Schüsse ins Herz

Terrorfolgen2016aAlles, was Menschen dauerhaft beschäftigt und stark emotionalisiert, findet Eingang in Werbung und Kommunikation. Mit dem Terror oder einem „sozialmedial inszenierten“ Amoklauf wie am Freitag in München ist das nicht anders. Nach Nizza, Würzburg, München und gestern Ansbach bestimmt die auf unsere Köpfe und Herzen zielende Gewalt, so unterschiedlich auch immer sie im Detail zu charakterisieren und zu bewerten ist, auch das Meinungsklima (der Mord in Reutlingen fällt wohl nicht in diese Kategorie). Anschläge wie in Kabul oder Badad, der Syrienkrieg, der Ukrainekonflikt, Erdogans blindwütige, ich nenne es einmal: Konterrevolution, das Trump’sche Gepoltere, Pegida, das Brexit-Wirrwarr und die gefühlt unzähligen anderen Krisen unserer Welt verstärken diese Stimmung noch erheblich.

Diese Krisen und Ereignisse verändern auch die professionelle Kommunikation, und beileibe nicht nur die politische. Werbung und PR sind dabei gleichermaßen Resonanzboden wie Impulsgeber (zuweilen erscheint Daesh oder IS ja selbst vorwiegend als monströse PR-Kampagne). Noch sind die Folgen nur erahnbar – die stilprägenden „Schockfotos“ Marke Benneton aus den Neunzigern oder die Reaktionen auf die flankierende Aktion „Independence Day / My Street“ zum neuen Emmerich-Film geben einen Vorgeschmack. Eines aber ist aus meiner Sicht gewiss: Die Auswirkungen werden nicht nur kurzfristig zum Beispiel aus Sicherheits- oder Pietätsgründen immens sein (meines Wissens wurden nicht nur Konzerte sowie Volks- und Straßenfest, sondern auch sämtliche Werbe- bzw. PR-Events im Großraum München am Wochenende von der Feier zum 500. Jahrestag der Reinheitsgebots der bayerischen Brauer über den „DJ-Day“ und die „Mädchen“-Castingveranstaltung „Shootingstar“ bis zum Fanfest des TSV 1860 abgesagt). Ich hoffe, dass unsere Branche ihrer Verantwortung gerecht wird und aufgreift statt aufzuwiegeln, anspricht statt anzufeuern und im Rahmen ihrer Möglichkeiten vermittelt statt zu verhärten.