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Alte Hasen zwischen Sorge und Selbstbewusstsein

PR-HaseDie einen füchten sich davor, später „zum alten Eisen zu gehören“, die anderen verbinden mit älteren Arbeitnehmern in Kommunikation und PR vor allem viel wertvolle Berufserfahrung – dank „PR Report“ wurde ich auf die „Blitzumfrage“ des PR Career Centers mit knapp 100 Teilnehmern zu „Karrierechancen mit über 40“ aufmerksam. Danach spaltet das Thema „Altersdiskriminierung die Branche“. Erwartungsgemäß geht es hier auch um Weiterlesen

Wünsch dir was

mraepbe14uzgvIn seinem „Zwischenruf“ beim „PR Report“ fragt Mirko Lange, wann PR endlich „wünschenswert“ werden wird. Vor fast 20 Jahren war Mirko mein Kollege bei Hans-Georg Möckesch, nicht nur als GPRA-Präsident ein Vordenker von Ausbildungsstandards über journalistisches Arbeiten bis Zertifizierung und insgesamt eine der spannendsten Persönlichkeiten unserer Zunft. Heute will ich Mirkos streitbaren Appell weitgehend unterstützen: Ja, nicht umsonst wird Öffentlichkeitsarbeit immer noch vor allem mit Schlagwörtern wie „PR-Trick“ oder „PR-Gag“ in Verbindung gebracht. Noch immer wird viel kommuniziert , aber viel zu wenig zugehört. Noch immer wird getäuscht und gemauschelt, verflacht und verengt. Noch immer ist die Zahl der Blender und Nebelwerfer viel zu hoch – genau wie die Zahl der Kunden, die genau das (oft in verblüffender Unkenntnis) direkt oder indirekt fördern oder sogar ausdrücklich fordern.

Es ist Zeit, dass sich die „Weißen Schafe“ der PR den furchtbar vielen „Schwarzen Schafen“ entgegenstellen – lauter und streitbarer, vehementer und fundierter. Auch dieser fromme Wunsch erinnert stark an die Branchendiskussionen der Neunziger. Aber aufgeben? Im Gegenteil!

Mit Begeisterung überlastet

oftiktsre14iuzgfvcWieder einmal hat es der Beruf des Öffentlichkeitsarbeiters bei einer Umfrage zu den stressigsten Jobs in die Top Ten geschafft, diesmal bei einer Untersuchung des US-amerikanischen Stellenportals CareerCast. Ein englischsprachiger Blog hat aus diesem Anlass insgesamt sechs Gründe herausgearbeitet, warum „PR so stressig“ ist – in Kurzform: fehlende Kontrolle, nervige Kunden, ständige Erreichbarkeit, permanenter Wandel, die starke Abhängigkeit von Journalisten und schließlich übermotivierte, zur Selbstausbeutung neigende Kollegen. Auch hier fehlt jedoch nicht der schon branchentypische Hinweis auf die (gerne nach außen gekehrte) Begeisterung: „But even with all of the stress … we still love our jobs.“ Nicht umsonst gilt eine Karriere in der Public-Relations-Zunft trotz eher mäßiger Bezahlung als eine der begehrtesten. Aber das wusste bereits Shakespeare: „Wer wohl zufrieden ist, ist wohl bezahlt.“

Zwei plus Drei macht Eins

pbiconcofsoIn meinen Jahren bei PRINT (heute Lenze von Klessing) unternahm ich viele Versuche, die Beteiligungsstruktur von der „Mutter“ Heye über DDB bis zur „Muttermuttermutter“ Omnicom, der weltweit zweitgrößten Werbeholding, zu erklären. Jetzt hat die „Übermutter“ überraschend beschlossen, sich mit der Nummer drei, Publicis, zur globalen Nummer eins zusammenzutun. Das berichtet z. B. die „Horizont„.

Branchenbeobachter verfolgen die Megafusion mit beträchtlicher Skepsis. So weist nicht nur die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ auf „mögliche Interessenkonflikte“ hin, „da die beiden Werbegruppen teils scharfe Rivalen betreuen“ (z. B. Coca-Cola und Pepsico oder Apple und Samsung). Der „Spiegel“ zitiert David Jones, den Chef des Konkurrenten Havas: Der Zusammenschluss werde Mitarbeiter und Kunden „destabilisieren und beunruhigen“. Zudem gehe der Deal an den Marktbedürfnissen vorbei: „Heutzutage wollen Kunden uns schneller und agiler – nicht größer, bürokratischer und komplexer.“

Aus meiner Sicht eröffnet die Verbindung fraglos auch Chancen, z. B. durch Vorteile bei Preisverhandlungen. Das erwähnt beispielsweise auch das „Handelsblatt„. Die „W&V“ berichtet zudem von einer gemeinsamen Erklärung an die Mitarbeiter der beiden Holdings: Man habe hier die „historische Gelegenheit“,  einen „neuen Standard für Premium-Leistung zu etablieren“. Den Zusammenhang sehe ich derzeit eher weniger. Juliette Garside vermutet im „Guardian“ ohnehin eine ganz andere Stoßrichtung: Der Beschluss sei der „todernste Versuch, ein Gegengewicht zum schwindenen Einfluss traditioneller Marketingkommunikation in einer von Google und Facebook dominierten Welt zu schaffen.“

So oder so wünsche ich vor allem meinen früheren PR-Kollegen alles Gute. Über die Zukunft der gesamten Sparte sollen laut „PR ReportKommissionen mit „Top-Leuten aus beiden Konzernen“ entscheiden. Ich drücke die Daumen.

