sie nicht zu Wort kommen zu lassen“. Sein Fazit: Lanz sei „ein Mann, der dann wütend wird, wenn sich jemand nicht zu ihm in den Sandkasten knien will, um auf seinem Niveau zu diskutieren“. Nach Niggemeiers Ausführungen kann man nur schwer widersprechen.

Nachtrag vom 23.1.: Inzwischen hat die „Zeit“ ein interessantes Interview des „Tagesspiegels“ mit dem Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen über „ein derart schlecht geschauspielertes Politik-Interesse, einen so fröhlich-kenntnisfreien Fragestil und eine so offensichtliche Gier nach Aufmerksamkeit“ publiziert. Lanz bleibt im Gespräch.

Digital auf Kriegspfad

caofcaktsoEin offener Brief im „Stern“ vergleicht US-amerikanische mit deutschen Jugendlichen in ihrer Nutzung sozialer Medien, insbesondere Facebook. Das Fazit: „Wir sind sowas von hinterher!“ Hiesige Jungspunde seien „leidensfähig“ und „irgendwie keine Entdecker„. Da widerspreche ich. So kenne ich eine Clique von Elf- bis 13-Jährigen, bei denen seit Monaten keiner Facebook wirklich nutzt, aber alle über die Mitteilungsfunktion des Strategie- und Kampfspiels „Clash of Clans“ miteinander kommunizieren. Auch zu Themen wie Schule oder Eltern. In ein paar Wochen etabliert sich vermutlich eine neue Plattform – bis das nächste Neuland aufgespürt und genutzt wird. Viel Spaß bei der Entdeckungsreise!