Raumgreifende Präsentationsschokolade

„Langweilige Powerpoint-Präsentationen sind eine globale Seuche“, hieß es Anfang letzten Jahres in der „Wirtschaftswoche“. Diesem Urteil hätten sich wohl schon im Vorfeld alle Teilnehmer am gestrigen Quartalstreffen der Regionalgruppe Bayern des Verbands der Redenschreiber deutscher Sprache (VRdS) in München ohne zu zögern angeschlossen. Das Thema des schon traditionellen Gastvortrags: „Präsentieren mit einer Rede oder reden mit einer Präsentation.“ Als Experten hatten wir Oliver Weiße von i-pointing zu Gast, einem Münchner Unternehmen, das sich ganz auf das Erstellen und Optimieren von Präsentationen mit Powerpoint, Prezi & Co. von der Produktvorstellung über die Vorstandsrede vor der Aktionärsversammlung bis zum Strategieworkshop konzentriert. Neben goldenen Regeln und typischen Fehlern ging es uns auch um die meistens leider nicht existente Zusammenarbeit zwischen Redner und Redenschreiber sowie den Machern der begleitenden Präsentation. Gerade Spitzenmanager überlassen dies typischerweise dem Vorzimmer oder der Nachwuchskraft aus irgendeiner Unterabteilung.

Für einige Kollegen mit ausgeprägter Powerpoint-Allergie ist das Beste, was man in Sachen Präsentation machen kann, ohnehin: ganz auf sie zu verzichten. Tatsächlich tragen vermutlich über die Hälfte aller weltweit angefertigten Folien und Beamer-Schaubilder letztlich nichts zum Erfolg des Vortrags bei oder schmälern ihn sogar. Andererseits können Botschaften mit Bildern  entscheidend verstärkt oder zum Beispiel durch kluge, kreative Visualisierungen überhaupt erst wirklich begreifbar gemacht werden.

Unser Gast hatte dazu eine besonders schöne Formulierung seines Kollegen Hermann Plasa im Gepäck: „Text ist der natürliche Feind des Wahrnehmungsapparats, während Bilder die Schokolade sind“, zitierte Weiße. Er selber nutzte bei seinem ebenso kundigen wie gewitzten Vortrag lediglich ein paar ausgedruckte DIN-A4-Seiten mit Gliederungspunkten und Kernaussagen zur Flankierung und Orientierung – schließlich sei eine gute Präsentation wie eine „Informationsführung von Raum zu Raum“. Ein Gedanke jedoch wartete in jedem Raum auf uns: Der Vortragende hält den Vortrag, nicht irgendeine Software!