Heimat holt den Hammer raus

hiapnzhrnbÄhnlich schwere Geschütze wie in der erfolgreichen Hornbach-Kampagne mit dem Hammer fährt jetzt Matthias von Bechtolsheim, Geschäftsführer der Hornbachagentur Heimat, im Gespräch mit der „Horizont“ über die Branche und ihre „Digitalgläubigkeit“ auf. Da werden Experten aus der Datenanalyse leichtfertig als „picklige Nerds in dunklen Kämmerchen“ diffamiert und Kollegen beschuldigt,  „sich devot an den Verbraucher heranzuwanzen„. Neben dem für meinen Geschmack etwas zu lauten Getöse sind aber auch einige wirklich lesenswerte Gedanken in dem Interview enthalten, das es in voller Länge offenbar nur in der gedruckten Ausgabe gibt. Treffer, versenkt …

Sport für die Tonne

fctnebergdwsDas jährliche Fußballturnier der Werbeagenturen ist für viele Kollegen der heimliche Höhepunkt des Jahres. Traditionell geht’s bei dem Spektakel ja eher um das Drumherum: Anfahrt im Partyzug, jubelnde Cheerleader, schräge Trikots und mehr oder minder zuträgliche Mengen an Alkohol. Beim diesjährigen Football Agency Cup in Düsseldorf stand dann irgendwie doch mal wieder der Fußball im Mittelpunkt: Mit dem Team von Jung von Matt lief mit Christoph Metzelder ein früherer Nationalspieler auf! Jetzt gab der beliebte Kicker zusammen mit der Hamburger Agentur die Gründung der Sportmarketingagentur Jung von Matt / Sports bekannt, wie auch die „W&V“ berichtet. Willkommen im Spiel!

Berufseinstieg gebucht

brusldprsmmngenUnter dem Titel „Wenig Anerkennung, prekärer Kontostand“ stellt Ansgar Vaut im „PR Report“ das neue Buch „PR-Geil“ vor, in dem insgesamt 22 junge Menschen von ihrem oft holprigen und ernüchternden Start in das Berufsfeld Public Relations berichten. Dabei zeige das von Jana Kaminski zusammengestellte und im Selbstverlag veröffentlichte Buch mit vielen „Insider-Tipps“ die Vielfalt an Karrierewegen in einer für viele Studienabgänger nach wie vor sehr reizvollen Branche.

Dies deckt sich weitgehend mit dem Befund des Wuppertaler Branchenkenners Manfred Piwinger: „Obgleich der Ruf der Branche nicht gut, zumindest aber ambivalent ist, sind PR ein Berufsfeld, welches eine große Anziehung und manchmal sogar Faszination, auf junge und gut ausgebildete Menschen ausübt.“ Ein Nachwuchsproblem scheint die Öffentlichkeitsarbeit also auch in näherer Zukunft nicht zu haben.

Feueralarm in der PR

Die PR-Branche als Schauplatz systematischer, ungezügelter Fremd- und Selbstausbeutung? Diesen Eindruck vermitteln die Reaktionen auf ein Interview des „PR Reports“ mit Ulrich Schuhmann, einem mit der Branche gut vertrauten Personalberater, zur schwierigen Work-Life-Balance.

In dramatischen Worten und auffälliger Einhelligkeit schildern Leser dort ihre Erfahrungen mit miserablen Arbeitsbedingungen, maßlosen Überstunden, schlechter Bezahlung und fortwährenden Druck. „Nie wieder PR„, heißt es da zum Beispiel von einem Kommentargeber, der angibt, vier Jahre nach dem ersten Herzinfarkt endlich „die Reißleine gezogen“ zu haben. Ein anderer Leser meint: „Wir haben Kraken gezüchtet, deren Arme uns nun erwürgen.“ Und ein weiterer Kollege zieht das knallharte Fazit: “ Wenn schon Burnout, dann wenigstens mit Kohle“. Auch ich kenne die Dauerbelastung in der PR mit selbstverständlichen Überstunden und überzogenen Erwartungen, aber diese Fülle an enttäuschten, wütenden und fast schon verzweifelten Kommentaren überrascht mich doch.

Ulrich Schuhmann dürfte da mit seinem Appell richtig liegen: „Wir müssen irgendwann wieder lernen, Prioritäten so zu setzen, dass zwischendurch häufiger Phasen wirklicher Entspannung möglich sind.“

Berufsstand mit femininer Note

Vor ein paar Tagen war ich mit zwei männlichen Kollegen bei einem Kunden – und der wunderte sich: „Ja, sonst sind doch nur Frauen in einer PR-Agentur!“ Die Zahlen geben ihm recht: Laut einem Bericht des „PR-Journals“ zur insgesamt vierten Berufsfeldstudie „Profession Pressesprecher“ des Bundesverbands deutscher Pressesprecher sind die Berufsangehörigen mehrheitlich weiblich. Bei den Jüngeren unter 40 seien sogar fast 70 Prozent Frauen. Auch in unserer Agentur PR!NT Communications Consultants zum Beispiel machen Frauen mehr als drei Viertel der Belegschaft aus. Dennoch wird branchenweit noch immer ein Großteil der Führungspositionen von Männern besetzt. Da war Christine Walther, die unsere Agentur fast 28 Jahre lang bis Ende 2011 geleitet hat, eine rühmliche Ausnahme. Wie meinte Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen: „Wir sind im Augenblick, was Frauen in den Führungspositionen angeht, auf Höhe mit Indien, hinter Russland, hinter Brasilien, hinter China.“ Wird Zeit, dass sich das ändert!

Übrigens hat an der BdP-Studie auch Prof. Günter Bentele maßgeblich mitgewirkt, bei dem ich vor über 20 Jahren an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg im Fach Kommunikationswissenschaft gelernt habe.