Schlagwort-Archive: Design

Gebildete Botschaft mal vier

grafische geschichtenAuch im Beruf sind Gestaltung und Grafik Steckenpferde von mir. In den vergangenen Monaten haben mich vier ganz verschiedene Ausprägungen visueller Kommunikation besonders beschäftigt. Gerade in ihrer Unterschiedlichkeit den vielen Gemeinsamkeiten zum Trotz faszinieren sie mich. Im September besuchte ich auf Sardinien das frühere „Banditennest“ Orgosolo mit seinen unvergleichlichen, meist politischen oder Weiterlesen

Bezeichnende Vielfalt

zeichensystemeKürzlich experimentierte ich für einen Workshop zu Corporate Design mit dem sogenannten Flaggenalphabet, mit dessen Hilfe per bunten Signalflaggen Botschaften Buchstabe für Buchstabe von Schiff zu Schiff übermittelt werden können. Im weiteren Verlauf widmete ich mich der Semiotik und der erstaunlichen Vielfalt an Alphabeten. Inzwischen habe ich meinen Namen in insgesamt 28 verschiedenen Zeichensystemen zumindest Weiterlesen

Raum für Wachstum

(Un-)Coole BürosDurch meinen frisch bezogenen neuen Arbeitsplatz im liebevoll gestalteten sogenannten Co-working Space MATES in einer früheren Kutschenfabrik mitten in München bin ich vielleicht ein wenig verwöhnt, aber beim gestrigen Beitrag der „Horizont“ zu den zehn vermeintlich „coolsten Büros Deutschlands“ geht es mir wie einem Leserkommentator: Sind das – siehe Beispiel links – zum Teil womöglich eher „Negativ-Beispiele“? Und Weiterlesen

Zeichen hoch hinaus

DasHochhaus_MSH16dfdDie „Zeit“ schreibt über „102 Etagen Leben“, hier verbinde die Zeichnerin Katharina Greve „die pointierte Unmittelbarkeit des Einbildwitzes auf erfrischende Weise mit dem Potenzial der längeren Bilderzählung“ und werde mit einiger Gewissheit „die Grenzen der Kunstform formal erweitern“. Das mag ein wenig gestelzt und überhoben klingen, dürfte dem „digitalen Comic-Bauprojekt“ mit einem Woche für Woche wachsenden „HOCHHAUS“ und den bislang klugen und sehenswerten Momentaufnahmen aus dem Leben der Hausbewohner in „fast technisch anmutendem Zeichenstil“ aber gerecht werden. Ich werde der ebenso kreativen wie anregenden, detailverliebten Baustelle eines „üppigen, collageartigen Hausromans“, wie es in der „Berliner Morgenpost“ heißt, bis zur geplanten Fertigstellung im September 2017 bestimmt noch einige Besuche abstatten.

Schön flach und einfarbig

lgsfrb15uhlDie „W&V“ berichtet über eine Untersuchung der Logos der laut „Forbes“ weltweit 25 „meistbewunderten“ Unternehmen. Bei insgesamt 1.000 Teilnehmern kamen die Logos von Amazon, Apple und Starbucks am besten an, gefolgt von BMW. Die Münchner Autobauer nehmen bei Männern sogar Platz zwei ein. Als Farbe dominiert eindeutig Blau. Generell sind Einfarbigkeit, runde Formen und – auch wegen des Siegeszugs mobiler Endgeräte – flache, nicht-räumliche Entwürfe Trumpf. Auch wenn die Befragung selten ins Detail geht und wenig umfangreich ist, bekommen Designer und Markengestalter hier sehr griffige und wesentliche Entscheidungshilfen an die Hand. Der weltberühmte Designer Milton Glaser, von dem das legendäre „I LOVE NY“-Zeichen stammt, empfiehlt dabei einen durchaus radikalen Kurs: „Auf Design gibt es drei mögliche Antworten: Ja, Nein und Wow. Das Wow ist es, was man anpeilen muss.“

