Schlagwort-Archive: Aufmerksamkeit

Zeichen der Zeit

Gestern stand ich an der Bushaltstelle vor dem Plakat eines Autoherstellers und wunderte mich mal wieder über den riesigen Störer mit ziemlich sinnfreiem Hashtag-Hinweis – das soll ein Schlagwort sein, das auch nur eine Handvoll Leute in den Sozialen Medien benutzt? Echt jetzt? In diesem Fall schien mir das im Grunde ausgeschlossen. Aber darum geht es in vielen Fällen auch gar nicht. Das dank Kurznachrichtendienst Twitter berühmte Weiterlesen

Getarnter Aufmerksamkeitsraub

Eine Maske? Als gängiges Mittel zur Vermummung passte das hervorragend – manchmal genutzt von Superhelden, vor allem aber doch auch ein typisches Ganovenrequisit. Als unstatthaft, illegitim oder gar gesetzeswidrig werden denn auch von vielen Beobachtern manche Aktionen im Bereich Ambush Marketing gewertet, so auch der heiß diskutierte Auftritt eines Dortmunder Fußballstars als Maskenmann nach erfolgreichem Torschuss am Weiterlesen

Ständig im Griff

SmartphoneErkenntnisse über die Funktionsweise Sozialer Medien haben oft zwei Seiten – für die Macher in Werbung und PR sind sie in erster Linie nützlich, den Nutzern aber dienen sie eher zur Mahnung. So ist das auch mit Hakan Tanriverdis Beitrag in der  „Süddeutschen Zeitung“ zu den Thesen des Design-Ethikers Tristan Harris rund um Facebook, das „Netzwerk wie ein Glücksspielautomat“. Generell gehe es den Köpfen hinter Weiterlesen

Werbung wirkt super

Seerbg14gvziiWerbung ist „auf einmal ’supergeil'“, heißt es begeistert in der „Horizont„. Pünktlich zum 50. ADC-Jubiläum erlebe man einen wahren „Kreativschub„, und das sei die beste Antwort auf den immer härteren Kampf um Aufmerksamkeit. Interessante Randinformation: Während auf den durchschnittlichen Verbraucher vor etwa 30 Jahren täglich rund 650 Werbebotschaften gesendet worden seien, wären es heute vielleicht 10.000 („die Schätzungen schwanken extrem“). Konsequenz: „Nur wer auffällt, hat eine Chance.“ Genau das gelänge den Werbeschaffenden gegenwärtig aber ganz hervorragend. Chefredakteur Volker Schütz bringt eine ganze Reihe an Belegen, vom rundum erstaunlichen Edeka-Viralspot (derzeit allein an der Originalquelle mit über achteinhalb Millionen Klicks) mit dem schrägen Friedrich Lichtenstein bis zum eher krampfigen als lustigen Spot mit dem „FIK-Bus„, nicht nur für Schütz „total daneben und deshalb ziemlich peinlich“. Die Perlen im Werbemarkt haben womöglich doch nach wie vor Seltenheitswert.

Nötigung statt Beziehung

susslebe14zugcDank  einem Kollegen wurde ich jetzt auf die aktuelle Ausgabe der „brand eins“ zum Themenschwerpunkt Werbung mit einem starken Leitartikel aufmerksam. Die ernüchternde Kernaussage: „Die glorreiche digitale Weltrevolution optimiert, was uns schon im Fernsehzeitalter auf den Keks gegangen ist, nämlich die Aufdringlichkeit, die Penetranz der Werbung.“ Längst sei Werbung kein mehr oder minder zartes Buhlen um die Gunst des Mediennutzers mehr, sondern pures Draufhalten. Werbung müsse wieder die Handschrift der Liebenden statt die eines Heiratsschwindlers tragen und müsse wieder Gespräch statt Monolog sein. Völlig d’accord. „Nur die Liebe selbst weckt Gegenliebe“, wie es der von den Nazis ermordete Pater Maximilian Kolbe formulierte. Leider werden die meisten Macher und Auftraggeber in der Werbung im Zweifel wohl weiterhin käufliche Aufmerksamkeit der ungewissen Hoffnung auf echte Hingabe vorziehen.

Dem Fernsehen den Rest geben

Die Journalistin und Autorin Klaudia Wick ist auch eine renommierte Fernsehkritikerin und langjähriges Mitglied der Jury beim Deutschen Fernsehpreis. Auf den diesjährigen Medientagen München äußerte sie sich jetzt im Rahmen einer sogenannten Keynote über die veränderte Rolle des Fernsehens. Ihre Kernthese: Das Fernsehen habe „in der Aufmerksamkeitsökonomie eine gesellschaftliche Abwertung erfahren“. Sie beschreibt das so: „Das Fernsehen, einst magischer Anziehungspunkt für unsere kollektive Aufmerksamkeit, ist zu einem Restzeitmedium geworden, das erst eingeschaltet wird, wenn wir für alles andere zu müde, zu zerstreut, zu ausgepowert sind.“ Statt mit der vieldiskutierten Programmkrise hätten wir es womöglich vielmehr mit einer „veritablen Publikumskrise“ zu tun. Dabei belässt sie es nicht bei einer Zustandsbeschreibung, sondern entwickelt auch konkrete Vorschläge, wie dieser Krise beizukommen wäre. Sehr spannend, finde ich. Wicks kompletten Redebeitrag kann man hier im Medienmagazin „DWDL“ nachlesen.