Zwischen Gag und waghalsigem Stunt

PR-TrickDeutsche Anwälte haben Mark Zuckerberg wegen Volksverhetzung angezeigt, und Redakteure der „Meedia“ meinen, das Ganze rieche „doch sehr nach PR-Stunt“ – alles womöglich nur Fassade, nur so zum Schein eben. Im Austausch mit einer Kollegin brachte mich das auf die sehr grundsätzliche Frage: Welche Rolle spielt Täuschung in der professionellen Medien- und Öffentlichkeitsarbeit? Für viele ist der sogenannte PR-Gag oder PR-Trick ja geradezu typisch für unsere Branche. Schon vor fast acht Jahren berichtete der „Spiegel“ von dem „bizarren Streit in der Zunft der Öffentlichkeitsarbeiter“ wegen der damals wie heute heftig umstrittenen Thesen des renommierten Kommunikationswissenschaftlers Klaus Merten von der „Elastizität von Wahrheit“ und der „Lizenz zum Täuschen“. In Kurzform: „Muss PR wahrhaftig sein oder gehört die Lüge zum Geschäft?“

Für Merten ist die Täuschung schlicht Teil der „Rollenerwartung der Public Relations“, und im Extremfall kann mit dem österreichischen Philosophen Konrad Paul Liessmann schon einmal das Gefühl bekommen, der gesamte PR-Bereich sei wie eine „gigantische Lügenmaschinerie, bei der es darum geht, Menschen gegen ihren Willen dazu zu bringen, etwas so zu tun“.  Mit Richard Gaul, dem langjährigen Chefkommunikator BMWs, hält eine der Branchengrößen in Deutschland ebenso tapfer wie zuverlässig dagegen: „Unser Berufsethos verbietet Täuschung ausdrücklich.“ Wie so oft hat das jeder einzelne meiner Kollegen selbst in der Hand. Immerhin erinnert uns der Begriff „PR-Stunt“ daran, dass jeder Trick auch das Risiko des Scheiterns in sich birgt. Manchmal reicht statt ethischer Prinzipien auch schon eine simple Kosten-Nutzen-Rechnung aus, um das Tricksen und Fälschen angesichts des drohenden Verlusts der Glaubwürdigkeit ganz einfach beiben zu lassen.