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Aktiv gewählte Manipulation

Vor einigen Wochen machten „betrügerische Bettelmönche“ in München von sich reden – die vermeintlichen frommen Männer aus Nepal oder Tibet entpuppten sich als Spitzbuben aus China. In Haidhausen sprachen zwei von ihnen damals auch mich an. Dabei wandten sie neben einer ganzen Reihe an mehr oder minder dreisten kommunikativen Kniffen auch einen altbekannten und dennoch wirkungsvollen Trick an: die Standardoption. Weiterlesen

Betrug mit Sprache

spmsmmln14ztgfcFast jeder bekommt sie täglich: nervige oder sogar kriminelle Spam-E-Mails. Laut „PC Magazin“ sind weltweit knapp sieben von zehn E-Mails Werbemüll, Cyber-Kriminalität oder versuchter Betrug. Am zweithäufigsten nach den USA landeten sie bei deutschen Nutzern.

Mehr als die schiere Zahl der massenhaft versandten Köder für Leichtgläubige und Unvorsichtige – in der Online-Gemeinde steht „SPAM“ auch für „send phenomenal amounts of mail“ – fesselt mich zuweilen der Sprachgebrauch in E-Mails. Damit meine ich weniger den Unterhaltungswert völlig misslungener Übersetzungen oder „die sprachlichen Verrenkungen„. Wie so oft bei Verbrechern und Bauernfängern kann man immer auch viel über die menschliche Psyche und Kommunikation lernen. Da werden Gewinne oder große Gefühle in Aussicht gestellt („Genießen Sie das 5250€ Willkommenspaket!“ oder „Ich habe mich letzte Woche in dich verliebt“), Filter mit verdrehten, falschen oder fehlenden Buchstaben ausgetrickst („onlne“ statt „online“ oder „BE$TE“ statt „BESTE“) oder der Absender ruft – besonders perfide – erstaunlich glaubhaft zu vermeintlichen Gegenmaßnahmen zum Schutz vor Langfingern auf („Diese Verifikation dient zu Ihrer eigenen Sicherheit.“). Zudem muss man immer öfter schon genau hinsehen, um üble Phishing– oder Viren-Spam zu erkennen.

Ein falscher Klick genügt meist, um Schaden zu nehmen. „Hat man den Link in einer gefälschten E-Mail angeklickt, muss man davon ausgehen, dass der Computer infiziert wurde“, schreibt „n-tv„. Und ganz „offenbar reicht vielen Computernutzern die Aussicht auf eine Gratis-Wurst, um entgegen aller Vernunft auf einen E-Mail-Anhang in der Mail eines unbekannten Absenders zu klicken“, wie es in einer DPA-Meldung heißt. Machiavellis Worte aus dem 16. Jahrhundert gelten leider unvermindert: „Die Menschen sind so einfältig und gehorchen so den Bedürfnissen des Augenblicks, daß der Betrüger immer solche findet, die sich betrügen lassen.“