Psychogramm des Fehlerteufels

Jeder macht Fehler. Voll und ganz unterstütze ich den Ruf nach der sogenannten Fehlerkultur. Andererseits mag ich Fehler nicht – das Streben nach Fehlerfreiheit gehört für mich dazu. Eigentlich immer. Gerade in Sachen Rechtschreibung fällt es mir schwer, fünfe gerade sein zu lassen. Nicht umsonst nannten mich Kollegen schon in den 90er Jahren „Dr. Duden“. Aktuelles Beispiel gefällig? Kürzlich stieß ich in einem ansonsten sehr guten Artikel in meiner Lieblingszeitung auf insgesamt gleich sieben Fehler – vom Vertipper über orthographische oder eher grammatikalische Verstöße bis zum fehlenden Wort in einem Satz. Das einfach stehen lassen? Kaum möglich für jemanden wie mich. Fehler sind da, um korrigiert zu werden! Also informierte ich die Redaktion, wie üblich, rasch und im Ton überaus freundlich per Feedbackfunktion. Nur ein paar Minuten später erhielt ich zur Antwort, dass man für meine Hinweise dankbar sei – doch dann: „Nicht alle trafen zu, aber die Fehler, die Sie berechtigterweise monierten, haben wir jetzt behoben.“ Waaas? Waren mir in meiner Korrekturbitte etwa selber Fehler unterlaufen. Selbstverständlich überprüfte ich das unverzüglich. Ergebnis: Gottseidank – die Redaktion hatte alle (!) meine Vorschläge umgesetzt – ich hatte in sämtlichen Fällen richtig gelegen. Recht behalten – fühlt sich gut an.

Prompt stellen sich aber auch leise Selbstzweifel ein: Bin ich letzten Endes doch vor allem ein eitler Beckmesser, ein engstirniger Regelgläubiger mit Hang zur Selbstgefälligkeit? „Du findest Fähler lustig – ich find das arrogant“, heißt es (in ganz anderem Zusammenhang) in einem „bento“-Beitrag. Da ist was dran. Und natürlich gibt es ja auch ohnehin viel Wichtigeres als Rechtschreibfehler. Aber im Zweifel geht es mir wie Benjamin Franklin: „Kritiker sind gute Freunde, die uns auf Fehler hinweisen.“ Ohne Kritik kein Dazulernen. Kein Fortschritt. Spätestens das ist dann wohl die Nagelprobe: Wie reagiere ich selbst auf Kritik? Vor allem auf sachliche, konstruktive Kritik. Hiermit ergeht ein öffentlicher Aufruf, mich doch bitte fleißig auf Fehler und Makel hinzuweisen. Projekt läuft.