In Bildern sprechen

sdtlgsr15wkwSo unterschiedlich kann exzellenter, innovativer Journalismus daherkommen: Seit zwei Tagen liegt mir die Erstausgabe der „SZ Langstrecke“ in der Magazinversion vor – handverlesene lange Lesestücke („Longreads“), nahezu ohne Bilder und Illustrationen. Die Texte aber können immer wieder fesseln und lassen im Kopf Bilder zuhauf entstehen. Im Grunde das komplette Gegenteil, aber ebenfalls in hervorragender Qualität: liebevoll aufbereitete, dabei aber stets journalistisch gehaltene Multimedia-Reportagen wie „Vertreibung auf Kredit“ zum „System Weltbank“ vom Internationalen Konsortium für Investigative Journalisten, kurz ICIJ, oder „Wir schlachten ein Schwein“ vom „ZEIT Magazin“. Ja was denn nun? Mit oder doch lieber ohne Bild? Kommt darauf an. Und am besten macht man sich selbst ein Bild.

Schön informativ

hablapktg14rtzxcEin kleines Fest bereitete jetzt das „Hamburger Abendblatt“ Freunden feiner Grafik: Die hanseatische Designagentur Mutabor gestaltete eine komplete Titelseite aus Piktogrammen, die den an gleicher Stelle jeweils vorgesehenen Text vereinfacht visuell darstellten. Da erkennt man ein Fahrrad als Brille, einen teuflischen Putin, ein herzliches Berlin und eine verregnete Hansestadt. Gute Piktogramme seien „so reduziert und so erzählerisch wie möglich“, so Heinrich Paravicini, einer der Mutabor-Gründer in einem erklärenden Beitrag des traditionsreichen Boulevardblatts zu diesem Stück „gedruckter Zeitungskunst“. Schön anzusehen ist es allemal.

Genussvoll zerlegt

einzelteile14kjhbvDie Internetpräsenz eines Unternehmens ist in den meisten Fällen auch dessen Leitmedium. Die Berater der Netfederation aus Köln haben jetzt mithilfe eines recht detaillierten Fragekatalogs zu „Konzernprofil“, „Personal“, „Presse“ sowie „Sozialer Verantwortung“ die Websites von mehr als 100 deutschen Großunternehmen von Adidas bis Wintershall unter die Lupe genommern – nachzulesen im „Harvard Business Manager„.

Für Macher und Entscheider enthält die Studie viel Stoff und oft ganz konkrete Anregungen. So bliebe „die schöne Optik“ bei insgesamt guten Resultaten vielfach doch „eher oberflächlich“ und böten die Internetseiten häufig „Bilder statt Argumente„. Da Websites großer Konzerne ohnehin ständig in Bewegung sind und ergänzt oder umgebaut werden, lassen sich solche Makel recht gut nach und nach beheben. Packen wir’s in Kaizen-Manier an!

Auf den Punkt genial

stshidgn14uzhvf„Als hätte jemand einen Wodka-Mix getrunken und ins Stadion gekotzt„, zitiert die „Horizont“ die vernichtende Kritik des britischen „Guardians“ an den Olympia-Anzügen der deutschen Mannschaft in Sotschi und bringt einen ebenfalls wenig schmeichelhaften Kommentar des ADC-Präsidiumssprechers Stephan Vogel. Der wiederum erinnert an den legendären Designer Otl Aicher, der mit so herausragenden Arbeiten wie den genial reduzierten Sportarten-Piktogrammen zum großen Erfolg der Olympischen Spiele in München 1972 beigetragen hatte und ehrfürchtig „Vater des geometrisierten Menschen“ genannt wird. „Otl Aicher war […] in der Lage, selbst den Impuls des Kleingeistigen und Provinziellen in ein akzeptables ästhetisches Format zu bringen“, schreibt Vogel. Und Kleingeistiges und Provinzielles gibt es leider auch rund um Sotschi zuhauf.