Dekadente Club-PR

Den inzwischen inflationär vorhandenen Fotos nach zu urteilen, ist er vor allem kaum an Geschmacklosigkeit zu überbieten. Seine Grundidee und die kommunikative Aufmachung fand ich dermaßen absurd, dass ich auf kreative Gentrifizierungs- und Kapitalismuskritik im Stile der satirischen Münchner Initiative Goldgrund tippte. Offenbar lag ich da falsch. Der Club, den die „Bild“ als „Prunk-Paradies der reichen Männer“ unter der Rubrik „Spitzengastronomie“ beschreibt und der laut „tz“ der neue „geheime Luxusclub im Herzen Münchens“ mit „goldverzierten Festsälen, Geheimgängen, gecasteten Models und 350 Quadratmetern purer Pracht“ ist, dürfte sich als eher schnöde Veranstaltungsräumlichkeit mit prolliger, aber bislang durchaus erfolgreicher medialer Inszenierung entpuppen: der „Contenance Club Munich“ unweit des Oktoberfestgeländes, laut Eigendarstellung die „Toplocation für Firmenevents, Schulungen, Geburtstage, Hochzeiten, Weihnachtsfeiern und Fußballabende“.

Das nur mühsam aufrechterhaltene Narrativ lässt sich ungefähr so skizzieren: Handverlesene Gäste und schwerreiche Mitglieder treffen sich bei Jahresbeiträgen von bis zu 50.000 Euro im exklusiven Protzpalast zu Champagner, Kaviar und Kobe-Rind und lassen sich dabei von Edel-Escort-Ladies betüddeln. Die „Abendzeitung“ zitiert dazu einen der Macher. Bei den Damen handele es sich schlicht um „wunderschöne Frauen, die sich gerne vergnügen“. Und weiter: „Die sind hier als Deko, sprechen die männlichen Gäste aber niemals an. Sie reden nur, wenn sie von den Herren gefragt werden.“ Ernsthaft jetzt?

Zu einigen der übelsten München- und Millionärsklischees passt das angebliche Konzept großartig – und sorgt als Dreingabe für jede Menge On- und Offlinepräsenz. Selbst die „Süddeutsche Zeitung“ berichtete über die wilde „Geschichte vom streng geheimen Klub für Superreiche, die durch die Boulevards“ geistere und offenbar „Kitsch vom Feinsten als Form der Extravaganz“ verstehe. Allerdings komme man schon ins Grübeln, „ob das überhaupt alles echt ist oder sich da jemand einen rechten PR-Spaß erlaubt“. Denn es sei „schon schwer vorstellbar, dass es der gewöhnliche Superreiche (sofern nicht blind) mehr als drei Minuten in diesem grellen Gewölbe aushält und dafür noch einen Haufen Geld blecht“.

Irgendwann wird man Gewissheit haben (aber der seltsame Laden wohl längst keinen mehr so wirklich interessieren). Was bleibt, wäre die leicht kopfschüttelnde Erinnerung an ein besonders schrilles Stück lokalen Vermarktungsgeschreis mit mutmaßlich durchaus zufriedenen Auftraggebern. Und für die vielen Kollegen, die sich tagtäglich mit ganz seriöser Medien- und Öffentlichkeitsarbeit abrackern, heißt es wohl einfach, getreu dem ziemlich unsinnigen Club-Motto Contenance zu wahren.